Wie bringe ich mein Kind trocken durch die Nacht?
Bettnässen ist bei Kindern und Jugendlichen häufiger, als man denkt. Etwa jedes sechste Kind im Alter von fünf Jahren merkt gelegentlich zu spät, dass die Blase voll ist. Es redet nur niemand gerne darüber, deshalb fühlen sich betroffene Kinder oft als zurückgebliebener Einzelfall. Auch für Eltern und Geschwister ist Bettnässen eines Kindes oft eine Belastung.Normalerweise erledigt sich das Problem mit der Zeit von selbst. Eltern können ihrem Kind jedoch helfen. Sie brauchen vor allem Geduld. Wecksysteme sind die wirksamste Methode gegen Bettnässen, aber auch Medikamente können helfen. Eine Erfolgsgarantie gibt es für keine Behandlung. Alle Methoden haben zudem Vor- und Nachteile, sodass die Wahl stark von der Situation des Kindes und der Familie abhängt.
Inhaltsverzeichnis
- Wann ist Bettnässen ein Problem?
- Wie die Kontrolle über die Blase heranreift
- Wie die Blase gesteuert wird
- Ursachen von Bettnässen
- Wieder auftretendes Bettnässen
- Bettnässen im Alltag bewältigen
- Was tun, wenn das Bettzeug nass wird?
- Körperpflege und Hygiene
- Die emotionale Verarbeitung
- Das Bettnässen verstehen
- Behandlungsmöglichkeiten
- Elektronische Wecksysteme
- Medikamente
- Desmopressin
- Trizyklische Antidepressiva
- Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen
- Verhaltensorientierte Methoden
- Druck schadet eher
- Weitere Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen
- Quellen
1. Wann ist Bettnässen ein Problem?
1. Wann ist Bettnässen ein Problem?
Die meisten Kinder im Alter von fünf Jahren schlafen nachts durch. Wenn mal die Blase drückt, werden sie wach, rufen ihre Eltern oder gehen selbst zur Toilette. Doch es gibt mehr Kinder, als man denkt, bei denen sich diese Routine erst später entwickelt. Etwa jedes sechste Kind im Alter von fünf Jahren merkt gelegentlich zu spät, dass die Blase voll ist. Wenn es dann wach wird, ist das Bett bereits nass.Katrin
„Mein Sohn war in diesem Sinn nie trocken. Wenn, dann nur ein oder zwei Nächte.“
Solche nächtlichen Unfälle sind bei Fünfjährigen nicht ungewöhnlich. Bettnässen wird erst dann problematisch, wenn es das Kind oder seine Familie ernsthaft belastet. Mediziner sprechen dann von Enuresis nocturna [1]. Der Begriff umfasst ein breites Spektrum: Viele Kinder machen nur ein- oder zweimal pro Monat ins Bett, anderen passiert es mehr als zweimal wöchentlich. Insgesamt sind in Deutschland schätzungsweise 120.000 bis 160.000 Kinder im Alter von fünf Jahren betroffen [2]. Bei Jungen ist Bettnässen häufiger als bei Mädchen [3].
Das Problem löst sich mit der Zeit fast immer von selbst. Unter 100 Zehnjährigen haben noch etwa 5 das Problem, bei Vierzehnjährigen sind es 2 bis 3 und ein Jahr später noch eins von 100 Kindern [3]. Für viele betroffene Eltern und Kinder sind diese Zahlen aber wahrscheinlich nur ein schwacher Trost: Sie wollen wissen, ob es für ihr Kind einen Weg gibt, schneller trocken zu werden. Die Antwort ist: Eltern können einige Dinge tun, um ihrem Kind zu helfen, aber sie brauchen vor allem Geduld.1.1. Wie die Kontrolle über die Blase heranreift
Mit der Geburt beginnt für das Kind ein lebenslanger Lernprozess: Das Gehirn reift heran, indem Nervenzellen untereinander neue Kontakte knüpfen. Viele Lernprozesse passieren erst ab einem bestimmten Alter. Kinder sind nach ein paar Monaten in der Lage, sich auf den Bauch zu drehen, einige Wochen später beginnen sie zu krabbeln. Das Tempo dieser Entwicklung kann sehr unterschiedlich ausfallen, ohne dass Eltern es beschleunigen können. Manche Kinder laufen bereits mit zehn Monaten, andere erst mit eineinhalb Jahren.Auf diese Weise reift aber nicht nur die Kontrolle der Muskulatur heran. Ganz ähnlich muss das Gehirn auch die Steuerung der inneren Organe lernen. Grundlegende Fähigkeiten funktionieren schon bei der Geburt, doch auch die Feinabstimmung der Organe ist ein Lernprozess. Das gilt auch für die Kontrolle der Blase.
