Wie bringe ich mein Kind trocken durch die Nacht?

Kinder auf WieseBettnässen ist bei Kindern und Jugendlichen häufiger, als man denkt. Etwa jedes sechste Kind im Alter von fünf Jahren merkt gelegentlich zu spät, dass die Blase voll ist. Es redet nur niemand gerne darüber, deshalb fühlen sich betroffene Kinder oft als zurückgebliebener Einzelfall. Auch für Eltern und Geschwister ist Bettnässen eines Kindes oft eine Belastung.

Normalerweise erledigt sich das Problem mit der Zeit von selbst. Eltern können ihrem Kind jedoch helfen. Sie brauchen vor allem Geduld. Wecksysteme sind die wirksamste Methode gegen Bettnässen, aber auch Medikamente können helfen. Eine Erfolgsgarantie gibt es für keine Behandlung. Alle Methoden haben zudem Vor- und Nachteile, sodass die Wahl stark von der Situation des Kindes und der Familie abhängt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wann ist Bettnässen ein Problem?
    1. Wie die Kontrolle über die Blase heranreift
  2. Wie die Blase gesteuert wird
  3. Ursachen von Bettnässen
  4. Wieder auftretendes Bettnässen
  5. Bettnässen im Alltag bewältigen
    1. Was tun, wenn das Bettzeug nass wird?
    2. Körperpflege und Hygiene
  6. Die emotionale Verarbeitung
    1. Das Bettnässen verstehen
  7. Behandlungsmöglichkeiten
  8. Elektronische Wecksysteme
  9. Medikamente
    1. Desmopressin
    2. Trizyklische Antidepressiva
  10. Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen
    1. Verhaltensorientierte Methoden
    2. Druck schadet eher
    3. Weitere Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen
  11. Quellen

1. Wann ist Bettnässen ein Problem?

1. Wann ist Bettnässen ein Problem?

Katrin

„Mein Sohn war in diesem Sinn nie trocken. Wenn, dann nur ein oder zwei Nächte.“

Die meisten Kinder im Alter von fünf Jahren schlafen nachts durch. Wenn mal die Blase drückt, werden sie wach, rufen ihre Eltern oder gehen selbst zur Toilette. Doch es gibt mehr Kinder, als man denkt, bei denen sich diese Routine erst später entwickelt. Etwa jedes sechste Kind im Alter von fünf Jahren merkt gelegentlich zu spät, dass die Blase voll ist. Wenn es dann wach wird, ist das Bett bereits nass.

Solche nächtlichen Unfälle sind bei Fünfjährigen nicht ungewöhnlich. Bettnässen wird erst dann problematisch, wenn es das Kind oder seine Familie ernsthaft belastet. Mediziner sprechen dann von Enuresis nocturna [1]. Der Begriff umfasst ein breites Spektrum: Viele Kinder machen nur ein- oder zweimal pro Monat ins Bett, anderen passiert es mehr als zweimal wöchentlich. Insgesamt sind in Deutschland schätzungsweise 120.000 bis 160.000 Kinder im Alter von fünf Jahren betroffen [2]. Bei Jungen ist Bettnässen häufiger als bei Mädchen [3].

Kinder im SchneeDas Problem löst sich mit der Zeit fast immer von selbst. Unter 100 Zehnjährigen haben noch etwa 5 das Problem, bei Vierzehnjährigen sind es 2 bis 3 und ein Jahr später noch eins von 100 Kindern [3]. Für viele betroffene Eltern und Kinder sind diese Zahlen aber wahrscheinlich nur ein schwacher Trost: Sie wollen wissen, ob es für ihr Kind einen Weg gibt, schneller trocken zu werden. Die Antwort ist: Eltern können einige Dinge tun, um ihrem Kind zu helfen, aber sie brauchen vor allem Geduld.

1.1. Wie die Kontrolle über die Blase heranreift

Mit der Geburt beginnt für das Kind ein lebenslanger Lernprozess: Das Gehirn reift heran, indem Nervenzellen untereinander neue Kontakte knüpfen. Viele Lernprozesse passieren erst ab einem bestimmten Alter. Kinder sind nach ein paar Monaten in der Lage, sich auf den Bauch zu drehen, einige Wochen später beginnen sie zu krabbeln. Das Tempo dieser Entwicklung kann sehr unterschiedlich ausfallen, ohne dass Eltern es beschleunigen können. Manche Kinder laufen bereits mit zehn Monaten, andere erst mit eineinhalb Jahren.

Auf diese Weise reift aber nicht nur die Kontrolle der Muskulatur heran. Ganz ähnlich muss das Gehirn auch die Steuerung der inneren Organe lernen. Grundlegende Fähigkeiten funktionieren schon bei der Geburt, doch auch die Feinabstimmung der Organe ist ein Lernprozess. Das gilt auch für die Kontrolle der Blase.

2. Wie die Blase gesteuert wird

Wasserlassen und Wasserhalten ist ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln und Nervensignalen, die vom Gehirn richtig erkannt und verarbeitet werden müssen. Insgesamt sind es mindestens vier Fähigkeiten, die genügend ausgereift sein müssen, damit ein Kind nachts ohne Malheur durchschlafen kann.

  • Schlaf: Das Kind muss lernen, bei welchen Signalen es aufwachen sollte.
  • Hormonhaushalt: Es muss in der Nacht die Urinproduktion drosseln.
  • Schließmuskel der Blase: Die Kontrolle muss sich entwickeln.
  • Training: Das Kind braucht eine kräftige Muskulatur im Beckenboden, die die Blase stabilisiert.

Urin entsteht in den Nieren. Er besteht aus Wasser und Abfallprodukten des Stoffwechsels, die aus dem Blut gefiltert werden. Von den Nieren gelangt der Urin durch die Harnleiter in die Blase und wird dort gesammelt. Ähnlich wie ein Ballon dehnt sich die Blase, wenn sie sich füllt.

Illustration der Harnwege

Nerven in der Blasenwand registrieren die Dehnung und senden eine "Botschaft" an das Gehirn. In früher Kindheit antwortet das Gehirn auf dieses Signal spontan mit einem Befehl an die Schließmuskel der Blase, sich zu entspannen. Die Muskulatur gibt dann die Öffnung zur Harnröhre frei und die Blase entleert sich. Mit zunehmender Reifung bekommt das Kind die Fähigkeit, diesem ersten Reflex nicht nachzugeben, sondern die Blase bewusst verschlossen zu halten, bis sich eine passende Gelegenheit zum Wasserlassen bietet. Wenn dieser Reifungsprozess abgeschlossen ist, dann funktioniert er sogar im Schlaf. Statt seine Blase zu entleeren, wacht das Kind auf.
Gleichzeitig entwickelt sich auch der Schlafrhythmus. Kinder lernen mit der Zeit, welche Signale aus dem Körper so wichtig sind, dass der Schlaf unterbrochen werden sollte.

