HIV und AIDS: Hilft körperliches Training?
Körperliches Training kann von großem Nutzen für die Gesundheit sein: Eine verbesserte Fitness kann zum Beispiel das Herz und die Lungen stärken, was auch als "kardiopulmonale Fitness" bezeichnet wird. Bewegung kann auch die Körperform verändern, das eigene Körperbild und das Wohlbefinden verbessern. Eine Infektion mit dem "Humanen Immunschwäche-Virus" (HIV) kann diese Bereiche dagegen negativ beeinflussen - daher kann ein Training für Menschen, die mit HIV leben, eine besondere Bedeutung haben.
HIV zerstört die so genannten CD4 Zellen, die ein lebensnotwendiger Bestandteil des körpereigenen Abwehrsystems sind. Das bedeutet, dass der Körper zunehmend anfälliger für Krankheiten wird. Die Behandlung mit "antiretroviralen" Medikamenten soll den Auswirkungen der HI-Viren im Körper entgegentreten. Eine der möglichen unerwünschten Nebenwirkungen dieser Medikamente ist jedoch die so genannte Lipodystrophie. Bei einer Lipodystropie wird das Fett im Körper umverteilt, was zu einer Veränderung der Körperform führt. Beispielsweise kann das Gesicht etwas eingefallen aussehen, während sich mehr Fett in anderen Körperregionen, zum Beispiel am Bauch, einlagert.
Die Krankheiten, die die HI-Viren möglicherweise auslösen können, schließen auch das "AIDS-Wasting-Syndrom" ein. AIDS bedeutet auf Deutsch: "Erworbenes Immunschwäche-Syndrom". AIDS-Wasting bedeutet einen starken Gewichtsverlust in Kombination mit Durchfall und körperlicher Schwäche. Für betroffene Menschen ist dann die Kräftigung des Immunsystems, des körperlichen Erscheinungsbilds und der allgemeinen Gesundheit aus vielen Gründen sehr wichtig.
Wissenschaftler der Cochrane Collaboration suchten nach Studien um herauszufinden, welcher Nutzen und welcher Schaden mit körperlichem Training bei Erwachsenen mit HIV verbunden sein könnten. Sie wollten herausfinden, ob Menschen mit HIV von Ausdauertraining, Muskelaufbautraining oder einer Kombination von beidem profitieren könnten.
Unter Ausdauertraining versteht man jede körperliche Aktivität, die die Sauerstoffaufnahme des Körpers verbessert. Diese Art der Bewegung verstärkt die Pumpleistung des Herzens und aktiviert das Herz-Kreislaufsystem. Zum Ausdauertraining zählen Walking, Jogging, Fahrradfahren, "Treppensteigen" auf einem Stepper, Schwimmen und Rudern.
Muskelaufbautraining wird manchmal auch als Krafttraining bezeichnet. Das Ziel dieses Trainings ist der Muskelaufbau oder -erhalt durch die wiederholte Bewegung der Muskeln gegen einen Widerstand. Dazu können Gewichte oder elastische Bänder eingesetzt werden, Übungsmaschinen zum Krafttraining, oder auch das eigene Körpergewicht, wie zum Beispiel beim Liegestütz.
Die Wissenschaftler haben 15 Studien gefunden, in denen der Effekt von Bewegung bei HIV untersucht wurde. An diesen Studien nahmen mehr als 700 Teilnehmer, hauptsächlich Männer, teil. Die Studien prüften unterschiedliche Arten von körperlicher Bewegung, so dass insgesamt nicht genug Informationen vorlagen, um zu zeigen, ob möglicherweise eine spezielle Art des Trainings besser ist als eine andere. Die Wissenschaftler fassten die einzelnen Studien zum Ausdauertraining, zum Muskelaufbautraining oder zu einer Kombination von beidem zusammen.
In den Studien absolvierten die Teilnehmer ein Ausdauertraining von mindestens 24 Minuten, mindestens drei Mal pro Woche über mindestens vier Wochen. Das Ausdauertraining umfasste sowohl gleichmäßiges Ausdauertraining als auch Intervalltraining. Bei einem Intervalltraining wird zwischen langsamem und schnellem Tempo gewechselt, es können auch kurze Pausen eingelegt werden.
Die Ergebnisse zeigten, dass körperliches Training für Menschen mit HIV in verschiedenen Bereichen nützlich sein kann. Programme nur mit einem Ausdauertraining oder mit einer Kombination von Ausdauertraining und Muskelaufbautraining verbesserten die kardiopulmonale Fitness: Beispielsweise nahm die Leistungsfähigkeit der Lunge der Teilnehmer zu. Programme mit Muskelaufbautraining oder einer Kombination von Muskelaufbautraining und Ausdauertraining zeigten einen positiven Effekt bei den wenigen Teilnehmern mit AIDS-Wasting: Sie führten zu Muskelaufbau und Gewichtszunahme. Es sind jedoch noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich, um herauszufinden, was genau Menschen mit HIV in verschiedenen Stadien der Erkrankung von körperlicher Bewegung erwarten können.
In den Studien wurde der Einfluss von körperlicher Bewegung auf das psychische Wohlbefinden auf unterschiedliche Weise gemessen. Einige Studien zeigten bei den Teilnehmern, die trainierten, eine verbesserte Lebensqualität oder eine Abnahme depressiver Symptome.
Körperliches Training scheint keine speziellen unerwünschten Wirkungen für Menschen mit HIV zu haben. In den Studien zeigten sich keine großen Unterschiede in der Virenbelastung der Teilnehmer, oder der Anzahl ihrer CD4-Zellen. Das bedeutet, dass körperliche Bewegung bei erwachsenen, medizinisch stabilen Menschen mit HIV scheinbar keinen Einfluss auf das HI-Virus oder die Immunität gegenüber Krankheitserregern hat. Die Studien dauerten nur ein paar Wochen oder Monate. Deshalb lassen sich keine sicheren Aussagen über den Langzeiteffekt körperlicher Bewegung bei Menschen mit HIV machen, oder über ihren Effekt in den verschiedenen Stadien der Erkrankung.
- Erstellt am: 07. Februar 2008 10:23
- Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2008 12:40
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Quelle: Nixon S, O'Brien K, Glazier RH, Tynan AM. Aerobic exercise interventions for adults living with HIV/AIDS. Cochrane Database of Systematic Reviews 2005, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung]
O'Brien K, Nixon S, Glazier RH, Tynan AM. Progressive resistive exercise interventions for adults living with HIV/AIDS. Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]
O'Brien K, Nixon S, Tynan AM, Glazier RH. Aerobic exercise interventions for people living with HIV/AIDS: Implications for practice, education and research. Physiotherapy Canada 2006; 58: 114-29.
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