2. Wie die Blase gesteuert wird
Wasserlassen und Wasserhalten ist ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln und Nervensignalen, die vom Gehirn richtig erkannt und verarbeitet werden müssen. Insgesamt sind es mindestens vier Fähigkeiten, die genügend ausgereift sein müssen, damit ein Kind nachts ohne Malheur durchschlafen kann.- Schlaf: Das Kind muss lernen, bei welchen Signalen es aufwachen sollte.
- Hormonhaushalt: Es muss in der Nacht die Urinproduktion drosseln.
- Schließmuskel der Blase: Die Kontrolle muss sich entwickeln.
- Training: Das Kind braucht eine kräftige Muskulatur im Beckenboden, die die Blase stabilisiert.
Urin entsteht in den Nieren. Er besteht aus Wasser und Abfallprodukten des Stoffwechsels, die aus dem Blut gefiltert werden. Von den Nieren gelangt der Urin durch die Harnleiter in die Blase und wird dort gesammelt. Ähnlich wie ein Ballon dehnt sich die Blase, wenn sie sich füllt.
Nerven in der Blasenwand registrieren die Dehnung und senden eine "Botschaft" an das Gehirn. In früher Kindheit antwortet das Gehirn auf dieses Signal spontan mit einem Befehl an die Schließmuskel der Blase, sich zu entspannen. Die Muskulatur gibt dann die Öffnung zur Harnröhre frei und die Blase entleert sich. Mit zunehmender Reifung bekommt das Kind die Fähigkeit, diesem ersten Reflex nicht nachzugeben, sondern die Blase bewusst verschlossen zu halten, bis sich eine passende Gelegenheit zum Wasserlassen bietet. Wenn dieser Reifungsprozess abgeschlossen ist, dann funktioniert er sogar im Schlaf. Statt seine Blase zu entleeren, wacht das Kind auf.
Gleichzeitig entwickelt sich auch der Schlafrhythmus. Kinder lernen mit der Zeit, welche Signale aus dem Körper so wichtig sind, dass der Schlaf unterbrochen werden sollte.
Außerdem muss das Gehirn auch den richtigen Umgang mit den Hormonen des Körpers lernen. Dazu gehört auch das Hormon Vasopressin. In der Kindheit beginnt das Gehirn nachts größere Mengen davon freizusetzen. Das Hormon gelangt über das Blut zu den Nieren und sorgt dort dafür, dass die Nieren die Urinproduktion verringern. Dadurch füllt sich die Blase langsamer. Wir können in Ruhe schlafen.
Diese Entwicklungsprozesse laufen aber nicht bei allen Kindern im Gleichschritt ab: Kein Wunder also, dass es vorkommen kann, dass ein Kind mit fünf Jahren seine Blase gut im Griff hat, solange es wach ist, im Schlaf aber die Verbindung zwischen voller Blase und Aufwachen noch nicht hergestellt ist. Störungen der Blasenkontrolle können prinzipiell in jedem Alter auftreten, sie sind aber bei Kindern häufiger.
