Schlaf: Wie verändert sich der Schlaf von der Kindheit bis zum Alter, und was kann ihn stören?
Ausreichend Schlaf ist für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden wesentlich. Es gibt viele Dinge, die beeinflussen können, wie viel und wie gut wir schlafen, wie zum Beispiel Alkohol, Drogen und Medikamente. Psychische oder körperliche Erkrankungen können die Schlafqualität ebenso beeinträchtigen wie Stress oder Schichtarbeit. Bei manchen Menschen stören zum Beispiel nächtliche Atemstillstände (Schlafapnoe) oder Unruhe in den Beinen (Restless-Legs-Syndrom) den Schlaf. Manche Menschen wachen nachts mehrfach auf, weil sie zur Toilette müssen. Während der Wechseljahre wird der Schlaf vieler Frauen durch nächtliche Hitzewallungen unterbrochen. Darüber können Sie hier mehr lesen.
Auch Schlafstörungen wie Zähneknirschen (Bruxismus), Reden im Schlaf oder Schlafwandeln (Somnambulismus) können die Nachtruhe beeinträchtigen. Albträume können uns aus dem Schlaf reißen, seine Dauer und Tiefe stören. Ein Jetlag kann den Schlafrhythmus für eine Weile völlig durcheinanderbringen. Und fast die Hälfte aller Menschen schnarcht - auch wenn sie es selbst nicht bemerken und es ihren eigenen Schlaf nicht unterbricht, aber den Schlaf anderer häufig stört.
Manche Erkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen führen dazu, dass die Betroffenen zu oft einschlafen. Weit mehr Menschen haben jedoch ein Problem mit Schlaflosigkeit (Insomnie). Eine Schlaflosigkeit wird als chronisch bezeichnet, wenn man in mindestens drei Nächten pro Woche nicht richtig schlafen kann und dieser Zustand länger als einen Monat anhält. Menschen mit einer Insomnie können Einschlafprobleme haben, sie können kurze Zeit nach dem Einschlafen wieder aufwachen, oder sie wachen morgens viel zu früh auf.
Tatsächlich gibt es so viele Dinge, die den Schlaf beeinträchtigen können, dass es sich nur schwer beurteilen lässt, welche Schlafqualität in welcher Lebensphase "normal" ist. Auch altert jeder Mensch auf unterschiedliche Weise. Kleinkinder haben einen ganz anderen Schlafrhythmus als ältere Kinder und Erwachsene. Der Schlaf gesunder Kinder gleicht sich dem üblichen Schlafrhythmus Erwachsener an, wenn sie etwa fünf Jahre alt sind. Über den Schlaf von Babys und Kleinkindern werden wir in Zukunft eine eigene Information erarbeiten.
Normale Schlafzyklen
Es gibt verschiedene Schlafphasen, die sich während eines ungestörten Nachtschlafs normalerweise alle 90 bis 110 Minuten wiederholen. Die Abfolge der Schlafphasen bezeichnet man als Schlafzyklus. Man unterscheidet vor allem zwei Arten von Schlaf: den REM-Schlaf (Abkürzung des englischen "rapid-eye-movement", schnelle Augenbewegungen) oder "Traumschlaf" und den "non-REM"-Schlaf. Nur während der REM-Phasen träumen wir. Wenn Kinder und Erwachsene sich in tiefem Traumschlaf befinden, bewegen sich ihre Augäpfel schnell hin und her, obwohl ihre Augen geschlossen sind.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Ärztinnen und Ärzte messen die gesamte Schlafdauer: Sie beginnt, wenn man das Licht löscht und einschlafen möchte. Ab diesem Zeitpunkt bis zur ersten Schlafphase befindet man sich in der "Einschlafphase" (auch: "erste Leichtschlafphase" oder "Schlaflatenz" genannt).
Die erste Schlafphase ist ein sehr leichter Schlaf, in der das Bewusstsein zwischen Wachen und Schlafen wechselt und man sehr leicht wieder aufgeweckt werden kann. In der zweiten Schlafphase hören die Augen auf, sich zu bewegen, und die Gehirnfunktionen werden langsamer, auch wenn noch plötzliche kurze Aktivitätsschübe auftreten.
Die beiden ersten Phasen leichten Schlafs nehmen etwa die Hälfte eines Schlafzyklus ein, Phase 3 und 4 sind die "Tiefschlafphasen". In der vierten Schlafphase spielen sich die Träume ab. Wenn sie zu Ende geht, wird der Schlaf wieder leichter und der gesamte Schlafzyklus beginnt von Neuem. Manche Menschen wachen am Ende eines Schlafzyklus ganz oder fast auf, andere schlafen bis zum Morgen durch.
