Blasenentzündung: Genügen drei Tage Antibiotika?
Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung genügt eine drei Tage dauernde Antibiotika-Therapie fast immer, um die Beschwerden los zu werden. Wer die Medikamente einige Tage länger nimmt, kann auch letzte Reste der Bakterien-Infektion beseitigen. Allerdings sind dann auch Nebenwirkungen häufiger.
Unkomplizierte Blasenentzündungen sind vor allem bei jungen Frauen sehr häufig. Ursache ist eine Infektion mit Bakterien. Im Durchschnitt machen sich die Entzündungen alle ein bis zwei Jahre als brennender Schmerz beim Wasserlassen bemerkbar, oft verbunden mit gesteigertem Harndrang. Die Beschwerden können sehr unangenehm sein, schwer wiegende Gesundheitsprobleme sind aber selten. Manche Frauen erkranken aber so häufig an einer Blasenentzündung, dass die Infektionen deshalb zu einem ernsten Problem werden.
Antibiotika können Blasenentzündungen heilen und die Beschwerden schnell lindern, indem sie Bakterien abtöten. Dazu reicht sogar eine einzige Antibiotika-Dosis, wie sie bis vor einigen Jahren verschrieben wurde. Die Einmaltherapie lässt zwar die Beschwerden schnell abklingen, allerdings sorgen überlebende Bakterien oft für einen Rückfall. Heute werden Harnwegsentzündungen deshalb entweder durch eine dreitägige Kurztherapie oder durch eine längere Antibiotika-Gabe über fünf oder mehr Tage behandelt.
Um die Frage zu beantworten, ob die Kurzzeitgabe oder aber die längere Einnahme von Antibiotika besser ist, haben Forscher der Cochrane Collaboration für eine systematische Übersicht insgesamt 32 Studien mit insgesamt 9.605 Frauen ausgewertet. Aus der Analyse haben die Wissenschaftler mehrere Schlussfolgerungen gezogen, die bei der Therapie-Entscheidung helfen können.
Das erste Ergebnis ist, dass eine dreitägige Behandlung den meisten Frauen mit einer unkomplizierten Blasenentzündung genügt, um die Beschwerden zu lindern. Eine längere Antibiotika-Einnahme war in dieser Hinsicht nicht besser, führte jedoch häufiger zu unerwünschten Wirkungen.
In einer Studie beispielsweise berichteten von 100 Frauen, die eine kurze Antibiotika-Therapie erhalten hatten, 15 von Nebenwirkungen (15 %). Von 100 Frauen, die dieselben Antibiotika längerfristig eingenommen hatten, waren es hingegen 20 (20 %). Meist waren die Nebenwirkungen zwar milde, aber für 3 von 100 Frauen (3 %) waren sie der Grund, die längerfristige Antibiotika-Behandlung abzubrechen.
Ein weiterer Unterschied zeigte sich bei der Untersuchung von Harnproben der Patientinnen. Während einer Blasenentzündung lassen sich Bakterien im Urin nachweisen. Nach einer dreitägigen Antibiotika-Therapie waren bei einigen Frauen immer noch Bakterien zu finden. Nach einer fünftägigen Therapie war der Urin fast aller Frauen bakterienfrei.
Ob solche Restinfektionen wirklich eine gesundheitliche Bedeutung haben, ist offen. Aus den Studien lassen sich keine Schlüsse ziehen, ob es nach einer Kurzzeit-Therapie häufiger zu Rückfällen kommt. Die Wahl der Therapiedauer bleibt deshalb Ansichtssache: Frauen, die möglichst sicher gehen wollen, dass die Harninfektion abgeklungen ist, bevorzugen vielleicht Antibiotika über fünf oder mehr Tage. Frauen, denen es lediglich um Beschwerdefreiheit geht, genügen drei Tage.
- Erstellt am: 14. Februar 2006 10:00
- Letzte Aktualisierung: 16. April 2006 19:03
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Quelle:
Milo G, Katchman EA, Paul M, Christiaens T, Baerheim A, Leibovici L. Duration of antibacterial treatment for uncomplicated urinary tract infection in women. (Cochrane review). Cochrane Database Syst Rev, 2005, Issue 2.
http://www.mrw.interscience.wiley.com/...
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