Merkblatt: Migräne-Infos für Kinder und Jugendliche
Wenn du ab und zu einen Migräneanfall hast, ist das schon schlimm genug. Wenn du jedoch oft solche Schmerzen hast, fühlst du dich vielleicht insgesamt krank und elend. Du bist damit nicht alleine: Viele junge Menschen haben eine Migräne, die so stark ist, dass sie oft nicht einmal aus dem Haus gehen können. Sie fehlen deshalb in der Schule und verpassen all die Dinge, die ihre Freunde unternehmen. Auch wenn viele es nicht wissen: Wenn junge Menschen in die Pubertät kommen, hat etwa einer von 10 ab und zu Migräneanfälle.
Die gute Nachricht ist: Es gibt vieles, was du tun kannst, damit die Migräneanfälle weniger werden und du mit ihnen besser fertig wirst. Die Chancen stehen gut, dass die Migräne ganz verschwindet, wenn du älter wirst. Lies weiter, um zu erfahren, was du selbst tun kannst, damit die Migräneanfälle nicht mehr so oft wiederkommen, und wie du am besten mit ihnen umgehen kannst, wenn sie einmal da sind.
Was ist der Unterschied zwischen einer Migräne und normalen Kopfschmerzen?
Es gibt unterschiedliche Arten von Kopfschmerzen. Wenn du sehr schlimmes Kopfweh hast, wird eine Ärztin oder ein Arzt dich untersuchen. So kann sie oder er feststellen, ob die Schmerzen vielleicht durch etwas anderes verursacht werden. Meistens gibt es keine solche Ursache für die Kopfschmerzen. Manchmal ist der Grund für die Schmerzen aber zum Beispiel ein Problem mit dem Kiefergelenk, oder du nimmst vielleicht zu viele Tabletten ein, die an den Kopfschmerzen schuld sind. Deshalb wird die Ärztin oder der Arzt all diese Dinge untersuchen, bevor sie oder er dir sagen kann, ob eine Migräne der Hauptgrund für die Kopfschmerzen ist. Bei einer Migräne gibt es keine andere erkennbare Ursache für die Schmerzen.
Normale Kopfschmerzen sind meist Spannungskopfschmerzen. Die meisten von uns kennen sie, und du weißt vielleicht auch, wie sie sich anfühlen: als ob sich im Kopf ein Druck aufgebaut hat und er ganz angespannt ist. Bei diesen Kopfschmerzen tut der ganze Kopf weh. Du hast sie vielleicht, wenn du sehr im Stress bist oder nicht genug geschlafen hast.
Bei einer Migräne ist es anders. Manche Menschen nehmen eine "Aura" wahr, bevor die Migräne anfängt. Damit ist gemeint, dass man Lichtblitze sieht oder alles verschwommen wahrnimmt. Es kann auch sein, dass man wie durch Wellen hindurch sieht oder alles etwas verwackelt ist, wohin du auch schaust. Manche Menschen mit Migräne haben aber noch nie eine Aura erlebt. Das heißt: Auch wenn eine Aura ein Anzeichen für Migräne ist, bedeutet es nicht, dass du keine Migräne hast, wenn du keine Aura wahrnimmst.
Das sind die anderen Anzeichen für eine Migräne:
- Starke, hämmernde oder pochende Schmerzen besonders vorne im Kopf.
- Der Schmerz tritt meist nur auf einer Seite im Kopf auf, aber nicht immer auf derselben Seite.
- Die Kopfschmerzen dauern von ein paar Stunden bis zu drei Tagen.
- Wenn du dich bewegst, werden die Schmerzen stärker.
- Licht und Lärm sind unangenehm oder gar nicht auszuhalten.
- Dir ist übel oder du hast ein flaues Gefühl im Magen, und manchmal musst du dich sogar übergeben.
Wenn die Schmerzen häufiger so stark sind, dass du dich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum legen musst, hast du vielleicht eine Migräne. Eine Migräne kann auch dazu führen, dass du Bauchschmerzen hast.
Hier findest du eine kurze Übersicht über die Anzeichen und Merkmale der verschiedenen Kopfschmerzarten.