Außerdem muss das Gehirn auch den richtigen Umgang mit den Hormonen des Körpers lernen. Dazu gehört auch das Hormon Vasopressin. In der Kindheit beginnt das Gehirn nachts größere Mengen davon freizusetzen. Das Hormon gelangt über das Blut zu den Nieren und sorgt dort dafür, dass die Nieren die Urinproduktion verringern. Dadurch füllt sich die Blase langsamer. Wir können in Ruhe schlafen.

Diese Entwicklungsprozesse laufen aber nicht bei allen Kindern im Gleichschritt ab: Kein Wunder also, dass es vorkommen kann, dass ein Kind mit fünf Jahren seine Blase gut im Griff hat, solange es wach ist, im Schlaf aber die Verbindung zwischen voller Blase und Aufwachen noch nicht hergestellt ist. Störungen der Blasenkontrolle können prinzipiell in jedem Alter auftreten, sie sind aber bei Kindern häufiger.

3. Ursachen von Bettnässen

Die Hauptursache von Bettnässen bei Kindern und Jugendlichen ist, dass sie nicht aufwachen, wenn die Blase voll ist. Stattdessen entspannt sich ihr Blasenschließmuskel und lässt zu, dass sich die Blase im Schlaf entleert. Die Kinder sind weder zu faul, zu träge oder zu dumm, noch tun sie das mit Absicht. Es wird ihnen einfach nicht bewusst, dass die Blase voll und es Zeit ist, aufzustehen und zur Toilette zu gehen.

Bettnässen wird jedoch kaum davon beeinflusst, wie viel das Kind vor dem Zubettgehen trinkt. Entscheidend für die Urinmenge ist, ob die Nieren durch ausreichend Vasopressin rechtzeitig auf "Nachtbetrieb" umschalten. Wenn sie das nicht tun, muss das Kind alleine deshalb öfter aufstehen und die Blase entleeren.

Katrin

„Am Abend habe ich die Trinkmenge soweit reduziert, dass er dann fast nichts mehr getrunken hat. Ich habe gedacht, wenn er weniger Flüssigkeit aufnimmt, dann scheidet er auch weniger aus. Aber irgendwie hat er noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden.“

Einiges spricht dafür, dass der Zeitpunkt, zu dem Kinder trocken werden, auch von Genen mitbestimmt wird, die sie von ihren Eltern ererbt haben [4]. Vergleiche zwischen Familien zeigen, dass Bettnässen in mehr als der Hälfte der Fälle auch bei anderen Mitgliedern der Familie vorkommt [5]. Welche Gene das sein könnten, ist bislang aber Spekulation. Einige Forscher vermuten, dass Gene eine Rolle spielen, die die Vasopressin-Produktion in der Nacht beeinflussen [5]. Möglich ist aber auch, dass die Tiefe des Schlafes und die Spannung der Blase von Genen beeinflusst werden [5]

Katrin

„Ich habe überlegt, was die Ursache sein kann und habe über die Familie nachgedacht. Der Bruder von meinem Mann hat als Erwachsener noch das Bett eingenässt. Das war Zufall, dass ich das von meiner Schwiegermutter erfahren habe. Ein Cousin von mir und ein Cousin meines Vaters haben auch ins Bett genässt. Deshalb habe ich gedacht, dass es vielleicht in der Familie liegen kann.“

Es gibt eine Reihe weiterer möglicher Ursachen für Bettnässen, die relativ selten sind, aber eventuell besondere Untersuchungen oder Gegenmaßnahmen erfordern.

  • Harntreibende Lebensmittel oder Getränke können Bettnässen begünstigen [3]. Beispielsweise regen koffeinhaltige Getränke wie Cola, Energy-Drinks, Tee oder Kaffee die Urinproduktion an.
  • Verstopfung, auch Obstipation genannt, kann Bettnässen ebenfalls verschlimmern [3]. Bewegung und viel Flüssigkeit, aber auch frisches Obst, Gemüse sowie Vollkornbrot und Vollkornprodukte wie Müsli können bei Verstopfung helfen.
  • Aussetzer der Atmung während des Schlafes können zu einem kurzen Sauerstoffmangel im Gehirn führen, sodass die Kontrolle der Blase kurz versagt [3]. Dies nennt man Schlafapnoe.[3]. Diese Probleme verschwinden normalerweise von alleine, wenn das Kind älter wird.
  • Wenn ein Kind auch tagsüber unkontrolliert Wasser lässt, könnte es sein, dass die Wahrnehmung der vollen Blase noch nicht ganz entwickelt ist [6] Ursache könnte aber auch eine Infektion oder eine "überaktive" Blase sein, die sich zu stark oder zu früh zusammenzieht.
  • Fehlbildungen des Harntrakts sind eine sehr seltene Ursache. Sie können durch einen Arzt erkannt werden [6].
  • Als "nächtliche Polyurie" wird ein Zustand bezeichnet, bei dem die Nieren nachts nicht weniger, sondern sogar besonders viel Urin erzeugen. Diese Störung ist sehr selten. Manchmal sind eine gesteigerte Urinmenge und Bettnässen auch ein erstes Zeichen einer sich entwickelnden Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Der Urin ist dann süß [6]

Für einen Zusammenhang zwischen Allergien und Bettnässen gibt es keinen belastbaren wissenschaftlichen Nachweis.

4. Wieder auftretendes Bettnässen

Kind auf FensterbankNormalerweise erledigen sich Probleme mit Bettnässen bei Kindern oder Jugendlichen mit der Zeit von selbst. Es kommt aber vor, dass ein Kind plötzlich von neuem anfängt ins Bett zu machen, obwohl es bereits für Monate oder Jahre trocken war [6]. Das wird dann "sekundäre Enuresis" genannt. Sie ist häufig ein Zeichen, dass das Kind unter psychischem Stress steht. Oft reagiert das Kind auf Ereignisse in der Familie, es kann aber sein, dass die Eltern den Grund nicht kennen, weil das Kind sein Problem für sich behalten will. Unter Umständen ist es dann sinnvoll, das Kind alleine mit einem Arzt oder einer Vertrauensperson sprechen zu lassen, der es sein Geheimnis vielleicht eher anvertrauen will.

