Merkblatt: Nahrungsergänzungsmittel und komplementärmedizinische Präparate

Drogerieregal
Nahrungsergänzungsmittel, komplementäre oder "alternative" Behandlungsverfahren wie Homöopathie oder pflanzliche Mittel sind sehr beliebt. Viele Menschen betrachten sie als sanfte Möglichkeiten, zusätzlich zur ärztlichen Behandlung selbst etwas zu tun, oder eigenständig Krankheiten und kleinere Wehwehchen zu behandeln. Dabei gehen die meisten davon aus, dass diese Mittel völlig sicher sind.

Manche schwören auf Komplementärmedizin und verwenden niemals etwas anderes. Für andere Menschen wiederum sind die "alternativen" Verfahren Quacksalberei und Geldverschwendung. Doch im Bereich der Komplementärmedizin gilt dasselbe wie bei allen Behandlungsverfahren: Einige wirken, andere hingegen nicht. Wie alle medizinischen Maßnahmen können viele komplementäre (ergänzende) Mittel auch Schaden anrichten. Die Annahme, "pflanzlich gleich unschädlich" und "chemisch gleich gefährlich" ist irrig - schon allein deshalb, weil es eine ganze Reihe pflanzlicher Gifte gibt.

Gleichgültig ob ein Behandlungsverfahren herkömmlich oder komplementär ist: Ihr Nutzen oder Schaden muss nach denselben wissenschaftlichen Regeln bewertet werden. Es gibt keine logische Begründung dafür, dass ein chemisch hergestelltes Medikament anders zu bewerten ist als zum Beispiel ein pflanzliches. Wenn Sie darüber nachdenken, komplementäre Mittel zu verwenden, kann es sinnvoll sein, auf einige Dinge besonders zu achten.

Was ist Komplementärmedizin?

Es gibt keine eindeutige Grenze, die Komplementärmedizin und herkömmliche Medizin (oft Schulmedizin oder Allopathie genannt) sauber trennt. Zum Beispiel sehen manche Menschen Vitamine und Nahrungsergänzungsprodukte als Mittel der Komplementärmedizin an. Einige dieser Mittel sind jedoch auch ein anerkannter Teil der Schulmedizin. Massagen gehören für einige Menschen zur Komplementärmedizin, sind aber auch ein althergebrachtes Element der Physiotherapie und Pflege. Die chinesische Kräuterheilkunde wird in westlichen Ländern als "alternativ" betrachtet, nicht aber in asiatischen Ländern. Yoga ist für einige Komplementärmedizin, für andere hingegen eine klassische Art der Bewegung und Entspannung.

Im Allgemeinen werden alle Behandlungsverfahren als komplementär oder "alternativ" bezeichnet, die auf anderen Denkansätzen und Theorien basieren als auf denen der Schulmedizin, wie sie an den Universitäten gelehrt wird. Solche Denkansätze - wie zum Beispiel die Akupunktur - können die Vorstellung beinhalten, dass sich die Selbstheilungskräfte durch eine Stimulation der Körperenergie stärken lassen. Sie können auch Theorien über Krankheitsursachen sein, wie beispielsweise Annahmen der Chiropraktik über den Einfluss der Wirbelsäule auf die Gesundheit. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche theoretische Ansätze zur Entwicklung von Medikamenten, etwa in der Homöopathie oder in der anthroposophischen Medizin.

In der Regel werden pflanzliche Mittel ganz allgemein zu den Mitteln der komplementären Medizin gezählt. Der Begriff der Phytotherapie meint eine Behandlung mit Produkten, die auf Kräutern oder anderen Pflanzen basieren. Auch die Schulmedizin verwendet nicht selten pflanzliche Mittel. In diesem Merkblatt richten wir den Blick vor allem auf solche Mittel der Komplementärmedizin sowie auf Nahrungsergänzungsmittel.

