Grippe: Wieviel Schutz könnte eine Grippeimpfung bieten?

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Die Wahrscheinlichkeit, dass gesunde Menschen an Grippe erkranken, ist in den meisten Jahren relativ gering - unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht. Die Schutzimpfung kann das Risiko, eine Grippe zu bekommen, möglicherweise jedoch um die Hälfte oder mehr senken. Dies könnte in Jahren mit hohem Gripperisiko einen großen Unterschied bedeuten.

Die Grippe (Influenza) wird durch Viren ausgelöst. Die Infektion kann nicht mit Antibiotika behandelt werden, da diese nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren wirken. Antibiotika helfen also nur, wenn sich zusätzlich zur Virusinfektion auch Bakterien in den Atemwegen ansiedeln. Viren sind mikroskopisch kleine Erreger, kleiner noch als Bakterien. Wie viele der so genannten Atemwegsviren (respiratorische Viren) vermehren sich auch Grippeviren sehr schnell, wenn sie erst einmal in unseren Körper gelangt sind. Sie können uns sehr krank machen und werden schnell von einer Person zur nächsten übertragen. Das Abwehrsystem (Immunsystem) des Körpers braucht einige Zeit, bis es gelernt hat, Antikörper zu bilden, um die Virusinfektion zu bekämpfen. Die weißen Zellen im Blut sind ein wichtiger Teil des Immunsystems. Einige dieser weißen Zellen bilden Antikörper gegen ein Virus, die dann die jeweilige Infektion bekämpfen können.

Die Grippe führt zu Fieber, Frösteln oder Schüttelfrost, Muskelschmerzen, allgemeinem Krankheitsgefühl und Erkältungssymptomen. Manche Menschen haben ein hohes Risiko für Grippekomplikationen - besonders Säuglinge, Kleinkinder, Menschen mit bestimmten Krankheiten und Personen über 65. Ernsthafte Komplikationen, wie zum Beispiel eine schwere Lungenentzündung (Pneumonie), können zum Tode führen. In der Regel sind die schlimmsten Beschwerden aber innerhalb von etwa einer Woche überstanden, auch wenn sich die meisten Menschen danach noch einige Wochen müde und kränklich fühlen. In unserem Spezial können Sie mehr über die Grippe und ihre Behandlung lesen.

Es gibt Hunderte von Grippeviren, die in Gruppen eingeteilt werden. Am gefährlichsten sind die Virusgruppen "Influenza A" und "Influenza B". Wer sich mit einem bestimmten Grippevirus ansteckt, entwickelt eine Unempfindlichkeit (Immunität) gegen diesen Virus. Bei einer Impfung passiert dasselbe. Allerdings wird dabei eine geschwächte oder "inaktivierte" Virusform in den Körper eingebracht, um die Antikörper-Produktion anzuregen. Hat der Körper danach mit einem lebenden, aktiven Virus von genau der Sorte zu tun, gegen die er geimpft wurde, kann er ihn erkennen und bekämpfen.

Eins der Probleme bei der Grippeimpfung ist, dass sich die Grippeviren ständig verändern. An der Außenhülle eines Virus haften so genannte Antigene. Diese Antigene sind der Teil des Virus, der von den Antikörpern erkannt und angegriffen wird. Wenn aber das Virus seine Antigene verändert, treten die vom eigenen Immunsystem gebildeten Antikörper nicht mehr in Aktion. Aus diesem Grund ist ein dauerhafter Impfschutz gegen Grippe nicht möglich: Wenn sich die Viren ständig anpassen, kann der Körper sie nicht erkennen. Manchmal entstehen auch ganz neue Virusformen. Wer in jeder Saison einen ausreichenden Impfschutz möchte, muss sich daher jedes Jahr erneut impfen lassen.

Nach der Impfung kann es ein paar Wochen dauern, bis sich die Immunität aufgebaut hat. Wer während der Grippesaison geschützt sein will, muss sich daher impfen lassen, bevor die ersten Grippefälle auftreten. Aus diesem Grund müssen schon Monate, bevor sicher ist, welcher Grippevirus in dem Jahr auftreten wird, große Mengen an Impfstoff hergestellt werden. In den meisten Jahren sind die Vorhersagen, welche Viren auftauchen werden, exakt genug.