Sekundäres Bettnässen kann aber auch eine körperliche Ursache haben, wie zum Beispiel eine Nieren- oder Blaseninfektion oder eine Zuckerkrankheit [6]. Ein Hinweis ist, wenn der Urin in Farbe oder Geruch verändert ist und wenn beim Wasserlassen zum Beispiel Schmerzen auftreten.

5. Bettnässen im Alltag bewältigen

5.1. Was tun, wenn das Bettzeug nass wird?

Katrin

„Manchmal war es schwierig. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, war ich manchmal sehr müde. Aus Erfahrung hatte ich immer eine Reserve an Bettwäsche, vor allem im Winter, wenn es schlechter trocknet. Die Steppdecke und das Bettzeug habe ich nicht jeden Tag gekocht. Ich habe es jeden Tag gleich nach dem Nasswerden gewaschen. ... Mit der Zeit hat sich das alles eingespielt.“

Die Nachtruhe des Kindes wird umso weniger gestört, je rascher nach dem Malheur das Bett wieder trocken und frisch bezogen ist. Ein Vorfall lässt sich leichter bewältigen, wenn man das Beziehen des Bettes übt und passende Laken bereitliegen hat. Dann können sich alle möglichst schnell wieder schlafen legen. Ältere Kinder lernen auch schnell, ihr Bett selbst zu beziehen.

Wenn ein Kind nicht ausreichend Schlaf hat, kann darunter seine Konzentrationsfähigkeit in der Schule leiden. Auch für andere Mitglieder des Haushalts können häufige Unterbrechungen des Schlafs zur Belastung werden.

Die Matratze lässt sich mit verschiedenen wasserdichten Auflagen, Betttüchern oder speziellem Bettzeug davor schützen, nass zu werden [7]. Es gibt Bettauflagen zur Einmal- oder Mehrfachnutzung, Stecklaken, spezielle Spannbetttücher oder komplette Bettgarnituren.

Auch wenn diese Materialien mit Kunststoff beschichtet sind, können sie nach Urin riechen. Dagegen hilft, sie regelmäßig in warmer Soda-Lösung zu waschen [7]. Soda gibt es in Apotheken und Drogerien. Wenn Kleidungsstücke oder Bettbezüge nach dem Waschen immer noch riechen, lässt sich Uringeruch mit warmem Wasser vertreiben, das mit Soda oder einigen Tropfen Eukalyptusöl versetzt wird [7].

5.2. Körperpflege und Hygiene

Damit das Kind nicht nach Urin riecht, ist morgendliches Duschen oder Baden wichtig. Auch Eltern und Geschwister fühlen sich schnell durch Uringeruch belästigt. Für ein Kind wird es nicht einfacher, wenn es zuhause Reaktionen wie Ekel oder Ablehnung zu spüren bekommt.

Uringeruch kann in der Schule oder im Freundeskreis zur Ausgrenzung führen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Gegen Uringeruch im Kinderzimmer helfen zum Beispiel Räucherstäbchen, Duftöle oder Raumdeodorant-Sprays.

Da Urin nachts recht sauer ist, kann ein zu langer Kontakt die Haut angreifen. Ein Ausschlag kann für das Kind ein zusätzliches Problem sein. Eventuell versucht es dann, Sportunterricht oder Schwimmbadbesuch zu vermeiden.

Ein Ausschlag entwickelt sich häufiger bei Kindern, die nachts eine Windel oder ein wasserdichtes Höschen tragen, weil die Haut dann längere Zeit engen Kontakt zu Urin hat.

Es gibt viele Möglichkeiten, etwas gegen einen Hautausschlag zu tun - ob eine von ihnen mehr Erfolg verspricht als die andere, ist offen. Schon die morgendliche Körperwäsche nach einem nächtlichen Missgeschick sollte das Risiko eines Hautausschlags verringern. Der betroffene Hautbereich lässt sich auch durch Einsalben mit Vaseline vor weiterer Schädigung schützen. Wenn das Problem sich so nicht beheben lässt, kann ein Arzt eine spezielle Hautcreme zur Abheilung verschreiben. Auch Pflegesalben, Hautreinigungslotionen und Produkte zur Behandlung einer Windelentzündung kann man ausprobieren.

Katrin

„In den letzten Jahren brauchten nur ein paar Tropfen an der Bettdecke zu sein ... mein Sohn war dann vom Geruch schon so genervt. Er wollte, dass alles gewaschen wird. Als er klein war, hat ihn das nicht so gestört. Jetzt möchte er mit dem Geruch nichts zu tun haben. Es muss alles sehr sauber sein.“

6. Die emotionale Verarbeitung

Katrin

„Mein Sohn war sehr schüchtern. Ich hab gemerkt, dass ihm das Einnässen sehr unangenehm war. Ansonsten war in seinem Leben alles in Ordnung.“

Es gibt eine lange Diskussion darüber, wie wichtig psychische Auslöser für Bettnässen sind. Wissenschaftler haben in mehreren Untersuchungen festgestellt, dass es bei bettnässenden Kindern häufiger Anzeichen emotionaler Störungen oder Verhaltensstörungen gibt als bei trockenen Kindern [3]. Allerdings ist nicht klar, was Ursache und was Wirkung ist - also ob Kinder mit Verhaltensstörungen eher zu Bettnässen neigen oder ob bettnässende Kinder aus Scham dann auch Verhaltensstörungen entwickeln.

Kinder auf dem Boden vor einem HausFest steht jedenfalls, dass Bettnässen zu einer starken emotionalen Belastung werden kann. Meist ist dem Kind die fehlende Kontrolle über die Blase sehr peinlich. Falls Freunde oder Klassenkameraden davon erfahren, gerät das Kind weiter unter Druck. Es ist schon hilfreich, wenn man sicherstellt, dass es nicht von seinen Geschwistern gehänselt wird. Auch wenn Eltern sich nicht um das Bettnässen kümmern, kann das Selbstwertgefühl des Kindes Schaden nehmen. Umgekehrt nehmen Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit im Allgemeinen zu, wenn das Bettnässen aufhört [6].

Viele Eltern und Familien reagieren recht geduldig auf Bettnässen, helfen dem Kind und warten einfach ab, bis es "da herauswächst". Oft empfinden aber auch Eltern die Situation als peinlich, oder sie schämen sich für ihr Kind. Kinder können sich auch als Schuldige fühlen, wenn ihr Bettnässen in der Familie zu Streit führt. Außerdem haben sie oft Angst, andere könnten etwas herausbekommen und sich dann über sie lustig machen. Aus dem Grund weigern sich die meisten Kinder, über Nacht einen Freund im Haus zu haben oder bei Freunden zu schlafen.

