Brustkrebs: Verbessert körperliche Bewegung die Lebensqualität?
Für viele Menschen ist körperliche Bewegung nach einer gesundheitlichen Krise wichtig, um wieder gesund zu werden. Sie kann auch dabei helfen, eine chronische Krankheit zu bewältigen. Sport und Bewegung können eine ganze Reihe positiver Effekte haben, wie etwa die Verbesserung der Fitness und vielleicht auch der Lebensqualität.
Manche Menschen hoffen, sie könnten ihre Gesundheit mit mehr Bewegung so weit verbessern, dass sie auch länger leben. Wir wissen jedoch nicht, ob körperliche Bewegung allein ausreicht, um die Risikofaktoren für einen vorzeitigen Tod zu verringern - also ob Menschen, die anfangen, Sport zu treiben, deshalb tatsächlich länger leben.
Körperliches Training hat nicht unbedingt auf jeden denselben Effekt. Bestimmte Gesundheitsprobleme zu haben, könnte bedeuten, mehr oder weniger von Sport zu profitieren. Daher wäre es hilfreich zu wissen, ob bestimmte Sport- oder Bewegungsarten anderen Menschen mit demselben gesundheitlichen Problem geholfen haben.
Zum Beispiel kann sich nach Brustkrebsoperationen bei den operierten Frauen ein Lymphödem entwickeln. Ein Lymphödem ist eine Schwellung des Armes, die sehr schmerzhaft sein und zu Empfindungsstörungen führen kann. Sportliche Aktivität könnte die Armschwellung beeinflussen, das heißt zu einer Besserung oder Verschlechterung führen, oder sie sogar auslösen. Möglicherweise wirken sich manche Formen der sportlichen Betätigung bei Frauen, die an Brustkrebs erkrankt waren oder eine bestimmte Therapie erhalten haben, deshalb vorteilhafter aus als andere.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität von Alberta in Kanada haben nach randomisierten kontrollierten Studien gesucht, die einige dieser Fragen für Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind oder die Erkrankung überstanden haben, beantworten können. Von besonderem Interesse waren Studien, in denen Frauen, die Brustkrebs haben oder hatten und am Sport teilgenommen haben, mit entsprechenden Gruppen von Frauen verglichen wurden, die nicht teilgenommen haben.
"Sport" bedeutete hier die regelmäßige Teilnahme an einer sportlichen Freizeitaktivität über einen bestimmten Zeitraum. Diese Aktivität war nicht mit einer anderen Maßnahme wie etwa einer Ernährungsumstellung verbunden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden 14 geeignete Studien, an denen insgesamt rund 720 Frauen teilgenommen hatten. Knapp 200 von ihnen unterzogen sich gerade einer Brustkrebsbehandlung, die übrigen Frauen hatten den Brustkrebs überstanden.
Da es sich größtenteils um sehr kleine Studien handelte und die Art der untersuchten körperlichen Aktivitäten unterschiedlich war, reichten die Forschungsergebnisse nicht aus, um viele der offenen Fragen verlässlich beantworten zu können. In den Studien wurden viele verschiedene Sportarten geprüft: in einer Studie zum Beispiel Tai Chi, in anderen Walking oder Jogging; wieder andere befassten sich mit Krafttraining. In der Mehrzahl der Studien trainierten die Frauen mindestens dreimal pro Woche.
In den meisten Studien wurde auf die eine oder andere Weise die so genannte kardiopulmonale Fitness der Teilnehmerinnen gemessen. Als kardiopulmonale Fitness bezeichnet man die Fähigkeit des Körpers, die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen, wenn wir uns für eine gewisse Zeit anstrengen. Unsere kardiopulmonale Leistungsfähigkeit ist umso besser, je mehr Treppenstufen wir zum Beispiel steigen können, ohne außer Atem zugeraten, zu ermüden oder erschöpft zu sein. Das liegt daran, dass unser Herz bei sportlicher Aktivität mehr Sauerstoff zu den Muskeln befördern muss.
Auch das Herz ist ein Muskel. Je stärker und leistungsfähiger er ist, umso mehr Blut kann er mit jedem Herzschlag in die Adern pumpen und diese Leistung auch über längere Zeit aufrechterhalten. Die aktiven Muskeln werden mit mehr Blut versorgt. Eine "verbesserte kardiopulmonale Leistungsfähigkeit" bedeutet also, dass das Herz, die Lungen und der Kreislauf leistungsfähiger geworden sind.
Die kardiopulmonale Fitness wurde in den Studien beispielsweise durch die Messung der Sauerstoffmenge erfasst, die die Teilnehmerinnen während ihres Trainings einatmeten. Es stellte sich heraus, dass die sportliche Betätigung die kardiopulmonale Fitness und auch andere Anhaltspunkte für körperliche Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden verbessern konnte.
In drei Studien wurden die Teilnehmerinnen zu ihrer Lebensqualität befragt. Dazu wurden spezielle, zur Erfassung der Lebensqualität von Krebspatienten entwickelte Skalen verwendet. Sie zeigten, dass körperliche Bewegung die Lebensqualität eindeutig verbessert hatte.
In sechs Studien ging man der Wirkung von sportlicher Aktivität auf Müdigkeit und Erschöpfung ("fatigue") nach. Dieser Effekt war in vier Studien, in denen die Frauen zu diesem Zeitpunkt noch eine Chemo- oder Radiotherapie erhielten, zwar nicht eindeutig. Allerdings berichteten die Frauen, die die Brustkrebserkrankung überstanden hatten, dass das Training das Ausmaß ihrer Erschöpfung verringern konnte.
Die unerwünschten Wirkungen, die sich bei den Frauen in diesen Studien zeigten, standen nicht mit ihrer Brustkrebserkrankung, sondern mit ihrer sportlichen Aktivität in Zusammenhang: Manche Frauen zogen sich zum Beispiel eine Zerrung des Sprunggelenks zu.
Bei den Studienteilnehmerinnen traten nur zwei neue Fälle von Lymphödem auf. Da dieser Aspekt aber nicht in jeder Studie systematisch untersucht wurde, wissen wir noch nicht, bei wie vielen Frauen sich aufgrund sportlichen Trainings ein Lymphödem entwickeln könnte, und welche Art des Trainings dazu führen könnte.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 07. Februar 2008 09:59
- Letzte Aktualisierung: 13. November 2008 15:06
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Quelle: McNeely M, Campbell KL, Rowe BH, Klassen TP et al. Effects of exercise on breast cancer patients and survivors: a systematic review and meta-analysis. CMAJ 2006; 175: 34-41.
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