Forschungsergebnisse zum normalen Schlaf von der Kindheit bis zum Alter
Es gibt viele Theorien darüber, was normaler Schlaf ist und wie das Alter ihn beeinflusst. Es ist jedoch schwierig zu sagen, welchen Einfluss allein das Alter auf den Schlaf hat. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums für Epidemiologie des Schlafs in Stanford, Kalifornien, haben zusammen mit anderen US-amerikanischen Forschern Studien analysiert, die zu messen versucht hatten, wie normaler Schlaf bei gesunden Menschen verschiedenen Alters (ab fünf Jahren) aussieht.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden 65 Studien mit über 3500 gesunden Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwischen fünf und 102 Jahren. Da es mehr Forschungsarbeiten mit sehr jungen und sehr alten Menschen gab, ist über den Schlaf im mittleren Alter weniger bekannt. Fast 2400 der Studienteilnehmer waren mindestens 20 Jahre alt, und es haben mehr Männer als Frauen teilgenommen: Knapp über 900 waren Frauen, und fast 1500 Männer. Einige der Studien mit Kindern waren während der Ferien durchgeführt worden, manche ausschließlich während der Schulzeit. In den Studien wurden verschiedene Methoden angewandt, um die Gehirnaktivitäten während des Schlafs zu messen. In vielen Studien schliefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Schlaflabors, nicht zu Hause.
Auch wenn für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der genauen Analyse aller Forschungsergebnisse viele Fragen offen blieben, konnten sie einige Schlüsse ziehen: So dauert die Phase der Schlaflatenz - also der Zeitraum, bis wir in leichten Schlaf fallen - etwas länger, wenn wir älter werden. Der altersbedingte Unterschied ist jedoch sehr gering: Insgesamt verlängert sich die Latenzphase zwischen 20 und 80 Jahren um weniger als zehn Minuten.
Die Phasen tiefen REM-Traumschlafs werden zwischen fünf und 19 Jahren allmählich länger. Danach bleiben sie einigermaßen stabil bis etwa zum 60. Lebensjahr. Bei Menschen ab 60 nimmt der Traumschlaf etwas ab, und sie schlafen nicht mehr ganz so gut wie jüngere.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass der Schlaf erwachsener Menschen von Problemen wie Depressionen oder Ängsten, aber auch durch Drogen- und Alkoholkonsum empfindlich gestört werden kann.
Dauer des Nachtschlafs
Die Gesamtschlafdauer wird gemessen vom Zeitpunkt, an dem man das Licht ausmacht, um zu schlafen, bis zu dem Moment, an dem man aufwacht und wach bleibt, um in den Tag zu starten. Das heißt, die Phase der Schlaflatenz wird zur Gesamtschlafdauer gerechnet. Mit zunehmendem Alter nimmt die Schlafdauer ab.
Für kleine Kinder zwischen fünf und acht Jahren ist eine nächtliche Schlafdauer von acht oder neun Stunden normal. Im Alter von etwa 40 Jahren schlafen Menschen in der Regel etwa sieben Stunden, und etwa sechseinhalb Stunden, wenn sie zwischen 55 und 60 Jahre alt sind. Gesunde 80-Jährige schlafen meist etwa sechs Stunden pro Nacht. Das sind jedoch nur Durchschnittswerte; jeder Mensch braucht unterschiedlich viel Schlaf.
Auch wenn das Älterwerden den Verlauf und die Qualität unseres Schlafs beeinflusst, sind Schlafstörungen nicht normal, nur weil man älter wird. Zu wenig Schlaf kann in jedem Alter zu Problemen führen. Schlafmangel kann außerdem riskant sein, weil er zum Beispiel Unfälle wahrscheinlicher macht. Falls Sie Schlafstörungen haben, könnte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen helfen, den Grund herauszufinden. Über einige der Methoden, die bei Schlaflosigkeit helfen, können Sie hier mehr lesen.
- Erstellt am: 18. August 2008 14:08
- Letzte Aktualisierung: 21. August 2008 10:12
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Quelle:
Ohayon MM, Carsdakon MA, Guilleminault C, Vitiello MV. Meta-analysis of quantitative sleep parameters from childhood to old age in healthy individuals: developing normative sleep values across the human lifespan. Sleep 2004; 27: 1255-1273. [PubMed-Zusammenfassung]
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