Der Versuch lohnt sich aber, das Kind eine Nacht bei verständnisvollen Freunden schlafen zu lassen. Manche Kinder bleiben in einer anderen Schlafumgebung leichter trocken. Eventuell liegt es daran, dass sie in einem fremden Bett weniger tief schlafen als im eigenen. Zusätzliche Kleidungsstücke zum Wechseln können die Unannehmlichkeiten und das Aufsehen verringern, wenn es doch zu einem Missgeschick kommen sollte. Unauffällige Einlagen in der Unterhose können ebenfalls helfen.

Katrin

„Er hat oft in den Ferien bei Freunden geschlafen. Es ist nie etwas passiert. Ich konnte dann meistens nicht schlafen. Ich habe mir Gedanken gemacht, was passiert, wenn er dort einnässt. Ich hatte Angst, was das für Folgen für seine Freundschaften haben könnte. Ich glaube, er hat sich darüber gar keine Gedanken gemacht.“

6.1. Das Bettnässen verstehen

Da in vielen Familien hinter Bettnässen eine ererbte Tendenz zur langsameren Entwicklung des komplexen Systems "Wasser lassen und halten" steckt, waren oft auch andere Familienmitglieder betroffen. Es kann dem Kind helfen, wenn man ihm sagt, dass andere Familienmitglieder bereits dasselbe Problem hatten. So sieht es, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist und dass man aus diesem Problem "herauswachsen" wird. Es kann dem Kind auch helfen, wenn es weiß, dass Altersgenossen in der Schule dasselbe Problem haben, auch wenn sie nie darüber sprechen.

Es ist wichtig, dass die Kinder begreifen, dass sie sich keineswegs langsamer entwickeln oder unreifer sind, nur weil ihre Blasenkontrolle etwas länger braucht. Sie können anderen Kindern auf anderen Gebieten durchaus voraus sein. Solche Informationen können dem Kind den Umgang mit seinem Problem erleichtern. Wissenschaftliche Erprobungen von Informations- und Lernkursen für bettnässende Kinder und Jugendliche haben aber keinen verlässlichen Beleg dafür geliefert, dass die Kinder nach solchen Kursen schneller trocken werden [8].

Katrin

„Ich habe mich oft gefragt, was ich falsch mache. Es ist mein 5. Kind und alle anderen Kinder sind trocken geworden. Vier Kinder werden trocken und beim 5. Kind schaffe ich es nicht. Meine Kinderärztin hat mir dann gesagt, dass ich nichts falsch machen würde.“

7. Behandlungsmöglichkeiten

Weil Bettnässen so häufig und oft so belastend ist, hat sich ein Markt für eine Vielzahl verschiedener Produkte entwickelt. Einige sind viel versprechend, doch mit einigen Produkten wird der Leidensdruck von Eltern und Kindern ausgenutzt. Sie sind überteuert und werben mit falschen Versprechungen [9].

Während der Recherchen zu diesem Thema haben wir uns auch eine große Anzahl von deutschen Webseiten zum Thema Bettnässen angeschaut. Es gibt durchaus gute Informationen, doch einige Webseiten, die auf den ersten Blick wie unabhängige Information aussehen, sind in Wirklichkeit getarnte Werbung für Hilfsprodukte und Medikamente. Man kann also nicht davon ausgehen, dass eine Webseite zum Thema Bettnässen ein verlässlicher Ratgeber ist. Selbst wenn angeblich betroffene Eltern über gute Erfahrungen mit bestimmten Produkten berichten, muss man damit rechnen, dass diese Erfahrungen nur vorgetäuscht sind, um Werbung zu machen.

Weil es viele unzuverlässige Informationen zum Thema Bettnässen gibt, haben wir einen kritischen Blick darauf geworfen, welche Produkte und Ratschläge gegen Bettnässen denn wirklich bewiesen haben, dass sie helfen. Vorweg: Keine Methode bietet eine Garantie, dass ein Kind trocken wird. Aber einige Methoden können zumindest einem Teil der Kinder helfen. Für viele Methoden gibt es aber überhaupt keine wissenschaftlichen Belege.

Eine gewisse Wirksamkeit ist für folgende Methoden nachgewiesen. Einzelheiten beschreiben wir auf den folgenden Seiten.

  • Elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen und Klingelmatten
  • Medikamente für eine kurzfristige Therapie, dazu gehören Arzneimittel, die die Wirkung des Hormons Vasopressin imitieren und antidepressiv wirkende Medikamente.

Es gibt keine eindeutig begründbare Altersgrenze, ab der Bettnässen behandelt werden sollte [1]. In Deutschland kann eine Behandlung im Prinzip bei Fünfjährigen beginnen, also noch im Kindergartenalter. Vielen Eltern und Kindern wird der Aufwand bei den meisten Behandlungsmethoden aber vermutlich zu groß sein. Ohnehin werden viele Kinder, die mit fünf Jahren noch einnässen, bis zum Alter von sieben Jahren auch ohne jede Maßnahme von alleine "trocken". Drängender werden die Probleme oft in den ersten Schuljahren.

8. Elektronische Wecksysteme

Elektronische Wecksysteme müssen über einige Wochen eingesetzt werden und erfordern Ausdauer. Es gibt verschiedene Typen wie "Klingelmatten", "Klingelhöschen" und Mini-Wecksysteme mit Messfühlern, die in der Unterhose oder im Schlafanzug getragen werden können. Letztlich registrieren alle Geräte Nässe und lösen dann einen Alarm aus, der das Kind aufwecken soll [6]. In Deutschland werden die Kosten für bestimmte Weckgeräte in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Wecksysteme sind die wirksamste Methode gegen Bettnässen, auch ihr langfristiger Erfolg ist relativ klar belegt. Verschiedene Geräte sind mittlerweile in mehr als 50 Studien an insgesamt 2.800 Kindern und Teenagern erprobt worden [10]. Betrachtet man alle Studien zusammen, dann werden etwa 60 von 100 Kindern oder Jugendlichen während der Anwendung der Wecksysteme "trocken", es kann aber durchaus vier Monate dauern.

"Trocken" heißt, dass ein Kind mindestens 14 Nächte hintereinander nicht ins Bett gemacht hat. Nach Absetzen kann es manchmal zu einem Rückfall kommen, sodass die dauerhafte Erfolgsrate eher bei 50 Prozent liegt, das heißt 50 von 100 Kindern sind auch noch trocken, nachdem sie einige Monate ohne Wecksysteme geschlafen haben. Über die Dauer der Studien hat sich ohne Einsatz eines Wecksystems bei etwa 5 von 100 Kindern das Problem von selbst erledigt.
Grafik:
Von 10 Kindern, bei denen Wecksysteme eingesetzt werden, sind 5 nach einigen Monaten dauerhaft "trocken".