Was verursacht eine Migräne und woher weiß ich, was sie auslöst?
Vielleicht weißt du schon eine ganze Menge über Migräne, weil andere in deiner Familie auch Migräneanfälle haben. Tatsächlich liegt bei mehr als der Hälfte aller Menschen, die diese Art von Kopfschmerzen haben, der Grund dafür in der Familie.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich immer noch nicht sicher, was genau die Ursache für Migräne ist. Manchmal könnte vielleicht eine Art allergischer Reaktion dazu beitragen, oder ein Mangel an bestimmten Stoffen, die für den Körper wichtig sind, wie zum Beispiel ein Vitamin. Wahrscheinlich spielt Stress bei Schmerzen immer eine wichtige Rolle: Sich nervös und angespannt zu fühlen, kann Schmerzen verstärken oder dazu beitragen, dass sie auftreten. Sehr hektische Tage ohne ausreichende Pausen können das Leben ebenfalls stressig und Kopfschmerzen wahrscheinlicher machen.
Eins ist sicher: Wenn Mädchen erst einmal ihre Regelblutung (Periode oder Menstruation) haben, können die Hormone, die ihren Monatszyklus regeln, auch eine Migräne auslösen. Dies ist der Grund, warum ab diesem Zeitpunkt mehr Mädchen als Jungen Migräne haben. In der Kindheit gibt es dagegen keinen großen Unterschied.
Unregelmäßige Schlaf- und Essenszeiten können bei Kindern wie bei Erwachsenen die Wahrscheinlichkeit für eine Migräneattacke erhöhen, wenn sie dafür anfällig sind. Viele Fachleute nehmen auch an, dass es einen Zusammenhang von Ernährung, Bewegung und Migräne gibt. Die Wissenschaft kann aber noch nicht viele verlässliche Aussagen darüber machen, ob sie stimmen oder nicht.
Ein "Migräne-Auslöser" kann zum Beispiel etwas sein, was man isst oder unternimmt. Es ist einfach, vorschnelle Schlüsse zu ziehen, was solche Auslöser für dich sein könnten. Besser ist der Versuch, herauszufinden, ob es wirklich eine Verbindung zwischen dem vermuteten Auslöser und deiner Migräne gibt, bevor du zum Beispiel deine Ernährung stark veränderst oder Aktivitäten aufgibst. Grundsätzlich ist es besonders wichtig, auf eine gute und ausgewogene Ernährung zu achten, wenn man noch wächst.
Einige der Dinge, die als Migräne-Auslöser gelten und auf die du achten könntest, sind:
- Käse, Milch und Schokolade
- Eier
- Lebensmittelzusätze: chemische Stoffe, die bestimmten Nahrungsmitteln zugesetzt werden, zum Beispiel der Süßstoff Aspartam oder der Geschmacksverstärker Glutamat
Der beste bekannte Weg, den Auslösern für Migräne auf die Spur zu kommen, ist, für ein paar Wochen oder Monate ein Tagebuch über die Migräne- und Kopfschmerzattacken zu führen. Ein Kopfschmerz- oder Migränetagebuch bedeutet, dass du aufschreibst:
- was an den Tagen etwa zu dem Zeitpunkt passiert ist, an dem du eine Migräne bekommen hast;
- wann die Migräne anfing und wann sie wieder vorbei war;
- wie stark die Migräne war;
- ob du Medikamente genommen hast (wenn ja: welche und wie viel davon).
Ein solches Tagebuch zum Ausdrucken und Ausfüllen kannst du hier finden.
Wenn du glaubst, dass etwas Bestimmtes deine Migräne auslöst - wie zum Beispiel Schokolade essen - fängst du außerdem damit an, jedes Mal zu beobachten, was passiert, wenn du Schokolade isst. Es ist so ähnlich wie ein wissenschaftlicher Versuch in der Schule. Bevor du dich entscheidest, zum Beispiel keinen Käse oder keine Schokolade mehr zu essen oder auf Cola zu verzichten, willst du bestimmt sicher sein, dass es nicht nur Zufall war, dass der Migräneanfall kam, nachdem du Schokolade gegessen hast.
