Schweinegrippe (Neue Grippe)

Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn sie die aktuellen Meldungen über die sogenannte Schweinegrippe (H1N1/2009) oder Neue Grippe hören. Seit ihrem ersten Auftreten im April 2009 hat die Zahl der Grippefälle auch hierzulande deutlich zugenommen. Die gute Nachricht ist, dass die Neue Grippe in Deutschland bei den meisten bislang mild verlaufen ist – und dass man einiges tun kann, um sich vor ihr zu schützen.

Wie zeigt sich die Schweinegrippe? Wie kann ich mich vor diesem neuen Grippevirus schützen? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und an wen kann ich mich wenden, wenn ich weitere Fragen zu diesem Thema habe?

Wie zeigt sich die Schweinegrippe?

Die Influenza oder Grippe ist eine Infektion der oberen Atemwege. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ähneln die Symptome der Neuen Grippe den Symptomen der "normalen“ Influenza: Die betroffenen Menschen haben mit plötzlich auftretendem Fieber, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Husten zu tun. Einige Menschen, die mit dem neuen Grippevirus infiziert waren, berichteten über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Auch wenn diese Symptome zunächst harmlos klingen: Es gibt bei jeder Grippeerkrankung ein Risiko für einen schweren Verlauf und Komplikationen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung (Pneumonie).

Wie kann ich mich vor einer Infektion schützen?

Um sich vor diesem neuen Grippevirus zu schützen, gelten dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei allen Grippeviren. Das bedeutet:

  • Waschen Sie Ihre Hände häufig und gründlich. Dazu benötigen Sie keine spezielle antibakterielle Seife oder Lösung, Wasser und normale Seife reichen aus.
  • Halten Sie Ihre Hände vom Gesicht fern. Die Wahrscheinlichkeit, sich zu infizieren, ist groß, wenn Sie Ihren Mund oder Ihre Nase berühren, nachdem Sie einen virusbelasteten Gegenstand angefasst haben.
  • Trinken Sie nicht aus Tassen oder Flaschen, aus denen bereits andere getrunken haben.
  • Vermeiden Sie es während einer Grippewelle, Menschen die Hand zu geben, sie zu umarmen und zu küssen.
  • Bedecken Sie Ihre Nase und Ihren Mund, wenn Sie husten oder niesen müssen, am besten mit einem Papiertaschentuch.
  • Entsorgen Sie benutzte Taschentücher richtig - lassen Sie sie nicht herumliegen, sodass andere Leute sie berühren könnten. Waschen Sie auch selbst Ihre Hände, nachdem Sie die Taschentücher angefasst haben. Bevorzugen Sie Papiertaschentücher zum einmaligen Gebrauch.

Mehr Informationen darüber, wie Sie sich vor Grippe schützen können, erhalten Sie in unserem Merkblatt zum Schutz vor Atemwegsinfekten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Grippe wird durch Viren verursacht. Medikamente, die die Vermehrung der Viren im Körper bekämpfen, nennt man "Virostatika" oder "antivirale" Medikamente. Sie sind verschreibungspflichtig.

Zwei neuere antivirale Mittel wurden bereits zur Bekämpfung der Vogelgrippe eingesetzt. Dabei handelt es sich um Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza). Diese neueren Medikamente gehören zur Klasse der "Neuraminidaseinhibitoren" - das bedeutet, sie hemmen ein Protein (Neuraminidase), das das Virus braucht, um sich im Körper vermehren zu können.

Antivirale Medikamente müssen bereits bei Beginn der Infektion eingenommen werden, um überhaupt eine Wirkung entfalten zu können. Da eine Grippe zumeist innerhalb von einer Woche abklingt, ist es für die Einnahme der Medikamente wahrscheinlich zu spät, wenn die Symptome bereits mehrere Tage bestehen. Wichtig zu wissen ist auch, dass Menschen, die diese Grippemedikamente einnehmen, wahrscheinlich genauso ansteckend sind wie grippekranke Menschen, die die Mittel nicht einnehmen.

Die Medikamente können auch von Menschen, die engen Kontakt zu Grippekranken haben, angewendet werden, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Bei dieser Art der Anwendung spricht man von vorbeugender Behandlung ("Prophylaxe" oder "Präventivtherapie").

Was passiert bei einer Grippewelle?

Deutschland hat sich mit einem so genannten Pandemieplan auf die Ausbreitung einer Grippe vorbereitet. Von einer Pandemie spricht man, wenn eine Krankheit länderübergreifend oder sogar weltweit ausbricht.

Sollte es zu einer größeren Grippewelle oder -epidemie mit neuen Virusarten wie dem Virus, der die Neue Grippe (Schweinegrippe) verursacht, kommen, werden vermutlich die neueren Grippemittel (Tamiflu und Relenza) zur Vorbeugung und Behandlung eingesetzt, auch wenn nicht sicher ist, wie gut sie tatsächlich helfen könnten. Im Falle einer Grippeepidemie ist es am wichtigsten und wirksamsten, die beschriebenen Hygienemaßnahmen zu beachten, um eine Ansteckung oder die Verbreitung des Virus zu verhindern.

Wo kann ich mich noch informieren?

Laufend aktualisierte Informationen zur Schweinegrippe (Neue Grippe) erhalten Sie beim Robert Koch-Institut (www.rki.de/influenza) und der Weltgesundheitsorganisation (www.who.int).

In unserem Grippe-Spezial erfahren Sie mehr über die Vorbeugung, Behandlung und über die Forschung zu antiviralen Medikamenten.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 13. Mai 2009 09:31
  • Letzte Aktualisierung: 01. August 2009 14:56
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