Grün: Kinder, die während der Behandlung mindestens 14 Nächte hintereinander trocken bleiben
Grau: Kinder, die trotz der Behandlung nicht 14 Nächte am Stück trocken bleiben
Klingelhöschen und -matten scheinen gleich wirksam zu sein, Kinder und Jugendliche scheinen jedoch Höschen vorzuziehen.

Wenn der Grund für das Bettnässen darin liegt, dass ein Kind sehr tief schläft, kann es sein, dass es auch durch den Alarm des Wecksystems nicht aufwacht. Dann stört der nächtliche Alarm vor allem Geschwister und Eltern, ohne für das Kind einen Nutzen zu haben. Wecksysteme können auch zusammen mit Verhaltenstraining eingesetzt werden.

Katrin

„Vom Arzt habe ich erfahren, dass es eine Klingelhose für die Behandlung von Bettnässen gibt. Ich habe es ausprobiert. Es hat ziemlich laut geklingelt. Jeder in der Wohnung hat es gehört und alle waren hellwach. Wir haben alle sehr schlecht geschlafen, da das Gerät bei dem ersten Tropfen anschlägt. Nur mein Sohn hat weitergeschlafen. Er schlief ja immer sehr fest.“

Das Risiko eines Rückfalls lässt sich verringern, wenn an eine erfolgreiche Behandlung mit Wecksystemen eine zweite Trainingsphase angeschlossen wird, in der das nun trockene Kind vor dem Schlafengehen besonders viel trinken soll [10]. Auf diese Weise soll das Kind lernen, auch bei besonders voller Blase schnell genug aufzuwachen.

Wecksysteme erfordern eine große Motivation und sind zeitaufwändiger als Medikamente. Ein Vorteil gegenüber Medikamenten scheint zu sein, dass ein einmal erzielter Erfolg meist auch nach Ende der Behandlung anhält.

9. Medikamente

Auch Medikamente sind eine Alternative zur Behandlung von Bettnässen. Behörden empfehlen, Medikamente gegen Bettnässen nicht bei Kindern unter sieben Jahren - und nicht länger als drei Monate anzuwenden [3]. Wenn die Entscheidung für ein zugelassenes Medikament fällt, kann es vom Arzt auf Rezept verordnet werden. Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Für Kinder bis 12 Jahre und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum Alter von 18 Jahren können auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, wenn sie medizinisch notwendig sind.

Allerdings gibt es nur für zwei Gruppen von Medikamenten verlässliche Belege, dass sie Bettnässen zumindest vorübergehend stoppen können[11]. Das ist zum einen das Hormon Desmopressin, das wie Vasopressin die Urinproduktion in der Nacht drosselt. Zum anderen sind es so genannte trizyklische Antidepressiva, die ansonsten zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Für beide Arzneimittel gilt, dass ihr Erfolg nicht dauerhaft ist. Sobald sie abgesetzt werden, kehrt bei einigen Kindern das Bettnässen zurück.

9.1. Desmopressin

Desmopressin ähnelt dem Vasopressin, das nachts vom Gehirn ausgeschieden wird, um die Urinproduktion zu verringern. Erhältlich ist Desmopressin in Form von Tabletten: die Erfolgsrate liegt bei 20 %. Das heißt, etwa 2 von 10 Kindern nässen während der Behandlung mindestens 14 Tage am Stück nicht mehr ins Bett [12]. Die Wirkung hält allerdings nach Absetzen der Behandlung nicht unbedingt an.
Grafik:
Von 10 Kindern, die mit Desmopressin (20 mikrogram) behandelt werden, werden 2 "trocken".



Grün: Kinder, die während der Behandlung mindestens 14 Nächte hintereinander trocken bleiben
Grau: Kinder, die trotz der Behandlung nicht 14 Nächte am Stück trocken bleiben
Insgesamt müssen etwa 5 von 100 Kindern (5 %) mit Nebenwirkungen während der Einnahme von Desmopressin Tabletten rechnen. Damit hat Desmopressin seltener Nebenwirkungen als zur Behandlung von Bettnässen eingesetzte trizyklische Antidepressiva [13]. Zum Vergleich: Hier treten bei 17 von 100 Kindern (17 %) Nebenwirkungen auf.

Die Nebenwirkungen von Desmopressin Tabletten beruhen meist darauf, dass die Kinder zuviel Wasser im Körper behalten. Die Anzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Beschwerden werden seltener, wenn Kinder oder Jugendliche während der Behandlung mit Desmopressin nicht mehr als etwa einen Viertelliter pro Nacht trinken [12]. Da diese Nebenwirkung bei Desmopressin Nasenspray stärker ausgeprägt ist als bei Desmopressin Tabletten, soll Desmopressin Nasenspray nicht mehr zur Behandlung des Bettnässens eingesetzt werden. Dies hat die europäische Zulassungsbehörde im Mai 2007 beschlossen. Sie können mehr über die Sicherheitswarnung hier lesen: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (URL: http://www.bfarm.de/cln_043/nn_421158/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/desmopressin.html__nnn=true).

Wecksysteme haben gegenüber Desmopressin möglicherweise den Vorteil, dass die einmal erzielten Erfolge länger anhalten. Desmopressin ist jedoch eine Hilfe, wenn es darum geht, dass ein Kind für einen begrenzten Zeitraum trocken ist - beispielsweise für eine auswärtige Übernachtung. Allerdings muss man eine gewisse Vorlaufzeit einplanen.

9.2. Trizyklische Antidepressiva

Die zweite Gruppe von Medikamenten gegen Bettnässen sind "trizyklische Antidepressiva", auch Trizyklika genannt. Ihr Haupteinsatzgebiet liegt eigentlich in der Behandlung von Depressionen. Warum sie auch bei Kindern ohne Depressionen gegen Bettnässen wirken, ist unbekannt.

Möglicherweise verringern sie die Urinproduktion oder beeinflussen die Übermittlung von Nervensignalen an beteiligte Muskeln. Meist werden die Wirkstoffe Imipramin und Clomipramin zur Behandlung von Bettnässen eingesetzt. Die Erfolgsrate liegt ähnlich wie die des Desmopressins bei 20 %, also etwa 2 von 10 Kindern bleiben für mindestens 14 Nächte am Stück trocken [14]. Trizyclika sind aber keine Lösung auf Dauer, weil viele Kinder nach Absetzen der Medikamente nachts wieder ins Bett machen.
Grafik:
Von 10 Kindern, die mit trizyklischen Antidepressiva behandelt werden, werden 2 "trocken".