3. Ursachen von Bettnässen
Die Hauptursache von Bettnässen bei Kindern und Jugendlichen ist, dass sie nicht aufwachen, wenn die Blase voll ist. Stattdessen entspannt sich ihr Blasenschließmuskel und lässt zu, dass sich die Blase im Schlaf entleert. Die Kinder sind weder zu faul, zu träge oder zu dumm, noch tun sie das mit Absicht. Es wird ihnen einfach nicht bewusst, dass die Blase voll und es Zeit ist, aufzustehen und zur Toilette zu gehen.Bettnässen wird jedoch kaum davon beeinflusst, wie viel das Kind vor dem Zubettgehen trinkt. Entscheidend für die Urinmenge ist, ob die Nieren durch ausreichend Vasopressin rechtzeitig auf "Nachtbetrieb" umschalten. Wenn sie das nicht tun, muss das Kind alleine deshalb öfter aufstehen und die Blase entleeren.
Einiges spricht dafür, dass der Zeitpunkt, zu dem Kinder trocken werden, auch von Genen mitbestimmt wird, die sie von ihren Eltern ererbt haben [4]. Vergleiche zwischen Familien zeigen, dass Bettnässen in mehr als der Hälfte der Fälle auch bei anderen Mitgliedern der Familie vorkommt [5]. Welche Gene das sein könnten, ist bislang aber Spekulation. Einige Forscher vermuten, dass Gene eine Rolle spielen, die die Vasopressin-Produktion in der Nacht beeinflussen [5]. Möglich ist aber auch, dass die Tiefe des Schlafes und die Spannung der Blase von Genen beeinflusst werden [5]Katrin
„Am Abend habe ich die Trinkmenge soweit reduziert, dass er dann fast nichts mehr getrunken hat. Ich habe gedacht, wenn er weniger Flüssigkeit aufnimmt, dann scheidet er auch weniger aus. Aber irgendwie hat er noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden.“
Es gibt eine Reihe weiterer möglicher Ursachen für Bettnässen, die relativ selten sind, aber eventuell besondere Untersuchungen oder Gegenmaßnahmen erfordern.Katrin
„Ich habe überlegt, was die Ursache sein kann und habe über die Familie nachgedacht. Der Bruder von meinem Mann hat als Erwachsener noch das Bett eingenässt. Das war Zufall, dass ich das von meiner Schwiegermutter erfahren habe. Ein Cousin von mir und ein Cousin meines Vaters haben auch ins Bett genässt. Deshalb habe ich gedacht, dass es vielleicht in der Familie liegen kann.“
- Harntreibende Lebensmittel oder Getränke können Bettnässen begünstigen [3]. Beispielsweise regen koffeinhaltige Getränke wie Cola, Energy-Drinks, Tee oder Kaffee die Urinproduktion an.
- Verstopfung, auch Obstipation genannt, kann Bettnässen ebenfalls verschlimmern [3]. Bewegung und viel Flüssigkeit, aber auch frisches Obst, Gemüse sowie Vollkornbrot und Vollkornprodukte wie Müsli können bei Verstopfung helfen.
- Aussetzer der Atmung während des Schlafes können zu einem kurzen Sauerstoffmangel im Gehirn führen, sodass die Kontrolle der Blase kurz versagt [3]. Dies nennt man Schlafapnoe.[3]. Diese Probleme verschwinden normalerweise von alleine, wenn das Kind älter wird.
- Wenn ein Kind auch tagsüber unkontrolliert Wasser lässt, könnte es sein, dass die Wahrnehmung der vollen Blase noch nicht ganz entwickelt ist [6] Ursache könnte aber auch eine Infektion oder eine "überaktive" Blase sein, die sich zu stark oder zu früh zusammenzieht.
- Fehlbildungen des Harntrakts sind eine sehr seltene Ursache. Sie können durch einen Arzt erkannt werden [6].
