Halsschmerzen: Verschwinden sie schneller durch Antibiotika?

Foto von Mann mit Schal
Antibiotika können die Beschwerden durch Halsentzündungen um weniger als einen Tag verkürzen. Dafür muss man aber das Risiko von Nebenwirkungen in Kauf nehmen, sodass die Abwägung von Vor- und Nachteilen eine Frage der persönlichen Einstellung ist.

Halsschmerzen heilen meist auch ohne eine besondere Behandlung aus. Schon drei Tage nach Beginn der Halsentzündung geht es 34 von 100 Personen (34 %) wieder deutlich besser. Nach einer Woche sind etwa 82 von 100 Personen (82 %) auch ohne Medikamente beschwerdefrei. Wenn Fieber auftritt, ist auch das meist ohne weitere Behandlung innerhalb von drei Tagen wieder abgeklungen.

Angesichts dieser Selbstheilungsrate stellt sich die Frage, wie groß der Nutzen von Medikamenten wie Antibiotika gegen Halsentzündungen ausfallen kann. Um die Antwort zu geben, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration insgesamt 27 Studien ausgewertet, an denen mehr als 12.800 Personen teilgenommen haben. In den Studien erhielt eine Teilnehmergruppe Antibiotika, eine andere Gruppe dagegen ein Scheinmedikament (Placebo). Warum dieses Vorgehen für die Aussagekraft einer Studie wichtig ist, können Sie hier nachlesen. Bei einer erneuten Suche im Jahr 2008 fand die Cochrane-Wissenschaftlergruppe keine zusätzlichen Studien von guter Qualität zu diesem Thema.

Die Studien zeigen, dass die Einnahme von Antibiotika die Heilungsrate nur wenig steigert. Von 100 Personen, die Antibiotika eingenommen hatten, waren am dritten Tag der Erkrankung 51 frei von Beschwerden (51%). Zum Vergleich: Ohne Antibiotika hatten 34 von 100 Personen die Entzündung nach drei Tagen überstanden. Der Vorteil entsprach einem Zeitgewinn von weniger als einem Tag. Nach einer Woche war der Unterschied dann zusammengeschmolzen: 87 von 100 Personen mit Antibiotika waren frei von Beschwerden, ohne Antibiotika waren es 82 von 100 Personen.

Eine weitere Wirkung der Antibiotika war, dass sie das Risiko von Komplikationen wie zum Beispiel Mittelohrentzündungen verringerten, die bei ansonsten gesunden Personen aber auch ohne Behandlung selten sind.

Dem begrenzten Nutzen der Antibiotika-Behandlung müssen die unerwünschten Wirkungen gegenübergestellt werden. Aus weiteren Studien lässt sich schließen, dass etwa 10 von 100 Erwachsenen (10 %) während der Einnahme von Antibiotika mit Nebenwirkungen rechnen müssen. Hinzu kommt, dass durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika Krankheitserreger unempfindlich gegen die Mittel werden können. Dadurch können viele Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor. Mehr über den richtigen Einsatz von Antibiotika können Sie hier erfahren.

Mehr über Erkältungen, ihre Vorbeugung und Behandlung können Sie hier nachlesen.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
  • Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2009 16:29
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  • Quellen:

    Die IQWiG-Gesundheitsinformationen stützen sich auf Forschungsergebnisse aus der internationalen Literatur. Wir identifizieren die zuverlässigsten aktuell verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, insbesondere aus sogenannten „systematischen Reviews“. Darin werden wissenschaftliche Studien zum Nutzen und Schaden von Behandlungen und anderen Maßnahmen der Gesundheitsversorgung zusammenfassend analysiert, sodass Fachleute und Betroffene deren Vor- und Nachteile abwägen können. Mehr Informationen dazu, wie systematische Reviews aufgebaut sind und warum sie die zuverlässigsten Belege liefern, finden Sie hier. Außerdem bitten wir stets die Autorinnen und Autoren der zentralen systematischen Reviews, auf denen unsere Informationen beruhen, um ihre Unterstützung, um die medizinische und wissenschaftliche Korrektheit unserer Produkte sicherzustellen.

    Spinks A, Glasziou PP, Del Mar C. Antibiotics for sore throat. Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 4. [Cochrane-Zusammenfassung]

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