Bindehautentzündung: Was bringen Antibiotika?

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Mehr als die Hälfte der Menschen mit bakterieller Bindehautentzündung erholen sich innerhalb von zwei bis fünf Tagen ohne Behandlung. Die Anwendung von antibiotischen Augentropfen oder -salben kann jedoch die Genesung bei Kindern und Erwachsenen beschleunigen. Dabei treten nur selten unerwünschte Wirkungen auf.

Bei einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) werden die Augen rot und entzünden sich. Normalerweise sind beide Augen betroffen, sie tränen und sondern eine klebrige, weißlich-gelbe Flüssigkeit ab, die die Lider verkleben kann. Die Augen können sehr wund werden und schmerzen. Normalerweise ist eine Bindehautentzündung harmlos. Es gibt auch andere mögliche Auslöser für rote, tränende Augen: Wenn die Symptome zum Beispiel mit starken Schmerzen verbunden sind, könnte es sich um eine ernsthaftere Erkrankung handeln als um eine Konjunktivitis.

Die Bindehautentzündung kann ansteckend sein. In diesem Fall kann sie sich von einer Person zur anderen verbreiten oder von einem Auge zum anderen und wieder zurück. In der Regel bessert sich die Bindehautentzündung aber in zwei bis fünf Tagen ohne Behandlung.

Besonders bei Menschen, die Kontaktlinsen tragen, kann die Bindehautentzündung eine Komplikation verursachen, die Keratitis genannt wird. Dies ist eine Entzündung der Augenhornhaut (Cornea). Sie tritt nur selten auf, nach Schätzungen bei etwa 3 von 10.000 Menschen, die Kontaktlinsen tragen und eine Bindehautentzündung bekommen. Sichere Zahlen gibt es dazu aber nicht.

Eine Bindehautentzündung kann von Viren oder Bakterien verursacht werden. Virale Bindehautentzündungen sind wesentlich ansteckender als bakterielle. Antibiotika wirken gegen Bakterien, aber nicht gegen Viren. Da Bindehautentzündungen aber so schnell wieder verschwinden, lohnt es sich nicht zu untersuchen, was die genaue Ursache ist. Ärzte nehmen in der Regel an, dass eine Bindehautentzündung durch Bakterien mitverursacht ist. Manche Menschen bekommen eine Bindehautentzündung im Zusammenhang mit einer Allergie. In diesem Fall kann sie möglicherweise mit Allergiemedikamenten, wie Antihistaminika, behandelt werden.

Die gängigste Behandlung einer Bindehautentzündung ist es, nichts weiter zu tun als zu versuchen, es dem Auge so angenehm wie möglich zu machen. Manche Menschen probieren es mit Augentropfen, verbreitet ist aber auch die Anwendung von kalten oder lauwarmen Augenauflagen. Dazu kann man ein gefaltetes Tuch, das mit abgekühltem, abgekochtem Wasser (mit oder ohne Zugabe von etwas Salz) oder kühlem Kamillentee getränkt verwenden. Allerdings sind alle diese Maßnahmen nicht ausreichend geprüft, deshalb wissen wir nicht, ob sie hilfreich, nutzlos oder möglicherweise sogar schädlich sind. Zum Beispiel reagieren manche Menschen allergisch auf Kamille. Das Auge mit feuchten Auflagen zu bedecken, könnte die Infektion möglicherweise noch verstärken.

Häufig werden auch Antibiotika eingesetzt. Antibiotika gibt es als Augentropfen und Salben, die mehrmals täglich angewendet werden.

Um herauszufinden, was von der Behandlung einer gewöhnlichen Bindehautentzündung mit Antibiotika zu erwarten ist, analysierten Forscher der Cochrane Collaboration klinische Studien zum Vergleich von Augentropfen oder -salben (mit und ohne Antibiotika) mit Scheinbehandlungen (Plazebo). Sie fanden fünf Studien, an denen knapp über 1000 Personen mit Bindehautentzündung teilnahmen. Darunter waren Kinder und Erwachsene, deren Bindehautentzündung weniger als vier Wochen andauerte.

Die meisten Menschen (65 %), die nicht mit Antibiotika behandelten wurden, erholten sich auch so innerhalb von zwei bis fünf Tagen. Bei den Teilnehmern, denen innerhalb der ersten zwei bis fünf Tage nach Erkrankungsbeginn Antibiotika verabreicht wurde, heilte die Bindehautentzündung schneller ab als bei denen, die ein Plazebo erhielten. Antibiotika konnten die Heilung bei 14 von 100 Menschen beschleunigen (14 %). Auch bis zu 10 Tage nach Behandlung war noch ein Nutzen erkennbar.

In keiner der Studien wurde von unerwünschten Wirkungen der Antibiotika oder Komplikationen der Bindehautentzündung berichtet. Dies legt nahe, dass Keratitis und Infektionen des Gewebes um das Auge nicht sehr häufig sind. Die Studien sagen nichts darüber aus, ob Antibiotika dabei halfen, die Ausbreitung der Infektion zu verhindern, ob von einem Auge zum anderen oder zu anderen Personen.

Wenn die Bindehautentzündung durch Viren verursacht und sehr ansteckend ist, kann es schwierig sein, sie wieder loszuwerden. Es gibt aber etliche Möglichkeiten, die dabei helfen können, die Ausbreitung einer Virusinfektion zu verhindern. Zum Beispiel überträgt sich der Virus leicht, wenn Menschen dieselben Handtücher und Waschlappen verwenden. Außerdem übertragen sich Vireninfektionen sehr leicht über die Finger. Daher könnte die Virusinfektion im Zaum gehalten werden, wenn man seine Hände wäscht, nachdem man das Auge angefasst hat, oder indem man das Auge nicht mit bloßen Händen wischt. Eine wichtige Maßnahme, um andere Menschen vor Ansteckung zu schützen ist, ihnen nicht die Hand zu geben oder ihr Gesicht zu berühren.

  • Erstellt am: 19. Dezember 2007 08:30
  • Letzte Aktualisierung: 08. Oktober 2008 22:47
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  • Quelle: Epling J. Bacterial conjunctivitis. Clinical Evidence 2007; 10: 704.

    Sheikh A, Hurwitz B. Antibiotics versus placebo for acute bacterial conjunctivitis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung]

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