- Als "nächtliche Polyurie" wird ein Zustand bezeichnet, bei dem die Nieren nachts nicht weniger, sondern sogar besonders viel Urin erzeugen. Diese Störung ist sehr selten. Manchmal sind eine gesteigerte Urinmenge und Bettnässen auch ein erstes Zeichen einer sich entwickelnden Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Der Urin ist dann süß [6]
Für einen Zusammenhang zwischen Allergien und Bettnässen gibt es keinen belastbaren wissenschaftlichen Nachweis.
4. Wieder auftretendes Bettnässen
Normalerweise erledigen sich Probleme mit Bettnässen bei Kindern oder Jugendlichen mit der Zeit von selbst. Es kommt aber vor, dass ein Kind plötzlich von neuem anfängt ins Bett zu machen, obwohl es bereits für Monate oder Jahre trocken war [6]. Das wird dann "sekundäre Enuresis" genannt. Sie ist häufig ein Zeichen, dass das Kind unter psychischem Stress steht. Oft reagiert das Kind auf Ereignisse in der Familie, es kann aber sein, dass die Eltern den Grund nicht kennen, weil das Kind sein Problem für sich behalten will. Unter Umständen ist es dann sinnvoll, das Kind alleine mit einem Arzt oder einer Vertrauensperson sprechen zu lassen, der es sein Geheimnis vielleicht eher anvertrauen will.Sekundäres Bettnässen kann aber auch eine körperliche Ursache haben, wie zum Beispiel eine Nieren- oder Blaseninfektion oder eine Zuckerkrankheit [6]. Ein Hinweis ist, wenn der Urin in Farbe oder Geruch verändert ist und wenn beim Wasserlassen zum Beispiel Schmerzen auftreten.
5. Bettnässen im Alltag bewältigen
5.1. Was tun, wenn das Bettzeug nass wird?
Die Nachtruhe des Kindes wird umso weniger gestört, je rascher nach dem Malheur das Bett wieder trocken und frisch bezogen ist. Ein Vorfall lässt sich leichter bewältigen, wenn man das Beziehen des Bettes übt und passende Laken bereitliegen hat. Dann können sich alle möglichst schnell wieder schlafen legen. Ältere Kinder lernen auch schnell, ihr Bett selbst zu beziehen.Katrin
„Manchmal war es schwierig. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam, war ich manchmal sehr müde. Aus Erfahrung hatte ich immer eine Reserve an Bettwäsche, vor allem im Winter, wenn es schlechter trocknet. Die Steppdecke und das Bettzeug habe ich nicht jeden Tag gekocht. Ich habe es jeden Tag gleich nach dem Nasswerden gewaschen. ... Mit der Zeit hat sich das alles eingespielt.“
Wenn ein Kind nicht ausreichend Schlaf hat, kann darunter seine Konzentrationsfähigkeit in der Schule leiden. Auch für andere Mitglieder des Haushalts können häufige Unterbrechungen des Schlafs zur Belastung werden.
Die Matratze lässt sich mit verschiedenen wasserdichten Auflagen, Betttüchern oder speziellem Bettzeug davor schützen, nass zu werden [7]. Es gibt Bettauflagen zur Einmal- oder Mehrfachnutzung, Stecklaken, spezielle Spannbetttücher oder komplette Bettgarnituren.
Auch wenn diese Materialien mit Kunststoff beschichtet sind, können sie nach Urin riechen. Dagegen hilft, sie regelmäßig in warmer Soda-Lösung zu waschen [7]. Soda gibt es in Apotheken und Drogerien. Wenn Kleidungsstücke oder Bettbezüge nach dem Waschen immer noch riechen, lässt sich Uringeruch mit warmem Wasser vertreiben, das mit Soda oder einigen Tropfen Eukalyptusöl versetzt wird [7].
