Diagnose - Endometriose
Regelschmerzen sind weit verbreitet: Etwa die Hälfte aller Frauen haben damit zu tun. Einige Frauen haben so starke Beschwerden, dass sie jeden Monat für ein bis drei Tage nicht in der Lage sind, ihren alltäglichen Aktivitäten nachzugehen. Schmerzmittel in normalen Dosierungen helfen dann oft nicht mehr. Wenn dies auch bei Ihnen so ist, könnte es sein, dass Sie eine Endometriose haben.
Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen von Frauen zwischen Pubertät und Wechseljahren. Trotz ihrer weiten Verbreitung ist sie wenig bekannt und wird oft erst viele Jahre nach Auftreten der Beschwerden diagnostiziert. Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Diese so genannten Endometrioseherde sind gutartig und führen nicht bei allen Frauen zu spürbaren Beschwerden. Mehr über Endometriose können Sie hier lesen.
Wenn Sie vermuten, dass Sie eine Endometriose haben, ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, die oder der sich ernsthaft mit Ihren Beschwerden auseinandersetzt und sich die Zeit nimmt, Ihre Probleme umfassend mit Ihnen zu besprechen.
Viele junge Mädchen und Frauen haben zwar stärkste Schmerzen und Krämpfe im Zusammenhang mit ihrer Menstruation, glauben aber lange Zeit, dies sei normal. Bis sie wegen ihrer Beschwerden zum Arzt gehen, versuchen die meisten Frauen, irgendwie mit ihnen zurechtzukommen. Neben den Schmerzen ist das Ausbleiben einer Schwangerschaft ein häufiger Grund, ärztliche Hilfe zu suchen. Wenn die Diagnose schließlich gestellt ist, ist oft eine Behandlung möglich, die die Schmerzen lindert oder ganz verschwinden lässt. Dies und der Ausschluss einer Krebserkrankung bedeutet für viele Frauen eine große Entlastung. Auch bei ungewollter Kinderlosigkeit können bestimmte Behandlungsmethoden in vielen Fällen helfen.
Anamnese
Der erste Untersuchungsschritt ist ein ausführliches Gespräch mit Ihrer Haus- oder Frauenärztin beziehungsweise Ihrem Haus- oder Frauenarzt über die Art Ihrer Beschwerden, die "Anamnese". Damit sie oder er sich ein Bild machen kann, ist es wichtig, dass Sie bei diesem Gespräch umfassend über alle Symptome berichten: Seit wann Sie die Schmerzen haben, wie stark sie sind, an welcher Körperstelle sie sich bemerkbar machen, wie Sie sie empfinden, wann oder unter welchen Umständen sie auftreten (zum Beispiel im Zusammenhang mit Ihrer Periode, während oder nach dem Geschlechtsverkehr). Auch die Auswirkungen, die die Schmerzen für Sie haben, können Aufschluss über Ihre Erkrankung geben: Zum Beispiel, ob Ihre Beschwerden Sie regelmäßig daran hindern, Ihren alltäglichen Aktivitäten nachzugehen, oder ob Ihr Sexualleben darunter leidet.
Gynäkologische Tastuntersuchung
Für eine gynäkologische Tastuntersuchung streift die Ärztin oder der Arzt sterile Handschuhe über und ertastet Umrisse und Beschaffenheit der Organe im Beckenraum. Dies geschieht mit ein oder zwei Fingern der einen Hand von innen über die Scheide und / oder den After, von außen mit der anderen Hand über die Bauchdecke. Dabei prüft die Ärztin oder der Arzt, ob leichtes Bewegen der Gebärmutter, Druck auf die Seiten, die Haltebänder der Gebärmutter und auf den Bereich zwischen Gebärmutter und Mastdarm schmerzhaft sind. Auch wenn sich Knoten und Verhärtungen im Beckenbindegewebe ertasten lassen, kann dies ein Hinweis auf Endometriose sein. Eine gynäkologische Untersuchung umfasst in der Regel auch eine Sichtuntersuchung mit einem Scheidenspiegel (Spekulum). Erst wenn Anamnese, Sicht- und Tastuntersuchung Hinweise auf eine Endometriose ergeben haben, lässt sich entscheiden, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.
Ultraschall
Eine Ultraschalluntersuchung kann schmerzlos und ohne Eingriff durchgeführt werden. Ultraschallbilder, die durch die Bauchdecke aufgenommen werden, können Hinweise auf größere Endometrioseherde und -zysten liefern oder auf Beeinträchtigungen anderer Organe, zum Beispiel der Nieren. Kleine Herde und auch Verwachsungen sind im Ultraschallbild nicht zu erkennen und bleiben bei diesem Diagnoseverfahren daher unentdeckt. Eine durch die Vagina ausgeführte Ultraschalluntersuchung ist besser geeignet, um Hinweise auf eine Eierstocks-Endometriose zu erhalten.
Wenn keine behandlungsbedürftigen Veränderungen gefunden wurden, kann nach Abschluss dieser Untersuchungen in manchen Fällen bereits eine Entscheidung über eine mögliche Therapie getroffen werden. Ob weitergehende Untersuchungen durchgeführt werden, hängt unter anderem davon ab, wie stark die Beschwerden sind.
Bauchspiegelung
Um mit einiger Sicherheit feststellen zu können, ob bei Ihnen eine Endometriose vorliegt, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) nötig sein. Dabei handelt es sich um einen Operation, die mindestens zwei kleine Einschnitte erfordert und unter Vollnarkose durchgeführt wird. Weil eine Bauchspiegelung wie jeder andere operative Eingriff mit Risiken verbunden ist, wird sie in der Regel erst dann durchgeführt, wenn starke Schmerzen die Lebensqualität und den Alltag einer Frau massiv beeinträchtigen oder die Funktion mitbetroffener Organe beeinträchtigt ist. Die Laparoskopie soll die Diagnose sichern, bevor über weitere Behandlungsmöglichkeiten entschieden wird. So sollte zum Beispiel eine Therapie mit GnRH-Analoga (hormonellen Wirkstoffen) wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen nicht ohne abgesicherte Diagnose begonnen werden.
Bei einer Bauchspiegelung wird eine winzige Kamera durch einen Schnitt in Höhe des Bauchnabels in die Bauchhöhle eingeführt. Sie liefert Bilder der Organe im Bauchraum und im Becken. Auf diese Weise lassen sich auch kleine Endometrioseherde und Verwachsungen finden, die bei einer Tastuntersuchung nicht auffallen. Bei diesem Verfahren ist es gleichzeitig möglich, einzelne Endometrioseherde zu entfernen und Gewebeproben zur Sicherung der Diagnose oder auch anderer Erkrankungen zu entnehmen (Biopsie). Wie gut eine Laparoskopie zur Behandlung von Endometriose gelingt, hängt zu einem großen Teil von der Erfahrung der Chirurgin oder des Chirurgen ab. Andere Untersuchungen sind in den meisten Fällen nicht notwendig.
Über Regelschmerzen können Sie sich in unserem Merkblatt informieren.
- Erstellt am: 22. Februar 2008 13:50
- Letzte Aktualisierung: 29. Februar 2008 11:07
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