Nahrungsergänzungsmittel und komplementäre Mittel werden oft verwendet, um die Abwehrkräfte zu stärken und Krankheiten vorzubeugen. Die Behandlungsverfahren werden eher "komplementär" genannt als "alternativ", weil sie meist zusätzlich zur Schulmedizin eingesetzt werden, statt diese zu ersetzen. Dieser Punkt ist wichtig. Denn eine der Hauptbefürchtungen bei der Komplementärmedizin ist nicht, dass die Behandlung selbst Schaden anrichten könnte. Man sorgt sich vielmehr, dass manche Menschen sich ausschließlich auf diese Mittel verlassen, statt nachgewiesen wirksame Therapien anzuwenden.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Grundsätzlich ist ein Nahrungsergänzungsmittel ein Nährstoffprodukt, das man schluckt: Es kann eine Tablette, ein Pulver oder auch eine Flüssigkeit sein. Es enthält einen Stoff wie ein Vitamin oder ein Mineral, der auch in normalen Lebensmitteln vorkommt. Ein Nahrungsergänzungsmittel muss nicht pflanzlich sein: Es kann auch ein tierisches Produkt wie Fischöl enthalten. Deshalb gehören Nahrungsergänzungsmittel nicht zu den pflanzlichen Mitteln. Und sie sind nicht notwendigerweise "natürlich": Sie können auch synthetisch hergestellt sein.

Hier finden Sie einige Beispiele, die üblicherweise als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft werden:

  • Vitamine und Provitamine wie Vitamin C, Vitamin E, Folsäure, Beta-Carotin
  • Mineralstoffe und Spurenelemente wie Calcium, Magnesium, Eisen, Zink
  • Vitaminähnliche Stoffe wie Coenzym Q10
  • Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren, Omega-6-Fettsäuren
  • Eiweißbestandteile wie L-Cystein, L-Carnitin
  • Kohlenhydrate wie der Ballaststoff Oligofructose
  • Sonstige Inhaltsstoffe wie Bierhefe, Algen, probiotische Kulturen

Ein Nahrungsergänzungsmittel enthält normalerweise den entsprechenden Stoff in einer so hohen Dosis, dass man sie mit normalen Lebensmitteln nicht ohne Weiteres zu sich nehmen könnte. Sehr hohe Mengen von Vitaminen oder Mineralstoffen können jedoch giftig sein. Deshalb werden hoch dosierte Produkte oft den Arzneimitteln zugeordnet.

Was als Nahrungsergänzungsmittel und was als Arzneimittel gilt, kann sich von Land zu Land unterscheiden: So werden Pflanzenextrakte wie Ginseng und Ginkgo biloba in einigen Ländern als Nahrungsergänzungsmittel und in anderen als pflanzliche Arzneimittel eingestuft.

Müssen alle pflanzlichen Mittel und Nahrungsergänzungsmittel dieselben Bestimmungen zu Qualität und Sicherheit erfüllen wie rezeptpflichtige Arzneimittel?

In Sachen Qualität und Sicherheit gelten unterschiedliche Bestimmungen für Arzneimittel und zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel. Wenn ein Mittel nicht als Arzneimittel gilt, muss es nicht alle der strengen Tests und Qualitätssicherungs-Prozesse durchlaufen, die für rezeptpflichtige Medikamente gefordert werden. Man kann also auch nicht immer sicher sein, dass alle Produkte, die in Drogerien, Supermärkten, Apotheken oder im Internet angeboten werden, standardisiert sind. Das bedeutet zum Beispiel, dass nicht unbedingt genau die Inhaltsstoffe in der Flasche sind, die das Etikett verspricht. Die Zusammensetzung des Produkts kann sich von Flasche zu Flasche ein wenig unterscheiden.

Ein Nahrungsergänzungsmittel unterliegt den Bestimmungen für Lebensmittel und nicht denen für Arzneimittel. Die Hersteller dürfen nicht mit der Beseitigung, Linderung oder Vorbeugung von Krankheiten werben. Stattdessen nutzen sie oft Angaben wie: "unterstützt die Abwehrkräfte", "übt einen ausgleichenden Effekt auf den Hormonhaushalt aus" oder "zur Unterstützung einer gesunden Gelenkfunktion".

Selbst wenn die Behörden dafür sorgen, dass wirklich gefährliche Stoffe nicht auf den Markt gelangen, heißt das nicht, dass pflanzliche Mittel oder sogar Vitamine nicht auch schaden könnten. Sehr hohe Dosierungen mancher Antioxidantien oder Vitamine sind zum Beispiel mit einem erhöhten Risiko für Krebs und sogar mit Todesfällen in Verbindung gebracht worden. Und manche Menschen können gravierende allergische Reaktionen auf Stoffe zeigen, die auf bestimmten Pflanzen basieren. In Deutschland zum Beispiel verlangt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von allen Vitaminherstellern, die Beimischung von Carotinen zu begrenzen.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist die Aufsichtsbehörde für die Zulassung von Arzneimitteln auf der Grundlage des deutschen Arzneimittelgesetzes. Für die Zulassung zum Beispiel eines rezeptpflichtigen Medikaments muss dessen Wirksamkeit auf der Basis kontrollierter Studien belegt worden sein. Es gibt jedoch auch ein spezielles vereinfachtes Registrierungsverfahren, das für bestimmte traditionelle und vermutlich "unbedenkliche" Arzneimittel angewendet werden kann. Anstelle eines Wirksamkeitsbelegs könnte für die Registrierung eines Mittels unter bestimmten Bedingungen ein sogenannter "Traditionsbeleg" sowie eine "Wirksamkeitsplausibilität" ausreichen.