5.2. Körperpflege und Hygiene
Damit das Kind nicht nach Urin riecht, ist morgendliches Duschen oder Baden wichtig. Auch Eltern und Geschwister fühlen sich schnell durch Uringeruch belästigt. Für ein Kind wird es nicht einfacher, wenn es zuhause Reaktionen wie Ekel oder Ablehnung zu spüren bekommt.Uringeruch kann in der Schule oder im Freundeskreis zur Ausgrenzung führen und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Gegen Uringeruch im Kinderzimmer helfen zum Beispiel Räucherstäbchen, Duftöle oder Raumdeodorant-Sprays.
Da Urin nachts recht sauer ist, kann ein zu langer Kontakt die Haut angreifen. Ein Ausschlag kann für das Kind ein zusätzliches Problem sein. Eventuell versucht es dann, Sportunterricht oder Schwimmbadbesuch zu vermeiden.
Ein Ausschlag entwickelt sich häufiger bei Kindern, die nachts eine Windel oder ein wasserdichtes Höschen tragen, weil die Haut dann längere Zeit engen Kontakt zu Urin hat.
Es gibt viele Möglichkeiten, etwas gegen einen Hautausschlag zu tun - ob eine von ihnen mehr Erfolg verspricht als die andere, ist offen. Schon die morgendliche Körperwäsche nach einem nächtlichen Missgeschick sollte das Risiko eines Hautausschlags verringern. Der betroffene Hautbereich lässt sich auch durch Einsalben mit Vaseline vor weiterer Schädigung schützen. Wenn das Problem sich so nicht beheben lässt, kann ein Arzt eine spezielle Hautcreme zur Abheilung verschreiben. Auch Pflegesalben, Hautreinigungslotionen und Produkte zur Behandlung einer Windelentzündung kann man ausprobieren.
Katrin
„In den letzten Jahren brauchten nur ein paar Tropfen an der Bettdecke zu sein ... mein Sohn war dann vom Geruch schon so genervt. Er wollte, dass alles gewaschen wird. Als er klein war, hat ihn das nicht so gestört. Jetzt möchte er mit dem Geruch nichts zu tun haben. Es muss alles sehr sauber sein.“
6. Die emotionale Verarbeitung
Es gibt eine lange Diskussion darüber, wie wichtig psychische Auslöser für Bettnässen sind. Wissenschaftler haben in mehreren Untersuchungen festgestellt, dass es bei bettnässenden Kindern häufiger Anzeichen emotionaler Störungen oder Verhaltensstörungen gibt als bei trockenen Kindern [3]. Allerdings ist nicht klar, was Ursache und was Wirkung ist - also ob Kinder mit Verhaltensstörungen eher zu Bettnässen neigen oder ob bettnässende Kinder aus Scham dann auch Verhaltensstörungen entwickeln.Katrin
„Mein Sohn war sehr schüchtern. Ich hab gemerkt, dass ihm das Einnässen sehr unangenehm war. Ansonsten war in seinem Leben alles in Ordnung.“
Fest steht jedenfalls, dass Bettnässen zu einer starken emotionalen Belastung werden kann. Meist ist dem Kind die fehlende Kontrolle über die Blase sehr peinlich. Falls Freunde oder Klassenkameraden davon erfahren, gerät das Kind weiter unter Druck. Es ist schon hilfreich, wenn man sicherstellt, dass es nicht von seinen Geschwistern gehänselt wird. Auch wenn Eltern sich nicht um das Bettnässen kümmern, kann das Selbstwertgefühl des Kindes Schaden nehmen. Umgekehrt nehmen Selbstwertgefühl und Selbstsicherheit im Allgemeinen zu, wenn das Bettnässen aufhört [6].Viele Eltern und Familien reagieren recht geduldig auf Bettnässen, helfen dem Kind und warten einfach ab, bis es "da herauswächst". Oft empfinden aber auch Eltern die Situation als peinlich, oder sie schämen sich für ihr Kind. Kinder können sich auch als Schuldige fühlen, wenn ihr Bettnässen in der Familie zu Streit führt. Außerdem haben sie oft Angst, andere könnten etwas herausbekommen und sich dann über sie lustig machen. Aus dem Grund weigern sich die meisten Kinder, über Nacht einen Freund im Haus zu haben oder bei Freunden zu schlafen.