Wenn du mit etwas aufhörst und deine Migräne trotzdem genauso stark und oft wiederkehrt, kannst du auch dies in dein Tagebuch schreiben. Dich nur auf dein Gedächtnis zu verlassen, kann zu unsicher sein. Zum Beispiel wäre es möglich, dass du dich nicht so gut an all die Male erinnerst, als du Schokolade gegessen hast, ohne Migräne zu bekommen.
Was kann helfen, Migräne vorzubeugen?
Wenn du sicher bist, dass etwas Bestimmtes deine Migräne auslöst, und du diesen Auslöser vermeiden kannst, könnte dich das vor manchen Migräneanfällen schützen. Es könnte auch dazu führen, dass deine Migräne weniger schmerzhaft ist und schneller wieder vorübergeht.
Außerdem kann es dir helfen, regelmäßig gut und lange genug zu schlafen. Dinge, die deinen Schlaf stören könnten, sind zum Beispiel: zuviel Aufregung kurz vor der Schlafenszeit - dazu gehört auch, laute Musik zu hören oder lange mit Freunden zu telefonieren. Auch koffeinhaltige Getränke wie Cola, schwarzer Tee oder Kaffee erschweren das Einschlafen.
Um besser zu schlafen, kann es helfen, immer um die gleiche Uhrzeit zu Bett zu gehen. Auch eine angenehme Temperatur im Schlafzimmer - also weder zu warm noch zu kühl - fördert deinen Schlaf. Vielleicht findest du selbst heraus, dass es das Einschlafen nicht einfacher macht, wenn du im Bett noch etwas Spannendes liest oder fernsiehst.
Zu lernen, wie du deinen Körper und deinen Kopf entspannen kannst, könnte deinen Schlaf ebenfalls verbessern. Außerdem ist es nachgewiesen, dass Entspannung auch Kindern und Jugendlichen helfen kann, weniger Schmerzen bei einer Migräne zu haben. Ein Entspannungsverfahren zu erlernen kann bedeuten, dass du unter Anleitung bestimmte Techniken übst oder Methoden lernst, die dir helfen, besser mit Muskelverspannungen und Stress umzugehen. Deine Ärztin, dein Arzt und deine Eltern können dir helfen, jemanden zu finden, der dir solche Techniken beibringen kann. Sie gehören zu den Maßnahmen, die nachweislich am besten dabei helfen, Migräne zu mindern. Wenn du mehr über diese Methoden lesen möchtest und darüber, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Wirkung prüfen, kannst du hier klicken.
Gibt es Medikamente oder Vitamine, mit denen sich Migräneattacken vorbeugen lassen?
Manche Menschen probieren Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Arzneimittel aus, um ihren Migräneattacken vorzubeugen. Allerdings ist für keines dieser Mittel belegt, dass sie bei Kindern oder Jugendlichen helfen. Für einige Medikamente ist bewiesen, dass sie bei Erwachsenen einer Migräne vorbeugen. Junge Menschen haben jedoch eine etwas andere Art von Migräne als Erwachsene, und da sich ihr Körper noch entwickelt, wirken Medikamente bei ihnen anders. Was bei deinen Eltern hilft, funktioniert daher nicht automatisch auch bei dir.
Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher mehrere Male im Monat eine sehr starke Migräne hat, werden manchmal bestimmte Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt. In Deutschland haben die Behörden keines dieser Arzneimittel für den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen zugelassen: Es gibt nämlich nicht genug Forschung zu der Frage, ob die Mittel bei jungen Menschen sicher und wirksam sind. Wenn deine Migräne richtig schlimm ist, wird deine Ärztin oder dein Arzt dich vielleicht trotzdem fragen, ob du vorsichtig ein solches Medikament ausprobieren möchtest. Wenn du dich dafür entscheidest, wird sie oder er dich ein paar Mal im Jahr untersuchen wollen, um sicherzugehen, wie es dir mit dem Mittel ergeht. Es kann auch sein, dass deine Migräne mit der Zeit von selbst weggeht. Daher sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Wenn du dich für die Forschungsergebnisse zu unterschiedlichen Möglichkeiten der Migränevorbeugung interessierst, kannst du hier mehr darüber lesen.
