Fortgeschrittener Brustkrebs: Hilft die Teilnahme an einer Gruppentherapie?

lachende Frauen
Die Teilnahme an einer Gruppentherapie kann das emotionale Wohlbefinden von Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs verbessern. Die Wirkung ist aber einige Monate nach Beendigung der Therapie wieder verflogen.

Bei manchen Frauen breitet sich Brustkrebs weiter aus oder er wird erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Auch dann noch kann die Erkrankung behandelt werden. Fortgeschrittener Brustkrebs ist jedoch oft mit großen Schmerzen, aufwändigen Behandlungen und einer verminderten Überlebenschance verbunden. All dies hat schwerwiegende psychologische Folgen.

Psychologische und soziale Unterstützung gibt es in unterschiedlicher Form: Neben individueller Beratung, Psychotherapie und Schulung ist auch Unterstützung durch eine ärztlich oder psychotherapeutisch betreute Gruppentherapie möglich. Nach Schätzungen nimmt aber weniger als eine von 10 an Krebs erkrankten Frauen (10 %) an einer Gruppentherapie teil. Einige Frauen bevorzugen den Besuch von Selbsthilfegruppen.

Wissenschaftler der Cochrane Collaboration wollten mithilfe einer systematischen Übersicht herausfinden, wie es Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs nach einer psychologischen Gruppentherapie geht. Ihre Suche führte zu fünf zuverlässigen Studien, in denen verschiedene Formen der Gruppentherapien an insgesamt über 600 Frauen aus Australien, Kanada oder den USA erprobt worden sind. Die Frauen waren in der Gruppe immer ärztlich oder psychotherapeutisch betreut worden, es handelte sich also nicht um Selbsthilfegruppen.

Gemeinsames Ziel der Programme war es, den Patientinnen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und soziale Unterstützung anzubieten. Eines der Programme dauerte nur wenige Monate, die anderen etwa ein Jahr. Drei der Therapiegruppen boten überwiegend soziale Unterstützung an. Zwei beinhalteten eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie. Das Prinzip bestand darin, dass die Teilnehmerinnen dieser Studien unter ihren Überzeugungen, Gedanken und Verhaltensweisen diejenigen herauszufinden versuchten, die es ihnen erschwerten, mit ihrer Krankheit umzugehen. Anschließend arbeiteten sie darauf hin, Einstellungen, Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern. Bei anderen Gesundheitsproblemen hat sich kognitive Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen.

Die Wissenschaftler folgerten, dass auch Frauen mit Brustkrebs durch die Teilnahme an solchen Gruppen ihr emotionales Wohlbefinden und Selbstwertgefühl verbessern können, auch wenn die Wirkung nicht allzu nachhaltig ist. Schon einige Monate nach Beendigung der Therapie war der Effekt offenbar wieder verflogen. Die Studien deuten auch an, dass die Teilnehmerinnen an der Gruppentherapie weniger Schmerzen hatten. Die Programme liefern jedoch keinen Hinweis, dass Teilnehmerinnen der Gruppentherapie länger lebten als Frauen, die nicht teilgenommen hatten.

Möglich ist, dass bestimmte Frauen stärker von einer Gruppentherapie profitieren, andere sich aber eher schlechter fühlen. Weitere Forschung ist auch nötig, um zu klären, wie sich die Gruppentherapie auf das Verhältnis zu Partnerin oder Partner, Familie und zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten auswirkt. Auch wissen wir noch nicht, wie die Gruppentherapie bei Frauen in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung wirkt und ob es einen Unterschied für den Erfolg macht, wie lange die Diagnose schon zurückliegt.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 24. September 2008 13:54
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  • Quelle: Edwards AGK, Hulbert-Williams N, Neal RD. Psychological interventions for women with metastatic breast cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 3. [Cochrane-Zusammenfassung]

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