Gebärmutterhalskrebs: Kann die HPV-Impfung davor schützen?
Eine Infektion mit Humanen Papillom Viren (HPV) ist sexuell übertragbar. Bestimmte HPV erhöhen das Risiko für Zellveränderungen, die als Krebsvorstufen gelten. Eine Ansteckung mit diesen Viren gilt heute daher als eine wichtige Ursache für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Schutzimpfungen zielen darauf ab, die Infektion mit diesen HPV-Typen zu verhindern und so Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen. Mehr darüber können Sie in unserem Merkblatt lesen.
Sexuell aktive Menschen haben ein hohes Risiko, sich irgendwann mit HPV zu infizieren, weil die Viren sehr weit verbreitet sind und durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Die meisten Infektionen bleiben jedoch unbemerkt und heilen folgenlos aus. Gebärmutterhalskrebs wird zwar durch bestimmte HP-Viren verursacht, dennoch entwickelt sich aus einer HPV-Infektion nur selten ein bösartiger Tumor. Als krebserzeugend (karzinogen) gelten insbesondere zwei Virentypen, die so genannten HPV 16 und 18. Nach Schätzungen sind sie an der Entstehung von 70 % aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs beteiligt.
Gegen HP-Viren wurden bisher zwei Impfstoffe entwickelt. Der Zweifachimpfstoff mit dem Handelsnamen "Cervarix" zielt nur auf die Typen HPV 16 und 18. Der Vierfachimpfstoff "Gardasil" oder "Silgard" wirkt auch gegen die Typen 6 und 11, die Warzen im Genitalbereich ("Feigwarzen", Kondylome) verursachen können. Für einen vollständigen Impfschutz sind drei Injektionen innerhalb von sechs Monaten nötig.
Kanadische Wissenschaftler haben untersucht, ob sich bei Mädchen und jungen Frauen, die gegen HPV geimpft wurden, weniger Krebsvorstufen fanden als bei ungeimpften Frauen. Sie analysierten die Ergebnisse von sechs randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt über 40.000 Teilnehmerinnen zwischen 15 und 26 Jahren. Keine der Frauen hatte bis zum Beginn der Studie mehr als sechs Sexualpartner gehabt.
In den meisten Studien bekam eine Gruppe der Teilnehmerinnen alle drei Impfstoff-Dosen, die anderen eine unwirksame Substanz (Plazebo) injiziert. Nach der Durchführung aller drei Impfungen wurden die Teilnehmerinnen bis zu maximal fünf Jahre beobachtet. Während der gesamten Zeit sollte alle sechs bis zwölf Monate ein Pap-Test (Abstrich) zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs durchgeführt werden. Leider haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Studien durchgeführt haben, viele der Frauen in den letzten Jahren der Studie nicht mehr nachuntersuchen können. Dies schwächt die Sicherheit der Forschungsergebnisse etwas ab.
Trotzdem konnten die kanadischen Forscher zeigen, dass es mit der Vierfachimpfung möglich ist, einige Frauen erfolgreich vor Zellveränderungen zu schützen. Diese Veränderungen hätten in einen Gebärmutterhalskrebs übergehen können. In den Studien war das durchschnittliche Risiko für solche Ereignisse immer noch relativ klein: Es lag für alle Frauen ohne Impfung bei nur 2 bis 3 %. Für geimpfte Frauen sank das Risiko auf etwa 1 bis 2 %. Das heißt, dass die Vierfachimpfung während des Beobachtungszeitraumes bei etwa einer von 100 Frauen Zellveränderungen verhindern konnte. Allerdings hatte nicht jede dieser Frauen alle drei Impfstoffspritzen erhalten. Die Ergebnisse hätten bei einer vollständigen Immunisierung möglicherweise besser ausfallen können. Wie stark das Risiko über eine längere Zeit absinkt, werden wir erst in einigen Jahren wissen.
Darüber hinaus hat die Vierfachimpfung zu einer Senkung der Häufigkeit von Feigwarzen geführt. Daten aus zwei Studien mit knapp 6000 Frauen konnten zeigen, dass bei 3,5 % der ungeimpften Frauen Warzen auftraten, aber nur bei 0,9 % der geimpften Frauen. Anders ausgedrückt: Feigwarzen wurden bei geimpften Frauen viermal seltener festgestellt als bei ungeimpften.
Die Wissenschaftler schlossen aus den Studien, dass der Impfstoff kein größeres Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen mit sich bringt. Dies gilt aber nur für den Zeitraum von bis zu 5 Jahren; längerfristige Wirkungen liegen noch nicht vor. Laut CDC, einer US-amerikanischen Gesundheitsbehörde, machen sich Nebenwirkungen vorwiegend als begrenzte Hautreaktionen an der Einstichstelle, wie Schmerzen (in 8 von 10 Fällen), Gewebeschwellung (3 von 10 Fällen) und Rötung (3 von 10 Fällen) bemerkbar. Zu den häufigeren unerwünschten Wirkungen zählt auch Fieber (etwas mehr als 1 von 10 Fällen). Seltener kommt es zu Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Muskelschmerzen.
Die kanadischen Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass mit Hilfe der Impfung vermutlich weniger Frauen Gebärmutterhalskrebs entwickeln werden. Schließlich dauerten die Studien lediglich drei bis fünf Jahre und Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich wesentlich langsamer als innerhalb dieses Zeitraums. Ob die Schutzwirkung länger als fünf Jahre anhält und ob danach wieder geimpft werden muss, kann ebenfalls nicht sicher beantwortet werden. Auch die Frage, ob einer der beiden Impfstoffe wirksamer ist als der andere, lässt sich erst nach weiterer Forschung entscheiden.
In unserem Merkblatt können Sie mehr zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und zum Angebot einer generellen HPV-Impfung für junge Mädchen und Frauen lesen.
- Erstellt am: 29. November 2007 15:17
- Letzte Aktualisierung: 05. Dezember 2007 10:39
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Quelle: Markowitz LE, Dunne EF, Saraiya M, Lawson HW et al. Quadrivalent human papillomavirus vaccine: Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). CDC MMWR Recommendations and Reports 2007; 56 (RR02); 1-24. [Volltext]
Rambout L, Hopkins L, Hutton B, Fergusson D. Prophylactic vaccination against human papillomavirus infection and disease in women: a systematic review of randomized controlled trials. CMAJ 2007; 177 (5). (Online 1-11) [Volltext]
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