Ermüdung bei Autoimmunerkrankungen: Welche nichtmedikamentösen Verfahren helfen?
Autoimmunerkrankungen sind lang andauernde (chronische) Krankheiten. Der Organismus verhält sich, als ob eigenes Gewebe körperfremd wäre, und veranlasst daher eine ständige Abwehrreaktion gegen sich selbst. Dies bedeutet, dass die Symptome und Schäden, die die Erkrankung verursacht, im Allgemeinen über die Jahre schlimmer werden.
Multiple Sklerose (MS), Rheumatoide Arthritis (RA) und Systemischer Lupus erythematodes (SLE) sind Autoimmunerkrankungen. Jede der drei Krankheiten tritt in Schüben auf und verläuft unterschiedlich, und ihr Fortschreiten beim einzelnen Menschen ist sehr schwer vorherzusagen. Entzündungen oder angeschwollene Gewebe spielen bei allen drei Erkrankungen eine Rolle.
MS beeinträchtigt das Zentrale Nervensystem und damit auch die Muskelfunktion. RA und SLE sind beides rheumatische Erkrankungen, das heißt, sie greifen besonders die Gelenke und das Bindegewebe verschiedener Organe an. Man weiß nicht genau, warum diese Erkrankungen so häufig eine tiefgehende Ermüdung (Fatigue) auslösen. Die meisten Menschen mit MS, RA oder SLE sind oft sehr erschöpft, und für manche von ihnen ist dieser Aspekt der Krankheit am schwierigsten zu bewältigen.
Es gibt einige nichtmedikamentöse Verfahren gegen Ermüdung bei Autoimmunerkrankungen, wie Entspannungstechniken, körperliche Bewegung, Beratung und Schulungen, Rehabilitation und Programme zum Energiemanagement. Der Nutzen körperlicher Bewegung ist umstritten, denn zuviel Anstrengung kann ihrerseits Erschöpfung auslösen. Manche Sportarten könnten auch schaden, zum Beispiel den Gelenken von Menschen mit RA. Es gibt auch widersprüchliche Theorien darüber, welche Techniken helfen könnten, mit Erschöpfung umzugehen und mehr vom Tag zu haben.
Australische Wissenschaftlerinnen haben nach Studien und anderen Untersuchungen zur Wirkung aller nichtmedikamentösen Verfahren gesucht, die Ermüdung bei Menschen mit MS, RA und SLE verringern sollten. Sie fanden 33 Studien mit über 1700 Teilnehmenden. Die große Mehrzahl von ihnen (1170 Teilnehmende) war an MS erkrankt, weitaus weniger an RA und SLE. Für viele Verfahren gab es kaum wissenschaftliche Nachweise. Die Wissenschaftlerinnen fanden aber genug Belege, um einige Schlüsse zu ziehen, die für Menschen mit diesen Autoimmunerkrankungen möglicherweise hilfreich sein könnten.
Vor- und Nachteile körperlicher Bewegung
Körperliche Bewegung half vielen, aber nicht allen Menschen, ihre Ermüdung zu verringern: Manche wurden dadurch noch müder. Die Studien zeigten, dass Aerobic mit geringem Belastungsgrad, zügiges Gehen, Radfahren und Jogging helfen konnten. Schwimmen hilft möglicherweise ebenfalls, aber es gab nicht genug Studien, um das sicher sagen zu können.
Die Bewegungstrainings wurden immer individuell angepasst und stufenweise gesteigert. Als erstes wurden die körperliche Fitness und die Schwere der Erkrankung eines Teilnehmenden eingeschätzt. Dann begann ein Sportprogramm mit geringer Belastung. Wenn dies keine Beschwerden auslöste, wurde der Umfang der Übungen nach und nach ausgeweitet - immer nur so viel, dass die Person keine Beschwerden hatte. In den Studien wurde das Training auf bis zu dreimal wöchentliche, 15- bis 30-minütige Übungseinheiten gesteigert.
Die in den Studien untersuchten Bewegungsprogramme dauerten bis zu zwölf Wochen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden also nicht lange genug beobachtet, um sagen zu können, wie vielen von ihnen es langfristig besser ging. Die Wissenschaftlerinnen konnten auch nicht sagen, ob sich die Bewegung positiv oder schädlich auf den weiteren Verlauf der Erkrankung oder auf andere Symptome als die Ermüdung ausgewirkt hatte.
Ergotherapie
Das einzige Programm, dessen Wirksamkeit in einer qualitativ hochwertigen Studie nachgewiesen wurde, war eine Energiemanagement-Schulung. Solche Schulungen wurden von Ergotherapeutinnen und -therapeuten entwickelt. Sie sollen helfen, die eigene Energie vorsichtiger und effizienter einzusetzen. Dabei werden die verschiedenen Alltagsaktivitäten ergotherapeutisch analysiert, um herauszufinden, welche Tätigkeiten am meisten Energie kosten. Nach der Analyse können die Aktivitäten neu über den Tag verteilt werden, sodass zum Beispiel für genug Ausgleich zwischen Arbeit und Ruhepausen gesorgt ist. Solche Ansätze halfen etlichen Menschen, ihre Energie effizienter einzusetzen und nicht so schnell müde zu werden. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, welche Strategien man in Energiemanagement-Programmen normalerweise erlernt, können Sie hier weiterlesen.
Andere Behandlungsverfahren
Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass manche kognitiven Verhaltenstherapien einigen Menschen helfen könnten, mit ihrer Ermüdung besser umzugehen. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie lernt man, wie man seine Verhaltensweisen anpassen und Gedanken und Wahrnehmungen so ändern kann, dass man mit der Erschöpfung besser zurechtkommt.
Es gab auch einige Studien über verschiedene andere Behandlungsverfahren. Für keines von ihnen konnte jedoch nachgewiesen werden, dass sie gegen Ermüdung helfen. Wenn es hierzu neue Forschungsergebnisse gibt, werden wir unsere Gesundheitsinformation aktualisieren. Nach dem jetzigen Stand der Forschung lässt sich sagen, dass körperliche Bewegung helfen kann, wenn man es nicht übertreibt und das Training an die persönliche Fitness sowie die Schwere der Erkrankung angepasst ist. Zu lernen, wie man im Alltag bewusster mit der eigenen Energie umgeht, kann ebenfalls hilfreich sein.
- Erstellt am: 12. August 2008 11:30
- Letzte Aktualisierung: 21. August 2008 11:33
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- Quellen:
Neill J, Belan I, Ried K. Effectiveness of non-pharmacological interventions for fatigue in adults with multiple sclerosis, rheumatoid arthritis, or systemic lupus erythematosus: a systematic review. J Adv Nursing 2006; 56: 617-635. [PubMed-Zusammenfassung]
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