Bewertung von internationalen Leitlinien: Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Foto von älterer Frau mit Mädchen
Die Vorgaben für die Disease-Management-Programme Asthma und COPD stimmen im Wesentlichen mit den Empfehlungen aus internationalen medizinischen Leitlinien überein. Einige Ergänzungen der DMP-Vorgaben wären möglich, zum Beispiel zu den Aspekten Raucherentwöhnung und Asthmabehandlung in der Schwangerschaft.

Asthma und COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) sind beides chronische Erkrankungen der Atemwege. Bei Menschen mit Asthma sind die Atemwege empfindlicher als bei gesunden Menschen. Sie reagieren auf bestimmte äußere Einflüsse und Reize viel stärker, als es eigentlich notwendig und nützlich wäre. Bei einem Asthmaanfall verkrampft sich die Muskulatur, die Schleimhäute schwellen an und bilden mehr Schleim. Dadurch verengen sich die Atemwege und es fällt schwer zu atmen. Asthma ist oft eng mit einer Allergie verbunden. Einen umfassenden Artikel zum Thema Asthma und mehrere Merkblätter mit weiteren Informationen finden Sie hier.

Bei COPD sind die Bronchien chronisch entzündet oder die Lungenbläschen sind geschädigt (Emphysem). Menschen mit COPD haben dauerhaft verengte Atemwege, was das Atmen zunehmend erschwert. Die Erkrankung entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Das Hauptanzeichen für eine COPD ist ein chronischer Husten; ihre häufigste Ursache ist das Rauchen. Ausführliche Informationen zu COPD finden Sie hier.

COPD und Asthma sind unterschiedliche Erkrankungen, die auch verschieden behandelt werden. Allerdings können auch beide Krankheiten gleichzeitig vorliegen. Das Ziel der Behandlung besteht in jedem Fall darin, akute Verschlechterungen und langfristige Folgeprobleme zu vermeiden und den Betroffenen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen.

Strukturierte Behandlungsprogramme für Menschen mit Asthma oder COPD

Menschen mit Asthma oder COPD haben in Deutschland die Möglichkeit, an einem sogenannten Disease-Management-Programm (DMP) der gesetzlichen Krankenkassen teilzunehmen. DMPs - auch "strukturierte Behandlungsprogramme" genannt - haben das Ziel, Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten bestmöglich zu versorgen. Dies soll zum Beispiel durch regelmäßige Arzttermine, individuelle Behandlungspläne und Patientenschulungen erreicht werden. Mehr über DMPs können Sie hier nachlesen.

Ärztinnen und Ärzte, die an einem DMP teilnehmen, müssen sich bei der Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten an bestimmte Qualitätskriterien halten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erarbeitet die Anforderungen und medizinischen Inhalte, die ein Disease-Management-Programm erfüllen muss. Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärztinnen und Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.

Ein Disease-Management-Programm soll sich an den Kriterien der evidenzbasierten Medizin ausrichten. Gemeint ist damit eine Medizin, die nach den besten verfügbaren wissenschaftlichen Belegen fragt. Evidenzbasierte Medizin wird in der Praxis unter anderem mit sogenannten "evidenzbasierten Leitlinien" umgesetzt. Leitlinien sind eine Art der Entscheidungshilfe für Ärztinnen, Ärzte, Patientinnen und Patienten. Sie sollen dabei helfen, eine möglichst gute und qualitätsgesicherte Behandlung zu gewährleisten. Eine evidenzbasierte Leitlinie stützt sich idealerweise auf eine systematische Analyse aussagekräftiger Studien. Nicht jede Leitlinie wird jedoch auf diese Weise erstellt.

Da das medizinische Wissen ständig wächst, ist es erforderlich, die Empfehlungen für DMPs regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Daher hat der G-BA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragt, die Empfehlungen für die DMPs Asthma und COPD mit aktuellen internationalen Leitlinien zu vergleichen und möglicherweise nötige Änderungen aufzuzeigen. Hierzu hat das IQWiG 32 medizinische Leitlinien aus unterschiedlichen Ländern systematisch überprüft - 17 Leitlinien zu Asthma und 15 Leitlinien zu COPD. Sieben der Leitlinien sind in Deutschland entwickelt worden. Die Leitlinien wurden nicht daraufhin überprüft, ob die darin enthaltenen Empfehlungen durch wissenschaftliche Studien belegt sind. Die Ergebnisse der IQWiG-Analyse fließen in die Beratungen des G-BA zur Aktualisierung der Empfehlungen für die DMPs zu Asthma und COPD ein. Sobald der G-BA seine Empfehlungen veröffentlicht hat, werden wir darüber berichten.

Die Ergebnisse

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IQWiG haben festgestellt, dass die Empfehlungen der DMPs zu Asthma und COPD zum Großteil mit deutschen und internationalen Leitlinien übereinstimmen. Allerdings konnte das IQWiG einige Aspekte aufzeigen, die in den Empfehlungen noch nicht enthalten sind. Zudem sind einige der Leitlinien in Bezug auf manche Aspekte ausführlicher als die Empfehlungen für das DMP.

So wird in den Leitlinien zu Asthma teilweise empfohlen, dass eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Menschen mit Asthma vorteilhaft sein könnte, wobei dies noch nicht vollständig untersucht ist. Ein weiterer Aspekt, der Anlass für eine Ergänzung sein könnte, ist die Asthmabehandlung bei Menschen, die noch weitere Erkrankungen haben, wie zum Beispiel eine Entzündung der Nasenschleimhäute (Rhinitis) - hier weisen zum Beispiel einige Leitlinien darauf hin, dass junge Menschen mit Asthma von einer Immuntherapie profitieren könnten. Außerdem stellte das IQWiG fest, dass einige Leitlinien Empfehlungen darüber abgeben, was bei der Asthmabehandlung von Schwangeren zu beachten ist. Dieser Aspekt fehlt in den Empfehlungen für das DMP Asthma bislang.

Auch die COPD-Leitlinien enthalten einige Aspekte, die in den Empfehlungen für das DMP noch nicht oder weniger ausführlich berücksichtigt sind. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, ob es sinnvoll ist, bei einer Raucherentwöhnung zusätzlich zu anderen Maßnahmen Medikamente zur Entwöhnung einzusetzen. Teilweise sind die Leitlinien ausführlicher als die Empfehlungen für das DMP, sodass einige Aspekte ergänzt werden könnten. Beispielsweise enthalten zwei Leitlinien genauere Informationen zu psychischen Aspekten der Erkrankung: Sie informieren Ärztinnen und Ärzte darüber, wie sie leichter erkennen können, ob ihre Patientinnen oder Patienten aufgrund von COPD mit Angst oder Depressionen zu tun haben. Dies soll eine bessere psychologische Betreuung ermöglichen.

In unserer Rubrik Atemwege berichten wir über aktuelle Forschungsergebnisse zu Asthma, COPD und anderen Atemwegserkrankungen. Außerdem können Sie dort Erfahrungsberichte von Betroffenen lesen und mehr über das Leben mit diesen Erkrankungen erfahren.


Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

  • Erstellt am: 13. November 2008 11:21
  • Letzte Aktualisierung: 14. November 2008 09:28
  • Quellen:



    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Systematische Leitlinienrecherche und -bewertung sowie Extraktion neuer und relevanter Empfehlungen für das DMP Asthma / COPD. Abschlussbericht V06-04. Version 1.0. Köln: IQWiG. August 2008. [Volltext]

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