Überschreitung des Geburtstermins: Wann wird eine Geburtseinleitung nötig?

Foto von schwangerer Frau
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Kind aufgrund eines überschrittenen Geburtstermins stirbt, wenn sonst alles in Ordnung ist. Ist die Geburt jedoch um mehr als zwei Wochen überfällig, senkt eine künstliche Einleitung das Risiko, dass das Baby stirbt.

Die meisten Babys werden um den errechneten Geburtstermin herum geboren, in der Regel innerhalb von zwei Wochen davor oder danach. Eine Schwangerschaft, die länger dauert als 40 Wochen (280 Tage), wird als "übertragene" Schwangerschaft bezeichnet. Geht es der Mutter und dem Ungeborenen gut, besteht für die beiden in der ersten Woche nach dem errechneten Geburtstermin kein besonderes Risiko. Danach erhöht sich das Risiko für Probleme jedoch langsam.

Wenn bei Mutter oder Kind Anzeichen für gesundheitliche Probleme auftreten, kann die Geburt künstlich eingeleitet werden, oder das Baby kann mittels Kaiserschnitt entbunden werden. Normalerweise ist dies nicht erforderlich, da die Wehen bei den meisten Frauen von selbst einsetzen. Mehr über die Übertragung und die Möglichkeiten zur Geburtseinleitung erfahren Sie hier.

Vor- und Nachteile des Abwartens und der künstlichen Geburtseinleitung

Die Hauptrisiken einer Übertragung für das Baby sind, dass der Mutterkuchen (Plazenta) seine Aufgaben allmählich nicht mehr richtig erfüllen kann, sich innerhalb der Gebärmutter eine Infektion bildet oder bei der Geburt nicht vorherzusehende Komplikationen auftreten. Für die Mütter bestehen weniger Risiken. Wird das Kind zu groß, können aber auch für sie Probleme auftreten. Wenn die Wehen nicht von selbst einsetzen oder eingeleitet werden, verschlechtert sich die Gesundheit des Kindes oder der Mutter irgendwann so weit, dass ein Kaiserschnitt erforderlich wird. Dieser Punkt kann plötzlich und überraschend erreicht sein.

Im Einzelfall lässt sich nur sehr schwer sagen, ob eine Schwangerschaft zu lange dauert. Bei nur wenigen Babys zeigen sich bei den ärztlichen Untersuchungen Probleme. Das Risiko für das Baby besteht bei einer Übertragung aber eher darin, dass es die Belastung während der Geburt nicht aushält. Die wichtigste medizinische Strategie, um solchen Komplikationen vorzubeugen, besteht darin, einen Zeitpunkt festzulegen, ab wann eine Geburtseinleitung grundsätzlich sinnvoll ist, auch wenn es der Mutter und ihrem Kind zu diesem Zeitpunkt gut geht.

Eine Geburtseinleitung lohnt sich dann, wenn ihre Vorteile für die Mutter und das Kind größer sind als die Risiken, die sie mit sich bringt. Dazu gehört auch das Risiko, dass die Einleitung fehlschlägt und ein Kaiserschnitt unausweichlich wird.

Studien zeigen, dass nach der 42. Woche die Vorteile einer Geburtseinleitung überwiegen

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration aus der Schweiz und Australien hat untersucht, ab welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft eine Geburtseinleitung für alle Frauen das Leben einiger Säuglinge schützen kann. Sie haben nach Studien gesucht, in denen Schwangere einwilligten, dass entweder zu einem festen Zeitpunkt die Geburt eingeleitet wird oder sie ihre Schwangerschaft fortsetzen und eine Geburt nur eingeleitet wird, falls Probleme auftreten. Diese Frauen wurden dann per Zufall einer der beiden Gruppen zugeteilt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nur Studien berücksichtigt, in denen für mindestens 80 % der Teilnehmerinnen und ihrer Babys erhoben wurde, wie die Geburt ausgegangen war. Zudem musste das Komplikationsrisiko für die Teilnehmerinnen und ihre Babys gering sein. Das heißt, an den Studien durften keine Frauen teilnehmen, bei denen bereits bestimmte Probleme bekannt waren (von dem verspäteten Geburtstermin abgesehen).

Die Frauen, die ihre Schwangerschaft fortsetzten, wurden regelmäßig untersucht, meist zweimal pro Woche. So konnten die Ärztinnen und Ärzte feststellen, ob Probleme auftraten, die doch eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt nötig machten. Zu den Untersuchungen gehörten eine elektronische Überwachung des Herzens des Babys sowie eine Messung der Fruchtwassermenge.

Insgesamt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 19 Studien mit etwa 8000 Frauen. Davon nahmen 6000 Frauen an Studien teil, in denen die Geburtseinleitung nach der 42. Woche erfolgte. Die anderen 2000 Frauen nahmen an Studien teil, in denen die Geburt bereits vor dem Ende der 42. Woche eingeleitet wurde. Die Ergebnisse erlauben eine eindeutige Schlussfolgerung: Wenn der Geburtstermin um mehr als zwei Wochen überschritten ist, kann eine Einleitung das Risiko, dass ein Baby stirbt, nachweislich senken - vorher jedoch nicht.

Die Studienergebnisse

In der Gruppe der 3000 Frauen, bei denen nach dem Ende der 42. Woche die Geburt eingeleitet wurde, starb ein Baby nach Geburt. Allerdings hatte dieses Baby eine angeborene Anomalie; das heißt, es wurde mit einem Gesundheitsproblem geboren, das nicht hätte verhindert werden können. Bei den 3000 Frauen, deren Geburt nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt eingeleitet wurde, starben neun Säuglinge (zwei davon wegen angeborener Anomalien). Für Säuglinge mit einer angeborenen Anomalie ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben viel höher, unabhängig davon, wie sie auf die Welt kommen. In den Studien konnten also mittels Geburtseinleitung nach der 42. Woche sieben von 3000 Babys vor dem Tod um den Zeitpunkt ihrer Geburt herum bewahrt werden.

Es kam zudem seltener zu anderen Problemen, wie zum Beispiel einer Mekoniumaspiration. Dies ist eine ernsthafte Geburtskomplikation, die auftritt, wenn das Baby während der Geburt Darminhalt (Kindspech) ins Fruchtwasser ausscheidet und dieser in seine Lunge gelangt. Dies kann passieren, wenn das Baby während der Geburt sehr unter Stress ist. Eine Mekoniumaspiration führt meist zu schweren Atmungsproblemen nach der Geburt. Nur 1,4 % der per Geburtseinleitung zur Welt gekommenen Babys (etwas mehr als eins von 100) hatten eine Mekoniumaspiration. Im Vergleich dazu waren fast vier von 100 Babys, deren Geburt nicht zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet worden war (3,6 %), davon betroffen.

Eines der größten Risiken einer Geburtseinleitung ist im Allgemeinen, dass ein Kaiserschnitt erforderlich wird. In den erwähnten Studien erhöhte die Einleitung zu einem festen Zeitpunkt jedoch nicht das Risiko für einen Kaiserschnitt. Hier können mehr über Geburtseinleitung lesen und erfahren, wie Frauen darüber denken und wie sie sie erleben.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 24. September 2008 12:12
  • Letzte Aktualisierung: 24. September 2008 13:44
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quelle:

    Gülmezoglu AM, Crowther CA, Middleton P. Induction of labour for improving birth outcomes for women at or beyond term. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

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