Merkblatt: Asthma in der Schwangerschaft
Weil ein schlecht kontrolliertes Asthma die Häufigkeit von Asthmaanfällen und damit das Wachstum des ungeborenen Kindes beeinträchtigen kann, machen sich viele schwangere Frauen Gedanken darüber, wie sie Auslöser für Asthmaanfälle möglichst vermeiden können. Viele machen sich auch Sorgen, ob sie ihr Asthma oder ihre Allergie auf ihr Kind übertragen.
Die meisten schwangeren Frauen mit Asthma sind zudem wegen ihrer Medikamente verunsichert: Können sie ihnen und ihrem Baby helfen, oder schaden sie dem Kind womöglich? Was kann man als werdende Mutter noch tun, um das Risiko für Schädigungen durch Asthma zu verringern? Die Forschung ist allmählich in der Lage, mehr Antworten auf diese wichtigen Fragen zu geben.
Welche Wirkung hat Asthma während der Schwangerschaft auf das Ungeborene?
Ein mildes oder gut kontrolliertes Asthma wird normalerweise weder bei der Frau noch bei ihrem Baby zu größeren Gesundheitsproblemen führen. Ein nur schlecht kontrolliertes Asthma kann ernsthafte Auswirkungen haben - für die Frau und häufiger noch für das Kind. So braucht das Baby eine gute und ununterbrochene Sauerstoffversorgung. Wenn die Mutter wegen Asthmabeschwerden zeitweise selbst Probleme hat, genug Sauerstoff zu bekommen, kann dies auch für das Baby einen Sauerstoffmangel bedeuten. Babys atmen im Mutterleib zwar nicht, über das Blut der Mutter müssen sie jedoch ausreichend Sauerstoff erhalten, damit sie gesund bleiben und sich gut entwickeln können.
Wenn eine Frau mit moderatem oder schwerem Asthma ihre Erkrankung nicht mit Medikamenten kontrolliert, die Asthmaanfällen vorbeugen können, hat sie ein erhöhtes Risiko für schwere Asthmaanfälle. Dies ist in der Schwangerschaft riskanter als normalerweise: zum Teil, weil die hormonellen Veränderungen und die zusätzliche körperliche Belastung einer fortgeschrittenen Schwangerschaft es der Frau erschweren, mit einer körperlichen Krise wie einem stärkeren Asthmaanfall fertig zu werden. Dies kann der Frau und ihrem Kind auf verschiedene Weise schaden. So verringert ein Asthmaanfall unter anderem die Menge an Sauerstoff, die das Baby erreicht. Schlecht kontrolliertes Asthma erhöht das Risiko für:
- eine Frühgeburt: wenn das Baby zu früh und dann häufig unreif geboren wird. Über Frühgeburten können Sie hier mehr lesen.
- eine Präeklampsie: eine Erkrankung, die während der Schwangerschaft auftreten und sowohl für die Mutter als auch ihr Kind lebensbedrohlich werden kann. Eine Präeklampsie bedeutet einen starken Anstieg des Blutdrucks und erhöhte Mengen Eiweiß im Urin (Proteinurie). Die Erkrankung kann das Wachstum des Babys beeinträchtigen und die Mutter sehr krank machen. Sie erhöht auch das Risiko für Krampfanfälle.
- ein begrenztes Wachstum: Das Baby entwickelt sich nicht richtig und wird zu klein geboren, auch wenn es volle neun Monate ausgetragen wurde.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzen, dass etwa eine von fünf schwangeren Frauen mit Asthma behandlungsbedürftige Asthmaanfälle hat. Etwa ein Drittel dieser Frauen wird wegen ihrer Asthmaanfälle ein Krankenhaus aufsuchen müssen. Dieses Risiko lässt sich jedoch durch eine gute Asthmakontrolle, vor allem durch die regelmäßige Anwendung von Kortison zum Einatmen (inhalatives Kortikoid), stark verringern.