Der Versuch lohnt sich aber, das Kind eine Nacht bei verständnisvollen Freunden schlafen zu lassen. Manche Kinder bleiben in einer anderen Schlafumgebung leichter trocken. Eventuell liegt es daran, dass sie in einem fremden Bett weniger tief schlafen als im eigenen. Zusätzliche Kleidungsstücke zum Wechseln können die Unannehmlichkeiten und das Aufsehen verringern, wenn es doch zu einem Missgeschick kommen sollte. Unauffällige Einlagen in der Unterhose können ebenfalls helfen.
Katrin
„Er hat oft in den Ferien bei Freunden geschlafen. Es ist nie etwas passiert. Ich konnte dann meistens nicht schlafen. Ich habe mir Gedanken gemacht, was passiert, wenn er dort einnässt. Ich hatte Angst, was das für Folgen für seine Freundschaften haben könnte. Ich glaube, er hat sich darüber gar keine Gedanken gemacht.“
6.1. Das Bettnässen verstehen
Da in vielen Familien hinter Bettnässen eine ererbte Tendenz zur langsameren Entwicklung des komplexen Systems "Wasser lassen und halten" steckt, waren oft auch andere Familienmitglieder betroffen. Es kann dem Kind helfen, wenn man ihm sagt, dass andere Familienmitglieder bereits dasselbe Problem hatten. So sieht es, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist und dass man aus diesem Problem "herauswachsen" wird. Es kann dem Kind auch helfen, wenn es weiß, dass Altersgenossen in der Schule dasselbe Problem haben, auch wenn sie nie darüber sprechen.Es ist wichtig, dass die Kinder begreifen, dass sie sich keineswegs langsamer entwickeln oder unreifer sind, nur weil ihre Blasenkontrolle etwas länger braucht. Sie können anderen Kindern auf anderen Gebieten durchaus voraus sein. Solche Informationen können dem Kind den Umgang mit seinem Problem erleichtern. Wissenschaftliche Erprobungen von Informations- und Lernkursen für bettnässende Kinder und Jugendliche haben aber keinen verlässlichen Beleg dafür geliefert, dass die Kinder nach solchen Kursen schneller trocken werden [8].
Katrin
„Ich habe mich oft gefragt, was ich falsch mache. Es ist mein 5. Kind und alle anderen Kinder sind trocken geworden. Vier Kinder werden trocken und beim 5. Kind schaffe ich es nicht. Meine Kinderärztin hat mir dann gesagt, dass ich nichts falsch machen würde.“
7. Behandlungsmöglichkeiten
Weil Bettnässen so häufig und oft so belastend ist, hat sich ein Markt für eine Vielzahl verschiedener Produkte entwickelt. Einige sind viel versprechend, doch mit einigen Produkten wird der Leidensdruck von Eltern und Kindern ausgenutzt. Sie sind überteuert und werben mit falschen Versprechungen [9].Während der Recherchen zu diesem Thema haben wir uns auch eine große Anzahl von deutschen Webseiten zum Thema Bettnässen angeschaut. Es gibt durchaus gute Informationen, doch einige Webseiten, die auf den ersten Blick wie unabhängige Information aussehen, sind in Wirklichkeit getarnte Werbung für Hilfsprodukte und Medikamente. Man kann also nicht davon ausgehen, dass eine Webseite zum Thema Bettnässen ein verlässlicher Ratgeber ist. Selbst wenn angeblich betroffene Eltern über gute Erfahrungen mit bestimmten Produkten berichten, muss man damit rechnen, dass diese Erfahrungen nur vorgetäuscht sind, um Werbung zu machen.