Was kann ich bei einer Migräneattacke tun?
Wenn du eine schwere Migräne hast, wirst du dich wahrscheinlich erst einmal an einem ruhigen und abgedunkelten Ort hinlegen müssen, bis du einschlafen kannst oder die Migräne aufhört. Wenn es dir gelingt einzuschlafen, wird die Migräne meistens weg sein, sobald du wieder aufwachst. Es könnte dir auch helfen, eine Kältepackung auf die betroffene Kopfseite zu legen, um das Pochen zu lindern.
Die beiden Medikamente, die bei Kindern und Jugendlichen nachgewiesenermaßen am besten helfen, heißen Ibuprofen und Paracetamol. Sie können dabei helfen, die Schmerzen und das Pochen zu lindern. Nebenwirkungen sind zwar selten, wenn man nur wenige Medikamente einnimmt, aber manchmal können sie zu Magenbeschwerden führen. Ibuprofen wirkt möglicherweise etwas länger als Paracetamol.
Es gibt keine speziellen Migränemittel, für die bewiesen ist, dass sie Kindern unter zwölf Jahren helfen. Wenn du zwölf oder älter bist, hast du die Möglichkeit, ein Nasenspray gegen Migräne auszuprobieren. Es heißt Imigran und enthält den Wirkstoff Sumatriptan. Es reicht aus, wenn du mit dem Nasenspray einmal in eines deiner Nasenlöcher sprühst. Es ist nicht sicher, ob dieses Mittel besser wirkt als Ibuprofen, aber es hat mehr Nebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen). Nach dem Nasenspray hat man häufig einen merkwürdigen Geschmack im Mund. Andere unerwünschte Wirkungen treten seltener auf. Dazu gehören Benommenheit und ein steifer Kiefer.
Manche Mittel gegen Migräne enthalten einen Wirkstoff namens Metoclopramid. Er wird gegen Übelkeit eingesetzt; es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass er bei Kindern und Jugendlichen mit Migräne hilft.
Wenn du mehr über die Forschung zu diesen Medikamenten erfahren möchtest, kannst du dies hier nachlesen.
Für Erwachsene stehen mehr Medikamente zur Verfügung. Der Grund dafür ist, dass mehr Arzneimittel an Erwachsenen getestet worden sind als an Kindern. Die Ergebnisse aus Studien mit Erwachsenen lassen sich aber - wie bereits gesagt - nicht einfach auf Kinder und junge Menschen übertragen. Daher können wir nicht wissen, ob diese Mittel bei Heranwachsenden sicher und wirksam sind. Wenn dir Ibuprofen, Paracetamol oder Imigran nicht helfen, wird deine Ärztin oder dein Arzt vielleicht mit dir über andere Möglichkeiten sprechen.
Es passiert jedoch leicht, dass man zu viele Medikamente nimmt, wenn man oft Kopfschmerzen hat. Es ist besser, sich nicht einfach auf die Mittel zu verlassen, sondern sie nur einzusetzen, wenn es wirklich nicht mehr ohne sie geht.
Die meisten Kinder und Jugendlichen kommen mit ihrer Migräne zurecht, indem sie sich an einem ruhigen Ort hinlegen, die betroffene Kopfseite kühlen und, wenn die Beschwerden besonders schlimm sind, Ibuprofen oder Paracetamol nehmen. Die Unterstützung ihrer Eltern ist ebenfalls wichtig. Denk daran: Die Chancen stehen gut, dass deine Migräne mit der Zeit von selbst verschwindet.
Hier findest du dieses Merkblatt als MP3-Datei zum Anhören, ein Migräne-Tagebuch zum Ausdrucken und Ausfüllen und weitere Informationen über Migräne.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Letzte Aktualisierung: 17. Dezember 2008 14:29
- Erstellt am: 09. Dezember 2008 15:11
- Historie: Liste anzeigen
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