Ist die regelmäßige Anwendung von Medikamenten zur Asthmakontrolle während der Schwangerschaft sicher?
Normalerweise wenden schwangere Frauen mit Asthma weiterhin die Medikamente an, die ihnen auch vorher geholfen haben. Die meisten Asthmamedikamente sind nicht speziell daraufhin überprüft worden, ob sie zur Anwendung in der Schwangerschaft sicher sind. Es bestehen jedoch auch keine größeren Sicherheitsbedenken. Am besten untersucht sind inhalative Kortikoide.
Soweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler also diese Frage beantworten können, sind inhalative Kortikoide zur Anwendung in der Schwangerschaft geeignet und sicher. Beim regelmäßigen Einsatz von Kortisontabletten (oralen Kortikoiden) sind mögliche unerwünschte Wirkungen auf das Baby in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten jedoch nicht auszuschließen. Der Einsatz von Kortison als Spray zum Einatmen wirkt weniger auf den ganzen Körper, denn dabei gelangt der Wirkstoff direkt in die Lungen und verteilt sich nicht so weit im Organismus. Das heißt, beim Einatmen dringt weniger Medikamentenwirkstoff bis zum Kind vor.
Falls Sie Asthma haben und schwanger sind, werden Ihre Ärztin oder Ihr Arzt in jedem Fall versuchen, die niedrigste Medikamentendosis zu finden, mit der sich Ihr Asthma gut unter Kontrolle halten lässt. Falls Sie sich mit Ihrer Erkrankung bisher noch nicht aktiv auseinandergesetzt haben, wäre Ihre Schwangerschaft ein guter Grund, damit anzufangen. Einen eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung ("Selbstmanagement") zu erlernen hilft, die Asthmabeschwerden unter Kontrolle zu bekommen. Neben einer guten Asthmakontrolle in der Schwangerschaft ist es wichtig, dass Sie Ihren eigenen sowie den Gesundheitszustand Ihres Kindes regelmäßig überwachen lassen.
Das Medikament, das zum Einsatz in der Schwangerschaft bisher am besten untersucht wurde, ist Budesonid. Über die Forschung zu diesem Kortikoid können Sie hier mehr lesen. Die regelmäßige Anwendung von inhalativen Kortikoiden kann
- die Zahl der Asthmaanfälle während der Schwangerschaft verringern und
- die Zahl der Mütter senken, die wiederholt wegen Asthmaanfällen ins Krankenhaus gehen müssen.
Da inhalative Kortikoide die Zahl der Kinder, die mit Missbildungen geboren werden, nicht zu erhöhen scheinen, gelten sie als sicher zur Anwendung in der Schwangerschaft. Da nur sehr wenig Wirkstoff in die Muttermilch gelangt, wird auch der Medikamenteneinsatz während der Stillzeit als sicher angesehen.
Was kann man noch tun, um die Risiken für Mutter und Kind zu senken?
Zwei wichtige Möglichkeiten, das Risiko zu senken, dass ein Baby zu klein auf die Welt kommt, sind:
- Mit dem Rauchen aufhören. Wenn eine schwangere Frau raucht, kann dies das Geburtsgewicht ihres Babys verringern, was wiederum zu Gesundheitsproblemen nach der Geburt führen kann. Hier erfahren Sie mehr darüber, wie Sie sich vor und auch noch während der Schwangerschaft das Rauchen abgewöhnen können.
- Andere Auslöser für Asthmaanfälle vermeiden.
Für Schwangere mit Asthma ist es auch wichtig, Orte zu meiden, an denen geraucht wird, denn Tabakrauch kann das Risiko für einen Asthmaanfall erhöhen. Verdauungsstörungen wie Sodbrennen (gastroösophagealer Reflux) sind ein häufiges Problem während einer Schwangerschaft. Starkes Sodbrennen kann Asthmaattacken auslösen. Viele Frauen versuchen, das durch den Rückfluss von Magensäure (Reflux) verursachte Sodbrennen zu mildern: Zum Schlafen lagern sie ihren Kopf höher und essen mehrere kleine Mahlzeiten am Tag, damit ihr Magen nicht zu voll wird.
