PDA zur Entbindung: Was sind Vor- und Nachteile für Mutter und Kind?
Die so genannte Periduralanästhesie (PDA) ist eine beliebte Maßnahme zur Schmerzlinderung während der Entbindung. Einzelheiten über diese Methode können Sie in unserem Merkblatt nachlesen. Bei einer PDA wird der Frau ein Betäubungsmittel, ein Schmerzmedikament oder eine Kombination von beidem in der Nähe der Lendenwirbelsäule in den unteren Rücken gespritzt. Ziel der Injektion ist ein Spalt zwischen zwei Schutzhäuten, die das Nervengewebe umhüllen. Fachleute sprechen vom so genannten Periduralraum, daher auch der Begriff "Periduralanästhesie".
Vom Periduralraum breiten sich die Narkosemittel in das Rückenmark aus, wo sie die Übertragung von Nervensignalen blockieren. Wenn eine Frau eine niedrigere Dosis erhält, spürt sie im Unterleib keine Schmerzen mehr, kann aber trotzdem noch ihre Beine bewegen, in den Pausen zwischen den Wehen aufstehen und umhergehen. Eine PDA eignet sich auch als Teilnarkose bei einem Kaiserschnitt. Der große Vorteil der PDA ist, dass sich eine Vollnarkose vermeiden lässt und die Frau die Geburt des Kindes miterleben kann.
Diesen Vorteilen stehen aber gewisse Nachteile gegenüber. Um Plus und Minus der PDA genauer abwägen zu können, haben Forscher der Cochrane Collaboration sich auf die Suche nach geeigneten Studien gemacht und diese systematisch ausgewertet. Die PDA ist wissenschaftlich relativ gut untersucht: Es fanden sich 21 Studien, an denen insgesamt mehr als 6.600 Schwangere teilgenommen hatten. Die meisten Frauen waren gesund und erwarteten ihr erstes Kind; während ihrer Schwangerschaft hatte es keine besonderen Probleme gegeben. Frauen mit Zwillingsschwangerschaften oder Frühgeburten (bis zur 36. Woche) nahmen an den Studien nicht teil.
Die Cochrane-Autoren kamen zu einer Reihe von Schlussfolgerungen: Die betreffenden Studien zeigten, dass eine PDA den Geburtsschmerz besser als andere medikamentöse Verfahren dämpft. Von 100 Schwangeren, die eine PDA erhalten hatten, waren 96 mit der Schmerzlinderung zufrieden, weniger als eine brauchte weitere Schmerzmittel (0,8 %). Zum Vergleich: Von 100 Frauen, die von vornherein eine andere Alternative zur Schmerzdämpfung erhalten hatten, benötigten im Durchschnitt mehr als 20 weitere Medikamente während der Entbindung (23 %).
Diesem Vorteil einer wirksamen Schmerzlinderung stehen einige Nachteile gegenüber. So verlängert sich durch die PDA die zweite Geburtsphase, in der die Frau das Kind durch den Geburtskanal presst. Die Verzögerung beträgt den ausgewerteten Studien zufolge im Durchschnitt etwa eine Viertelstunde.
Außerdem müssen bei Geburten mit PDA häufiger Geburtszangen oder Saugglocken eingesetzt werden. Ohne PDA mussten - je nach Klinik - 10 bis 30 von 100 Kindern mit solchen Instrumenten geholt werden. Mit PDA lag die Zahl im Durchschnitt um etwa 5 pro 100 Geburten höher. Das Risiko für einen Kaiserschnitt war jedoch nicht erhöht.
Frauen müssen während einer PDA aber mit gewissen Nebenwirkungen rechnen. Nach der Auswertung der Cochrane-Autoren fällt im Durchschnitt bei etwa 17 von 100 Frauen während einer PDA der Blutdruck deutlich ab (17 %). Einigen wird dadurch schwindelig oder übel. Etwa 20 von 100 Frauen bekommen Fieber (21 %). Bei Frauen, die keine PDA erhalten hatten, waren diese Nebenwirkungen selten.
Manche Frauen machen sich Sorgen, dass eine PDA anhaltende Rückenschmerzen auslösen könnte. Langfristige Folgen einer PDA wurden nur in wenigen Studien untersucht, sodass eine zuverlässige Antwort, wie oft Rückenschmerzen auftreten, offen bleiben muss. Nur in einer Studie wurden etwa 400 Frauen über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren befragt: Rückenschmerzen waren bei Frauen, die mit einer PDA entbunden hatten, nicht häufiger als bei Frauen, die während der Entbindung andere Schmerz dämpfende Medikamente verwendet hatten.
Während der PDA lässt es sich nicht vermeiden, dass ein Teil der Narkosemedikamente über die Nabelschnur auch in den Körper des Kindes gelangt. Offenbar hat die PDA auf das Neugeborene aber keine stärkeren Auswirkungen als andere Schmerz lindernde Medikamente. Ein Maß für den Zustand des Neugeborenen ist der so genannte Apgar-Wert. Er setzt sich aus Punktwerten zusammen, mit denen kurz nach der Geburt zum Beispiel Atmung und Hautfarbe des Kindes beurteilt werden. Nach der Auswertung der Cochrane-Autoren war der Apgar-Wert der Kinder, deren Mütter eine PDA erhalten hatten, im Durchschnitt nicht schlechter als der von Neugeborenen, deren Mütter andere Schmerzmedikamente eingenommen hatten.
- Erstellt am: 03. März 2006 18:05
- Letzte Aktualisierung: 15. April 2006 16:17
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Quelle: Anim-Somuah M, Smyth R, Howell C. Epidural versus non-epidural or no analgesia in labour. Cochrane Database Syst Rev 2005, Issue 4.
http://www.mrw.interscience.wiley.com/...
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