Grün: Kinder, die während der Behandlung mindestens 14 Nächte hintereinander trocken bleiben
Grau: Kinder, die trotz der Behandlung nicht 14 Nächte am Stück trocken bleiben
Der Nachteil der Trizyklika sind ihre Nebenwirkungen, die etwa jedes sechste Kind (17 %) betreffen [14]. Zu den Nebenwirkungen bei normaler Anwendung zählen: ein niedriger Blutdruck, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen, Herzrasen, Übelkeit, Müdigkeit und Schlafstörungen.
Die Medikamente müssen außerhalb der Reichweite der Kinder aufbewahrt werden, weil eine Überdosierung lebensgefährlich sein kann. Derzeit überprüfen Arzneimittelbehörden in den USA und Europa wegen Sicherheitsbedenken, welche Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen gegen welche Gesundheitsprobleme eingesetzt werden dürfen [15][16][17][18].

10. Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen

10.1. Verhaltensorientierte Methoden

Die Grundidee verhaltensorientierter Methoden ist es, dem Kind dabei zu helfen, die Kontrolle über seine Blase zu erlernen. Es gibt ein ganzes Spektrum von Varianten, zum Beispiel einfache Belohnungssysteme wie den "Sonne-Wolken-Kalender": Das Kind kann nach einer trockenen Nacht eine Sonne malen, nach einer nassen Nacht eine Wolke. Eine Möglichkeit ist es auch, das schlafende Kind aus dem Bett zu holen und zur Toilette zu bringen, oder es planmäßig aufzuwecken, damit es selbst zur Toilette gehen kann. Manche Eltern versuchen Bettnässen zu bekämpfen, indem sie ihr Kind abends nichts mehr trinken lassen.

Die Wirksamkeit dieser Methoden ist nicht gut untersucht [19]. Und was bisher an Studien gibt, lässt eher daran zweifeln, dass sie eine nennenswerte Erfolgsrate haben.

Katrin

„Ich habe versucht meinen Sohn zu wecken. Mein Sohn schläft sehr fest. Nachdem er schlafen gegangen war, wollte ich ihn eine Stunde später wecken. Aber es war schon zu spät. Dann habe ich versucht, dass er weniger trinkt. Nachmittags habe ich ihm kaum noch etwas zu trinken gegeben. ... Am Abend habe ich die Trinkmenge soweit reduziert, dass er dann fast nichts mehr getrunken hat. Ich habe gedacht, wenn er weniger Flüssigkeit aufnimmt, dann scheidet er auch weniger aus. Aber irgendwie hat er noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden.“

Verhaltenstraining erfordert von Kind und Familie ein relativ hohes Maß an Mitarbeit und Motivation. Es ist deshalb die Frage, ob Aufwand und Aussicht auf Erfolg in vernünftiger Relation zueinander stehen. Ob eine gezielte Psychotherapie hilft, ist bislang unsicher [20].

10.2. Druck schadet eher

Wenn ein Verhaltenstraining eingesetzt wird, ist es wichtig, das Kind nicht mit Strafen unter Druck zu setzen. Einzelne Forscher haben sogar erprobt, wie sich Bestrafung auswirkt. Wenn man diese Studien zusammen betrachtet, dann zeigt sich, dass Drohungen die Erfolgsrate eindeutig vermindern [19]. Ebenso sinnlos ist es, ein Kind gezielt vor anderen bloßzustellen. Auch so lässt sich Bettnässen nicht in den Griff bekommen [14]. Auch ein generelles Verbot, abends zu trinken, kann das Problem eher verschlimmern. Wenn ein Kind regelmäßig geweckt wird, um zur Toilette zu gehen, nimmt man ihm eventuell die Möglichkeit, zu lernen, seine volle Blase zu spüren.

Katrin

„Eltern sollten auf keinen Fall ihre Kinder bestrafen. In keiner Weise. Ich denke, dass es am besten ist, das Kind zu lieben und zu beschützen. Der Alltag fällt manchmal schwer. Es kostet Nerven. Man sollte trotzdem versuchen, noch mehr für das Kind da zu sein. Damit das Kind merkt, dass es trotzdem gemocht wird und etwas Besonderes ist. ... Ich bin der Meinung, dass Gewalt und Strafen nicht helfen.“

10.3. Weitere Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen

In der Vergangenheit wurden auch Beruhigungsmittel wie beispielsweise der Wirkstoff Diazepam gegen Bettnässen empfohlen. Es gibt aber bislang keine zuverlässigen Belege dafür, dass sie einem Kind helfen [11]. Deshalb sind sie für diesen Zweck in Deutschland auch nicht zugelassen. Außerdem haben sie noch mehr Nebenwirkungen als Antidepressiva und können abhängig machen.

Kind guckt in die KameraOffen ist bislang auch, ob unterschiedliche Formen der Psychotherapie, einschließlich kognitiver Verhaltenstherapie, einen Nutzen haben.
Immer wieder werden auch verschiedene Techniken zur Verbesserung der Blasenkontrolle empfohlen, wie Haltetraining und Blasentraining.

Bei Haltetraining wird geübt, das Wasserlassen tagsüber hinauszuzögern. Dadurch soll einerseits die Blase vergrößert werden, andererseits soll dem Kind auch bewusst werden, wie sich eine volle Blase "anfühlt". Bei Blasentraining wird die Beckenbodenmuskulatur trainiert, indem der Urinstrahl während des Wasserlassens mehrmals kurz unterbrochen wird. Bislang ist aber unbekannt, ob diese Übungen tatsächlich gegen Bettnässen helfen [8].

Es gibt auch eine Reihe von Therapien der komplementären oder alternativen Medizin, die gegen Bettnässen eingesetzt werden, zum Beispiel Chiropraktik, Homöopathie, Hypnose und Akupunktur. Manche dieser Therapien wurden sogar in ersten Studien erprobt. Allerdings sind die Ergebnisse nicht eindeutig, sodass es bislang keine guten Argumente dafür gibt, dass bestimmte komplementäre Therapien gegen Bettnässen wirken [21].

Für einen Zusammenhang zwischen Allergien und Bettnässen gibt es keinen verlässlichen wissenschaftlichen Nachweis. Das spricht eher dagegen, dass die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel gegen Bettnässen hilft.