Mehr Informationen über die Auslöser von Asthmaanfällen erhalten Sie hier.
Kann man in der Schwangerschaft irgendetwas tun, um das Risiko zu senken, dass ein Baby Asthma oder Allergien entwickelt?
Für die Mutter wie für den Vater gilt: Wenn beide mit dem Rauchen aufhören, kann dies das Risiko verringern, dass ihr Kind später Asthma entwickelt. Dagegen ist es bisher nicht belegt, dass eine spezielle Schwangerschaftsdiät das Baby vor Asthma oder Allergien schützt. Das bedeutet: Wenn Sie Asthma haben, ist es zwar wichtig, Nahrungsmittel zu vermeiden, die Asthmaanfälle auslösen könnten. Es hat aber keinen erwiesenen Vorteil, Nahrungsmittel zu vermeiden, um das Kind vor späteren Allergien zu schützen.
Eine andere Möglichkeit könnte es sein, in den letzten Wochen der Schwangerschaft und eventuell noch während der Stillzeit probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen. Diese Mittel werden als Tabletten oder Säfte angeboten. Sie enthalten spezielle Bakterien, die sich auch in Milchprodukten wie Joghurt finden. Probiotika werden oft als "freundliche Bakterien" bezeichnet, da sie möglicherweise davor schützen, im Laufe des Lebens eine Allergie zu bekommen. Sie sollen auch Magen-Darm-Problemen vorbeugen. Es ist jedoch alles andere als sicher, ob dies funktioniert. Die Forschung zur Wirkung von Probiotika steckt noch in den Kinderschuhen. Mehr darüber und zum Thema Allergieprävention können Sie hier lesen.
Viele Frauen mit Allergien nehmen vor der Schwangerschaft eine spezifische Immuntherapie oder "Desensibilisierung" in Anspruch. Diese Behandlung hat zum Ziel, unempfindlich gegenüber den Allergenen zu werden, die die Beschwerden auslösen. Manche Frauen überlegen vielleicht, während der Schwangerschaft mit der Behandlung zu beginnen. Es gibt jedoch ein kleines Risiko für ernsthafte unerwünschte Wirkungen, die schnell lebensbedrohlich werden können. Aus diesem Grund warnt die US-amerikanische Akademie für Geburtshilfe und Gynäkologie schwangere Frauen in einer aktuellen Leitlinie davor, diese Therapie während ihrer Schwangerschaft zu beginnen oder die Dosis zu erhöhen, falls sie schon längere Zeit vor der Schwangerschaft mit der Therapie begonnen haben.
All diese Sorgen wegen möglicher Risiken können für Frauen sehr beängstigend sein - sie müssen jedoch mit bedacht werden. Es ist wichtig, während der Schwangerschaft auf die eigene Gesundheit zu achten, insbesondere auf die Asthmakontrolle. Wenn Sie Ihr Asthma gut kontrollieren können, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Schwangerschaft für Sie wie auch für Ihr Baby gut verlaufen wird. Sich zu viele Gedanken um Asthmaauslöser, Diäten und Sonstiges zu machen, macht die Dinge nicht einfacher. Zu große Sorgen können Stress auslösen, der weder Ihnen noch Ihrem Kind gut tut. Ein gutes Selbstmanagement und eine gute medizinische Versorgung können zwar nicht alle Risiken von Asthma in der Schwangerschaft beseitigen. Sie können die Risiken jedoch soweit verringern, dass es Ihnen und ihrem Kind sehr wahrscheinlich gut gehen wird.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 02. Dezember 2008 10:52
- Letzte Aktualisierung: 03. Dezember 2008 12:24
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