Nach einem Schlaganfall: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Depressionen?

Foto von älterem Paar
Antidepressiva helfen älteren Menschen nach einem Schlaganfall möglicherweise nicht so wie erwartet. Da die Medikamente unerwünschte Wirkungen wie eine Erhöhung des Sturzrisikos auslösen könnten, sollten sie mit Bedacht angewendet werden.

Ein Schlaganfall kann zu Behinderungen führen, die körperlichen Fähigkeiten eines Menschen einschränken und seine Selbstständigkeit zumindest anfangs erheblich herabsetzen. Mit diesen Veränderungen umzugehen und die nötige Rehabilitationsarbeit zu tun, um wieder unabhängiger zu werden, ist sehr anstrengend - sowohl für den Menschen, der einen Schlaganfall hatte, als auch für die Personen, die ihn unterstützen und betreuen.

Die Veränderungen beeinflussen auch das Gefühlsleben: Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind nach einem Schlaganfall zu erwartende Reaktionen. Die meisten Menschen bleiben zwar nicht über Monate oder noch länger deprimiert, allerdings kann sich bei bis zu einem Drittel der Betroffenen eine Depression entwickeln. Die sogenannte "klinische Depression" wird bei älteren Menschen nach einem Schlaganfall aber häufig nicht erkannt. Auch für Ärztinnen und Ärzte kann es sehr schwierig sein, zwischen einer "normalen" Reaktion auf die belastende Situation und einer möglicherweise dauerhaften depressiven Erkrankung zu unterscheiden. Bei einigen Menschen verschwindet eine Depression nach einem Schlaganfall mit der Zeit von selbst wieder. Bei den meisten bleibt sie jedoch bestehen, wenn sie nicht behandelt wird.

Ein Schlaganfall führt häufig nicht nur zu körperlichen, sondern auch zu geistigen Beeinträchtigungen. Einige Menschen haben Sprach- oder Verständnisstörungen, manche entwickeln auch Schlafstörungen oder Ängste, die sie vorher nicht hatten. Manchmal verändert sich nach einem Schlaganfall auch das Verhalten der Betroffenen. Solche Verhaltensänderungen können durch die Schäden bedingt sein, die der Schlaganfall im Gehirn verursacht hat.

Studien zur Behandlung von Depressionen nach einem Schlaganfall


Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Cochrane Collaboration haben nach Studien gesucht, die den Einfluss von Therapien gegen Depressionen auf Menschen nach einem Schlaganfall untersucht haben. Es war wichtig, sich nur Studien mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach einem Schlaganfall anzuschauen, da Antidepressiva und psychologische Maßnahmen bei Schlaganfallpatienten möglicherweise anders wirken als bei Menschen mit anderen Formen der Depression.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass einer der Gründe, warum Depressionen nach Schlaganfällen oft unbehandelt bleiben, die Schwierigkeit sein könnte, sie zu erkennen und auf die übliche Weise zu behandeln. Wenn Ärztinnen und Ärzte unsicher sind, ob eine Therapie überhaupt hilft, könnte es laut dieser Annahme also sein, dass sie das Problem nicht aktiv angehen - so die Vermutung der Forscher. Dies bedeutet, dass Patienten und ihre Angehörigen ihre Ärztin oder ihren Arzt vielleicht direkt auf die Möglichkeit einer Depression ansprechen müssen.

Es zeigte sich, dass die bisherige Forschung zur Behandlung von Depressionen nach Schlaganfällen nicht ausreicht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden zwar 16 Studien, diese hatten aber meist mehrere Behandlungen geprüft und waren klein. Die meisten Studien untersuchten Antidepressiva, vier Studien beschäftigten sich mit psychologischen Maßnahmen. Die Forschergruppe fand keine Studien zu komplementären (alternativen) Therapien.

An allen Studien nahmen insgesamt rund 1650 Menschen teil. Diese hatten alle kurz zuvor einen Schlaganfall gehabt. Menschen mit bestimmten erkrankungsbedingten Einschränkungen wie Sprach- und Verständnisproblemen waren jedoch nicht gefragt worden, an den Studien teilzunehmen. Die Studien liefen nie länger als sechs Monate. Es ist also mehr Forschung notwendig, um sicher sagen zu können, welche Maßnahmen Menschen mit einer Depression nach einem Schlaganfall helfen, und welche möglicherweise schaden können.

Antidepressiva können manchen Menschen helfen - erhöhen aber auch die Gefahr unerwünschter Wirkungen

Es wurden vier verschiedene psychologische Maßnahmen untersucht; die Studien waren allerdings klein, und die speziellen Therapieprogramme zeigten keine besonderen Wirkungen. Mehr Informationen gab es zur medikamentösen Therapie, auch wenn nicht für jedes einzelne Medikament genug Forschungsergebnisse vorliegen. Die Studien weisen darauf hin, dass Antidepressiva einigen Menschen nach Schlaganfällen helfen. Vielleicht können zukünftige Forschungen zeigen, ob bestimmte Medikamente so wirksam sind wie erwartet. Besonders wichtig wäre es zudem, das Verhältnis von positiven und unerwünschten Wirkungen sorgfältig zu prüfen.

In den untersuchten Studien traten unerwünschte Wirkungen häufig auf - aber auch hier gilt: Mehr Forschung ist nötig, um dies zu bestätigen. Mögliche Nebenwirkungen sind Verwirrung, Müdigkeit bis hin zur Apathie und Zittern. Solche Wirkungen können sich bei bis zu einem von 10 Menschen zeigen, die Antidepressiva nehmen. Zudem hatte auch einer von 10 Menschen durch die Antidepressiva Probleme mit dem Verdauungssystem, wie Verstopfung und Durchfälle.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zogen den Schluss, dass mögliche Schäden der Medikamente in diesen Studien nicht ausreichend untersucht wurden - zum Beispiel, in welchem Ausmaß Antidepressiva bei Schlaganfallpatienten die Häufigkeit von Stürzen oder Krampfanfällen erhöhen könnten. Diese Risiken kommen daher, dass die Medikamente das zentrale Nervensystem beeinflussen, was die Bewegungssicherheit einschränken kann. Deshalb mahnen die Forscherinnen und Forscher zur Vorsicht bei der Anwendung von Antidepressiva. Wenn Menschen diese Medikamente nach einem Schlaganfall einnehmen, muss auf unerwünschte Wirkungen besonders geachtet werden. Es können verschiedene Mittel ausprobiert werden, es ist aber noch nicht möglich zu sagen, welche Antidepressiva für Menschen nach einem Schlaganfall am ehesten geeignet sind. In den Studien, die die Forschergruppe geprüft hatte, wurden auch nicht alle verfügbaren Antidepressiva eingesetzt.

In unserem Merkblatt erfahren Sie mehr darüber, wie Betroffene und ihre helfenden Angehörigen emotional mit den Folgen eines Schlaganfalls umgehen können. Über die verschiedenen Therapien, die sich für die Rehabilitation nach Schlaganfällen als nützlich erwiesen haben, erfahren Sie hier mehr.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 08. Juli 2008 16:31
  • Letzte Aktualisierung: 06. November 2008 13:54
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  • Quelle:

    Hackett ML, Anderson CS, House AO, Xia J. Interventions for treating depression after stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

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