Glossar

Hypnose

Mit Hypnose wird versucht, das Bewusstsein eines Patienten so zu beeinflussen, dass er Teile seiner Wirklichkeit, z.B. Schmerzen, nicht mehr wahrnimmt. Bei Hypnose ist die Aufmerksamkeit des Patienten eingeschränkt, er reagiert nur auf bestimmte Signale des Therapeuten.

Akupunktur

Akupunktur ist eine alternative bzw. komplementäre Therapieform der traditionellen chinesischen Medizin. Der Arzt sticht feine Nadeln in genau definierte Punkte des Körpers. Dies soll angenommene Blockaden im Körper auflösen oder Organe anregen bzw. beruhigen.

Antidepressiva

Antidepressiva sind Arzneimittel, mit denen eine Depression behandelt wird. Sie heben die Stimmung des Betroffenen, wirken aber unterschiedlich auf dessen Antrieb, seine Motivation, die Lust etwas zu unternehmen. Manche steigern den Antrieb, manche dämpfen ihn eher, und andere verändern ihn nicht. Eine Therapie mit Antidepressiva dauert in der Regel viele Monate; die Wirkung setzt erst nach Tagen oder Wochen ein. Es gibt verschiedene Wirkstoffklassen. Grundsätzlich beeinflussen alle Substanzen die Informationsübermittlung an den Nervenzellen: Sie versuchen den Mangel an bestimmten chemischen Botenstoffen, den Neurotransmittern, zu beheben. Wichtige Wirkstoffklassen sind die Trizyklischen Antidepressiva und die "SSRI", die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Trizyklische Antidepressiva sind eine ältere Klasse von Antidepressiva, die ihren Namen der dreifachen Ringstruktur ihres chemischen Grundgerüstes verdanken. Sie werden auch Trizyklika genannt. Trizyklische Antidepressiva wirken auf verschiedene Botenstoffe an den Nervenenden. Sie haben zahlreiche Nebenwirkungen. Trizyklika waren viele Jahre die wichtigsten Medikamente gegen Depression, sie werden heute wegen ihrer Nebenwirkungen aber seltener eingesetzt. "SSRI" sind eine neuere Klasse von Antidepressiva. Sie wirken - wie der Name Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer bereits sagt - gezielt auf den chemischen Botenstoff Serotonin. Das hat den Vorteil, dass chemische Abläufe, an denen andere Botenstoffe beteiligt sind, nicht beeinflusst werden und so weniger Nebenwirkungen entstehen. Andere Klassen von Antidepressiva wirken gezielt auf andere chemische Botenstoffe.

Beckenbodenmuskulatur

Die Beckenbodenmuskulatur schließt zusammen mit einer Bindegewebsplatte das Becken ab. Sie bildet zugleich den Boden der Bauchhöhle. Die Beckenbodenmuskulatur unterstützt die Harnröhre und die Schließmuskeln der Blase und des Afters. Bei Blasenschwäche kann es sinnvoll sein, diese Muskelgruppe durch ein spezielles Training zu stärken.

Blase

Die Blase wird auch Harnblase genannt. Sie ist das Organ, in dem sich der Harn - oder Urin - sammelt, bevor er den Körper über die Harnröhre verlässt. Aus den Nieren gelangt der Harn über die Harnleiter in die Blase. Die Blase eines Erwachsenen nimmt zwischen 0,5 bis zu einem Liter Urin auf. Der Drang, "auf die Toilette zu müssen", entsteht in der Regel aber schon bei geringeren Mengen. Die Blase passt sich dank der sie umspannenden Muskulatur an die Urinmenge an. Zurückgehalten wird der Urin durch Schließmuskeln. Wenn wir Wasser lassen, zieht die Blasenmuskulatur die Blase zusammen, die Schließmuskeln entspannen sich und öffnen die Blase.

Blaseninfektion

Die Blaseninfektion ist eine Infektion der Harnblase, aus der sich eine Harnblasenentzündung entwickeln kann. Sie wird in den allermeisten Fällen durch Bakterien ausgelöst und deshalb mit Antibiotika behandelt. Die Bakterien stammen meist aus dem eigenen Darm. Typische Beschwerden einer Blasenentzündung sind Schmerzen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen oder Probleme beim Wasserlassen. Frauen sind häufiger von Blaseninfektionen betroffen, weil ihre Harnröhre kürzer ist als bei Männern, Krankheitserreger können dadurch leichter bis zur Blase vordringen.

Blasenkontrolle

Blasenkontrolle bezeichnet die Fähigkeit, selbst den Moment zu entscheiden, wann die Blase entleert wird. Dabei geht es z.B. um die Kontrolle der Schließmuskeln, welche die Blasenentleerung verhindern oder ermöglichen. Ein Kind entwickelt die Blasenkontrolle in den ersten Lebensjahren. Die Blasenkontrolle lässt sich durch gezielte Übungen auch trainieren.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus heißt wörtlich "süßer Urin". Zu den Kennzeichen gehört, dass der Körper Zucker ausscheidet. Umgangssprachlich wird die Krankheit auch Zuckerkrankheit genannt. Es gibt mehrere Typen des Diabetes mellitus, am bekanntesten sind Typ 1 und Typ 2. Allen Typen gemeinsam ist, dass zu viel Glucose, eine Form von Zucker, im Blut schwimmt, weil es Probleme mit dem Hormon Insulin gibt. Die langfristigen Folgen reichen von Durchblutungsstörungen, erschwerter Harnentleerung und Müdigkeit über schlecht heilende Wunden, Nervenschädigungen und Erblindung bis zu Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch bei Patienten, die noch keine lange Krankengeschichte haben, kann es durch starken Insulinmangel zu Bewusstseinsstörungen und lebensgefährlichem Koma kommen. Glucose gelangt ins Blut, weil der Körper Kohlenhydrate und Zucker aus Nahrungsmitteln wie Brot, Kuchen, Nudeln oder Kartoffeln verdaut und in seine kleinsten Bestandteile zerlegt. Außerdem produziert die Leber selbst Glucose. Die Zellen des Körpers brauchen die einfach gebaute Glucose als Energielieferanten. Das Hormon Insulin ist der "Türöffner" für Glucose: Insulin dockt an die Zelle an und bewirkt, dass sie Zucker aus dem Blut aufnimmt. Beim Typ 1 Diabetes zerstört in den meisten Fällen das eigene Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse, oft schon früh in der Kindheit und Jugend. Deshalb fehlt dem Körper das Hormon, die Glucose gelangt nicht in die Zellen, der Blutzuckerspiegel ist ständig zu hoch.Beim Typ 2 Diabetes produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüsen zwar ausreichend Insulin, aber die Zellen, die Glucose brauchen und an die das Insulin andockt, reagieren nicht auf den "Türöffner". Sie sind Insulin-resistent und lassen die Glucose nicht hinein. Auch hier ist die Folge ein Anstieg der Blutzuckerwerte. Während Patienten bei Typ 1 Diabetes regelmäßig Insulin spritzen müssen, können Menschen mit Typ 2 Diabetes vor allem im Anfangsstadium den Blutzuckerspiegel schon durch eine angepasste Ernährung und viel Bewegung normalisieren. Ein weiterer bedeutender Diabetes mellitus ist der Gestationsdiabetes. Er heißt auch Schwangerschaftsdiabetes, weil er Frauen in der Schwangerschaft treffen kann. Meist klingt dieser Diabetes nach dem Ende der Schwangerschaft wieder ab.