Weil es viele unzuverlässige Informationen zum Thema Bettnässen gibt, haben wir einen kritischen Blick darauf geworfen, welche Produkte und Ratschläge gegen Bettnässen denn wirklich bewiesen haben, dass sie helfen. Vorweg: Keine Methode bietet eine Garantie, dass ein Kind trocken wird. Aber einige Methoden können zumindest einem Teil der Kinder helfen. Für viele Methoden gibt es aber überhaupt keine wissenschaftlichen Belege.
Eine gewisse Wirksamkeit ist für folgende Methoden nachgewiesen. Einzelheiten beschreiben wir auf den folgenden Seiten.
- Elektronische Wecksysteme wie Klingelhöschen und Klingelmatten
- Medikamente für eine kurzfristige Therapie, dazu gehören Arzneimittel, die die Wirkung des Hormons Vasopressin imitieren und antidepressiv wirkende Medikamente.
Es gibt keine eindeutig begründbare Altersgrenze, ab der Bettnässen behandelt werden sollte [1]. In Deutschland kann eine Behandlung im Prinzip bei Fünfjährigen beginnen, also noch im Kindergartenalter. Vielen Eltern und Kindern wird der Aufwand bei den meisten Behandlungsmethoden aber vermutlich zu groß sein. Ohnehin werden viele Kinder, die mit fünf Jahren noch einnässen, bis zum Alter von sieben Jahren auch ohne jede Maßnahme von alleine "trocken". Drängender werden die Probleme oft in den ersten Schuljahren.
8. Elektronische Wecksysteme
Elektronische Wecksysteme müssen über einige Wochen eingesetzt werden und erfordern Ausdauer. Es gibt verschiedene Typen wie "Klingelmatten", "Klingelhöschen" und Mini-Wecksysteme mit Messfühlern, die in der Unterhose oder im Schlafanzug getragen werden können. Letztlich registrieren alle Geräte Nässe und lösen dann einen Alarm aus, der das Kind aufwecken soll [6]. In Deutschland werden die Kosten für bestimmte Weckgeräte in der Regel von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.Wecksysteme sind die wirksamste Methode gegen Bettnässen, auch ihr langfristiger Erfolg ist relativ klar belegt. Verschiedene Geräte sind mittlerweile in mehr als 50 Studien an insgesamt 2.800 Kindern und Teenagern erprobt worden [10]. Betrachtet man alle Studien zusammen, dann werden etwa 60 von 100 Kindern oder Jugendlichen während der Anwendung der Wecksysteme "trocken", es kann aber durchaus vier Monate dauern.
"Trocken" heißt, dass ein Kind mindestens 14 Nächte hintereinander nicht ins Bett gemacht hat. Nach Absetzen kann es manchmal zu einem Rückfall kommen, sodass die dauerhafte Erfolgsrate eher bei 50 Prozent liegt, das heißt 50 von 100 Kindern sind auch noch trocken, nachdem sie einige Monate ohne Wecksysteme geschlafen haben. Über die Dauer der Studien hat sich ohne Einsatz eines Wecksystems bei etwa 5 von 100 Kindern das Problem von selbst erledigt.
Von 10 Kindern, bei denen Wecksysteme eingesetzt werden, sind 5 nach einigen Monaten dauerhaft "trocken".
Grün: Kinder, die während der Behandlung mindestens 14 Nächte hintereinander trocken bleiben
Grau: Kinder, die trotz der Behandlung nicht 14 Nächte am Stück trocken bleiben
Wenn der Grund für das Bettnässen darin liegt, dass ein Kind sehr tief schläft, kann es sein, dass es auch durch den Alarm des Wecksystems nicht aufwacht. Dann stört der nächtliche Alarm vor allem Geschwister und Eltern, ohne für das Kind einen Nutzen zu haben. Wecksysteme können auch zusammen mit Verhaltenstraining eingesetzt werden.