Wenn es während einer Grippesaison in der Bevölkerung bereits eine hohe Immunität gegen die umlaufenden Viren gibt, erkranken weniger Menschen. In Jahren, in denen es zu einer Grippewelle kommt, könnte die Impfung jedoch viele Krankheits- und Todesfälle verhindern - vor allem bei jungen und sehr alten Menschen. Voraussetzung ist, dass der Impfstoff genau auf die kursierenden Viren passt. Im Allgemeinen ist die echte Grippe nicht so verbreitet wie andere Atemwegserkrankungen: Junge Menschen zum Beispiel haben das höchste Erkrankungsrisiko, und von ihnen werden vielleicht 10 bis 20 % während der Saison grippekrank. Für gesunde Erwachsene ist das Gripperisiko viel niedriger.

Wissenschaftler aus Italien wollten herausfinden, wie wirksam die Grippeimpfung über die Jahre nachweislich gewesen ist. Sie suchten nach Studien und anderen Untersuchungen, die verglichen, was im Laufe der Jahre aus geimpften und ungeimpften Menschen geworden war. Es zeigte sich, dass die Impfung bei Menschen mit geringem Erkrankungsrisiko nicht viel gebracht hatte, wenn der Impfstoff nicht dem Virus entsprach, der in jenem Jahr kursierte. Stimmten das Virus und der Impfstoff jedoch überein, konnte das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, viel stärker gesenkt werden. Insgesamt ergab die bestmögliche Schätzung der Forscher, dass die Impfstoffe das Gripperisiko gesunder Erwachsener um 50 bis 80 % senken konnten.

  • Eine Risikosenkung um 50 % bedeutet zum Beispiel: Von den ungeimpften Menschen, die in einem Jahr ein Gripperisiko von nur 2 % hatten, erkrankten tatsächlich nur 1 %, wenn sie geimpft waren. Nur einer von 100 Menschen profitierte also von der Impfung.
  • Hatten sie hingegen ein höheres Risiko, zum Beispiel 24 %, bedeutet eine Risikohalbierung, dass 12 von 100 Menschen in dem Jahr vor Grippe geschützt waren.
  • Eine Risikosenkung von 80 % bedeutet für Menschen mit einem erhöhten Risiko von 24 %, dass 19 von 100 Menschen geschützt waren.

Einige Studien zeigten, dass die Impfung die Sterberate älterer Menschen in Pflegeheimen im Winter reduzieren könnte. Doch auch eine geringe Senkung des Gripperisikos könnte insgesamt sehr viele Menschen betreffen. Der Nutzen einer Impfung ist für das jeweilige Jahr oder bei einem neuen Virus jedoch nicht genau vorhersehbar.

Die Gesundheitsbehörden in Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern empfehlen Menschen mit hohem Gripperisiko eine jährliche Schutzimpfung. In Deutschland ist die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin (STIKO) für Impfempfehlungen zuständig. Die Empfehlung gilt auch für Personen, die Kinder, alte oder kranke Menschen betreuen - also zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Kindergärten arbeiten. Die Behörden empfehlen die Schutzimpfung in diesem Fall aus zwei Gründen: Zum einen sind die Betreuerinnen und Betreuer den Viren sehr häufig ausgesetzt, zum anderen können sie, falls sie sich infiziert haben, leicht die Menschen anstecken, denen eine Grippeerkrankung mehr schaden könnte. Es wird außerdem empfohlen, dass Menschen, die sich impfen lassen wollen, dies bereits vor Beginn der Grippesaison tun - auf der nördlichen Erdhalbkugel also Anfang November. Da die Grippe aber auch erst im Januar, Februar oder noch etwas später ausbrechen kann, könnte eine Impfung auch noch nach dem November sinnvoll sein.

  • Erstellt am: 29. Januar 2008 09:40
  • Letzte Aktualisierung: 30. Januar 2008 14:38
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  • Quellen:

    Centers for Disease Control and Prevention. Prevention and control influenza. 2007; 56: 1-54. [Volltext]

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    STIKO. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidem Bulletin 2007; 30. [Volltext]

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