Die Phytotherapie lässt sich nicht immer eindeutig der Schul- oder Komplementärmedizin zuordnen. Pflanzliche Mittel werden in vielen Drogerien, Supermärkten und auch im Internet angeboten. Manche pflanzlichen Mittel gelten jedoch als potenziell riskant und sind deshalb apothekenpflichtig. Und wieder andere pflanzliche Mittel oder hoch dosierte Ergänzungsmittel sind als Arzneimittel für eine spezielle Anwendung zugelassen. Letztere sind oft nur mit einem ärztlichen Rezept in Apotheken erhältlich.

Doch auch wenn ein Medikament im Handel ist, heißt das nicht, dass alle Fragen zu seiner Wirksamkeit und Sicherheit schon beantwortet sind. Dies gilt für Mittel der Komplementärmedizin genauso wie für Medikamente der Schulmedizin. Oft dauert es viele Jahre, bis man alles über die Auswirkungen einer Behandlung weiß. Forschung und Überwachung dauern an, wenn das Medikament auf dem Markt ist und angewendet wird. Oft ist es sogar so, dass die vom Hersteller unabhängige Forschung erst dann beginnt, wenn das Arzneimittel auf dem Markt ist und damit zugänglich für unabhängige Forscherinnen und Forscher.

Ich möchte ein komplementäres Mittel oder ein Nahrungsergänzungsmittel verwenden - was sollte ich beachten?

Wie bei allen Behandlungen gibt es einige zentrale Fragen zu bedenken:

  • Ist das Produkt geeignet für mein Gesundheitsproblem, und kann es mir wirklich helfen? Behandele ich damit Symptome, ohne sicher zu sein, was sie verursacht? Vernachlässige ich so vielleicht das eigentliche Problem, das dann noch größer werden kann?
  • Was hat man bei Menschen mit vergleichbaren Problemen zum Nutzen und Schaden dieser Mittel herausgefunden? Mehr dazu, warum Studien nötig sind und wie man sie analysiert und interpretiert, können Sie hier lesen.
  • Welche Dosis ist nötig, um eine wissenschaftlich nachgewiesene Verbesserung zu erreichen? Entspricht das komplementäre Mittel oder das Ergänzungsmittel, das ich kaufen kann, dem Mittel, das in Studien geprüft wurde?
  • Was sind die anderen Inhaltsstoffe des Mittels? Enthält die Flüssigkeit oder Tablette eine Substanz, auf die ich in der Vergangenheit allergisch reagiert habe? Enthält das Mittel Alkohol?
  • Was passiert, wenn ich das Medikament oder das Ergänzungsmittel nicht nehme? Wird sich mein Zustand vielleicht auch von alleine schnell bessern, oder würde ich ernsthafte Probleme bekommen, wenn ich gar nichts einnehme?
  • Was kostet das Mittel, und was muss ich tun, um es richtig zu verwenden?
  • Kann das Mittel die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen oder beeinträchtigen, die ich schon nehme oder vielleicht bald brauche?
  • Gibt es noch andere Behandlungsmöglichkeiten, und soll ich eine davon vielleicht vorziehen?

Einige komplementäre Mittel können die Wirksamkeit anderer Medikamente wie zum Beispiel den Effekt von Betäubungs- oder Schmerzmitteln beeinflussen oder das Risiko von Blutungen erhöhen. Dies kann wichtig sein, wenn Sie bald operiert werden oder eine neue Behandlung beginnen. Deshalb und aus vielen anderen Gründen ist es wichtig, dass Sie Ihren Ärztinnen und Ärzten mitteilen, welche komplementären Mittel und Nahrungsergänzungsmittel Sie verwenden. Wenn Sie schwanger sind oder stillen, kann alles, was Sie einnehmen, einen Einfluss auf Ihr Baby oder die Schwangerschaft haben.

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  • Erstellt am: 25. Juni 2008 10:26
  • Letzte Aktualisierung: 18. Juli 2008 15:40
  • Historie: Liste anzeigen
  • Quelle:
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