Enuresis

Enuresis ist der medizinische Fachbegriff für das regelmäßige Einnässen von Kindern, bei denen dies eigentlich nicht mehr passieren sollte. Das nächtliche Bettnässen wird Enuresia nocturna genannt. Macht das Kind regelmäßig tagsüber in die Hose, handelt es sich um eine Enuresia diurna. Passiert dies wieder, nachdem das Kind eigentlich keine Probleme mehr damit hatte, spricht man von einer sekundären Enuresis. Die Ursachen für Enuresis sind unklar, sie können psychischer, aber offenbar auch genetischer Natur sein. Organische Ursachen sind bei einer echten Enuresis nicht vorhanden.

Eukalyptusöl

Eukalyptusöl ist ein intensiv riechendes ätherisches Öl, das aus verschiedenen Eukalyptus-Arten gewonnen wird. Es wird vielseitig verwendet, in flüssiger Form, als Tabletten, Dragees oder in Badezusätzen. Eukalyptusöl wird vor allem bei Erkrankungen der Atemwege verwendet, aber auch bei rheumatischen Beschwerden und Entzündungen im Mundraum.

Homöopathie

Homöopathie ist eine Behandlungsform der alternativen/komplementären Medizin. Sie geht auf den Mediziner Samuel Hahnemann zurück, der die Prinzipien Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt hat. Die Homöopathie geht davon aus, dass Substanzen, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Symptome auslösen, dieselben Symptome bei einem Kranken lindern, nach dem Leitsatz "Heile Ähnliches durch Ähnliches". Nach diesem Prinzip soll z.B. Kaffee ein Heilmittel gegen Schlaflosigkeit sein. Neben den Symptomen bezieht der Therapeut auch die Persönlichkeitsmerkmale des Patienten in die Therapie mit ein. Arzneien werden in stark verdünnten Konzentrationen in Milchzuckerkügelchen, den Globuli, verabreicht, aber auch in flüssiger Form und als Tabletten. Die errechneten Konzentrationen können so niedrig ausfallen, dass sie tatsächlich keinen Wirkstoff mehr enthalten.

Infektion

Von einer Infektion spricht man in der Medizin, wenn sich eine Person mit einem Krankheitserreger angesteckt hat. Dieser Erreger kann z.B. ein Bakterium, ein Virus, ein Pilz oder auch ein Wurm sein. Der Erreger vermehrt sich, breitet sich im Körper aus oder befällt nur ein bestimmtes Organ. Solange die Person noch keine Anzeichen einer Krankheit zeigt, sprechen Ärzte von einer asymptomatischen Infektion. Sobald der Körper auf die Erreger reagiert, was sich in Krankheitssymptomen bemerkbar macht, handelt es sich um eine symptomatische Infektion, eine Infektionskrankheit. Der Zeitraum vom ersten Befall des Körpers durch den Erreger bis zu den ersten Krankheitssymptomen bezeichnen Mediziner als Inkubationszeit. Sie kann wenige Stunden oder Tage, aber auch viele Jahre dauern. Eine Infektion muss nicht in jedem Fall zum Ausbruch einer Krankheit führen.

Klingelhöschen

Klingelhöschen sind Unterhöschen oder Hosen für Kinder, die nachts ins Bett machen. Die Höschen sind mit feinen Drähten ausgestattet, die auf Feuchtigkeit reagieren und einen Alarmton auslösen, der das Kind wecken soll. So soll es über mehrere Wochen lernen, bei voller Blase selbstständig wach zu werden und auf die Toilette zu gehen.

Klingelmatten

Klingelmatten sind feuchtigkeitsempfindliche Bettunterlagen, die ein Kind mit einem Alarmton wecken, sobald die Sensoren Urin feststellen. Damit sollen bettnässende Kinder über mehrere Wochen lernen, bei voller Blase selbstständig wach zu werden und auf die Toilette zu gehen.

Malheur

"Malheur" ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Missgeschick, das "mal passiert", aber nicht regelmäßig vorkommt, z.B. wenn ein Kind gelegentlich in die Hose macht. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet "schlechte Stunde" (mal-heur) im Sinne von "Pech haben".

Obstipation

Obstipation ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung des Darms. Verstopfung entsteht z.B., weil eine Person zu wenige Ballaststoffe wie unverdauliche Pflanzenfasern isst, sich im Urlaub anders ernährt als zu Hause, zu wenig trinkt oder sich zu wenig bewegt. Verstopfung kann aber auch durch Medikamente oder krankhafte Veränderungen des Darms verursacht sein. Menschen, die unter Verstopfung leiden, können nur selten auf die Toilette, der Stuhlgang fällt schwer, der Stuhl selbst ist hart. Sie haben ständig das Gefühl eines vollen Bauchs, manche fühlen sich auch müde und abgekämpft.

Schlafapnoe

Der Begriff "Schlafapnoe" bezeichnet kurze Atemstillstände während des Schlafs. Treten sie regelmäßig auf und dauern länger als zehn Sekunden, sprechen Mediziner vom Schlafapnoe-Syndrom. Der kurzfristige Sauerstoffmangel lässt den Blutdruck steigen und die Person kurz aufwachen, woran sie sich aber am folgenden Morgen nicht erinnern muss. In der Folge sind Betroffene tagsüber schläfrig und haben Probleme, sich zu konzentrieren.

Vasopressin

Vasopressin ist ein Hormon, das die Niere dazu veranlasst, vermehrt Wasser aus dem Harn zurückzugewinnen. Es wird nachts verstärkt ausgeschüttet und sorgt so dafür, dass weniger Urin produziert wird. Vasopressin wird auch als antidiuretisches Hormon (ADH) bezeichnet, also eine Substanz, die antidiuretisch ("Harnbildung unterbindend") wirkt.

Zuckerkrankheit

Zuckerkrankheit ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Diabetes mellitus.

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