Erkältungen: Erst einmal auf Antibiotika verzichten?

Wenn Antibiotika bei einfachen Erkältungen aus ärztlicher Sicht nicht notwendig erscheinen, kann man zunächst ein bis zwei Tage abwarten. Dadurch lassen sich unnötige unerwünschte Wirkungen vermeiden.
Der Glaube, dass Antibiotika gegen alle Infektionen helfen, sitzt bei vielen Menschen tief. Die Medikamente werden bei Kindern und Erwachsenen deshalb häufig auch bei unkomplizierten Erkältungen, Hals- und Mittelohrentzündungen verschrieben, obwohl sie da kaum wirken können. Denn diese Infektionen der oberen Atemwege werden fast immer durch Viren verursacht, die der Körper meist auch ohne Behandlung innerhalb einer Woche unter Kontrolle bekommt. Gegen Viren sind Antibiotika wirkungslos, sie können nur Bakterien abtöten.
Auch wenn der geringe Nutzen von Antibiotika gegen Erkältungen eigentlich bekannt ist, verlassen dennoch viele Menschen, die wegen einer Erkältung zur Ärztin oder zum Arzt gehen, die Praxis schließlich mit einem Antibiotika-Rezept. Das ist nicht nur Geldverschwendung: Antibiotika haben durchaus unerwünschte Wirkungen, wie zum Beispiel Durchfall, Übelkeit, Hautausschläge oder Scheidenentzündungen. Hinzu kommt, dass durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika Krankheitserreger unempfindlich gegen die Mittel werden können. Dadurch können viele Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor. Mehr über den richtigen Einsatz von Antibiotika können Sie hier erfahren.
Antibiotika als Sicherheitsnetz: Man bekommt ein Rezept – löst es aber erst später ein
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler suchen deshalb nach Wegen, wie man die Anwendung von Antibiotika eingrenzen kann, ohne den Menschen das Gefühl zu geben, ihnen würde etwas vorenthalten. Eine Idee ist folgende: Wer auf einem Antibiotika-Rezept besteht, bekommt es zwar ausgestellt. Aber man bekommt von seinem Arzt oder seiner Ärztin auch den Rat, es nicht sofort einzulösen, sondern erst einmal ein oder zwei Tage abzuwarten. Nur wenn sich die Erkältung dann nicht gebessert hat, soll man sich das Mittel in der Apotheke besorgen und mit der Einnahme beginnen.
Um den Erfolg dieser Strategie beurteilen zu können, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration nach randomisierten kontrollierten Studien dazu gesucht: Studien mit streng vergleichbaren Gruppen von Teilnehmenden. Wie und warum solche Studien gemacht werden, können sie hier lesen. Die Wissenschaftlergruppe fand insgesamt zehn Studien, in denen die Teilnehmenden – etwa zur Hälfte Kinder – auf Gruppen aufgeteilt wurden: Der einen Gruppe wurde empfohlen, sofort Antibiotika einzunehmen. Eine andere Gruppe sollte mit der Einnahme frühestens 48 Stunden später beginnen oder ganz auf Antibiotika verzichten.
Das Ergebnis bestätigte, dass die schnelle Einnahme von Antibiotika bei unkomplizierten Erkältungen kaum Nutzen bringt. Bei Kindern mit Hals- und Mittelohrentzündungen klangen Schmerzen und Fieber etwas schneller ab. Bei Husten und Erkältungen linderte die frühe Einnahme von Antibiotika die Beschwerden nicht schneller. Weitere Daten zeigen, dass etwa die Hälfte der Kinder, die erst einmal abwarten sollten, das Antibiotika-Rezept schließlich überhaupt nicht verwendet hat. Das hatte zur Folge, dass ihnen auch eventuelle unerwünschte Wirkungen erspart blieben. Auf die Patientenzufriedenheit hatte diese Strategie kaum Auswirkungen.
Mehr über Erkältungen, ihre Vorbeugung und Behandlung können Sie hier nachlesen.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 18. Januar 2011 16:35
- Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
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Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.
Spurling GKP, Del Mar CB, Dooley L, Foxlee R. Delayed antibiotics for respiratory infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 1. [Cochrane-Zusammenfassung]
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