Das Risiko eines Rückfalls lässt sich verringern, wenn an eine erfolgreiche Behandlung mit Wecksystemen eine zweite Trainingsphase angeschlossen wird, in der das nun trockene Kind vor dem Schlafengehen besonders viel trinken soll [10]. Auf diese Weise soll das Kind lernen, auch bei besonders voller Blase schnell genug aufzuwachen.Katrin
„Vom Arzt habe ich erfahren, dass es eine Klingelhose für die Behandlung von Bettnässen gibt. Ich habe es ausprobiert. Es hat ziemlich laut geklingelt. Jeder in der Wohnung hat es gehört und alle waren hellwach. Wir haben alle sehr schlecht geschlafen, da das Gerät bei dem ersten Tropfen anschlägt. Nur mein Sohn hat weitergeschlafen. Er schlief ja immer sehr fest.“
Wecksysteme erfordern eine große Motivation und sind zeitaufwändiger als Medikamente. Ein Vorteil gegenüber Medikamenten scheint zu sein, dass ein einmal erzielter Erfolg meist auch nach Ende der Behandlung anhält.
9. Medikamente
Auch Medikamente sind eine Alternative zur Behandlung von Bettnässen. Behörden empfehlen, Medikamente gegen Bettnässen nicht bei Kindern unter sieben Jahren - und nicht länger als drei Monate anzuwenden [3]. Wenn die Entscheidung für ein zugelassenes Medikament fällt, kann es vom Arzt auf Rezept verordnet werden. Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Für Kinder bis 12 Jahre und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum Alter von 18 Jahren können auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, wenn sie medizinisch notwendig sind.Allerdings gibt es nur für zwei Gruppen von Medikamenten verlässliche Belege, dass sie Bettnässen zumindest vorübergehend stoppen können[11]. Das ist zum einen das Hormon Desmopressin, das wie Vasopressin die Urinproduktion in der Nacht drosselt. Zum anderen sind es so genannte trizyklische Antidepressiva, die ansonsten zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Für beide Arzneimittel gilt, dass ihr Erfolg nicht dauerhaft ist. Sobald sie abgesetzt werden, kehrt bei einigen Kindern das Bettnässen zurück.
9.1. Desmopressin
Desmopressin ähnelt dem Vasopressin, das nachts vom Gehirn ausgeschieden wird, um die Urinproduktion zu verringern. Erhältlich ist Desmopressin in Form von Tabletten: die Erfolgsrate liegt bei 20 %. Das heißt, etwa 2 von 10 Kindern nässen während der Behandlung mindestens 14 Tage am Stück nicht mehr ins Bett [12]. Die Wirkung hält allerdings nach Absetzen der Behandlung nicht unbedingt an.Von 10 Kindern, die mit Desmopressin (20 mikrogram) behandelt werden, werden 2 "trocken".
Grün: Kinder, die während der Behandlung mindestens 14 Nächte hintereinander trocken bleiben
Grau: Kinder, die trotz der Behandlung nicht 14 Nächte am Stück trocken bleiben
Die Nebenwirkungen von Desmopressin Tabletten beruhen meist darauf, dass die Kinder zuviel Wasser im Körper behalten. Die Anzeichen sind unter anderem Kopfschmerzen und Übelkeit. Die Beschwerden werden seltener, wenn Kinder oder Jugendliche während der Behandlung mit Desmopressin nicht mehr als etwa einen Viertelliter pro Nacht trinken [12]. Da diese Nebenwirkung bei Desmopressin Nasenspray stärker ausgeprägt ist als bei Desmopressin Tabletten, soll Desmopressin Nasenspray nicht mehr zur Behandlung des Bettnässens eingesetzt werden. Dies hat die europäische Zulassungsbehörde im Mai 2007 beschlossen. Sie können mehr über die Sicherheitswarnung hier lesen: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (URL: http://www.bfarm.de/cln_043/nn_421158/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/desmopressin.html__nnn=true).
Wecksysteme haben gegenüber Desmopressin möglicherweise den Vorteil, dass die einmal erzielten Erfolge länger anhalten. Desmopressin ist jedoch eine Hilfe, wenn es darum geht, dass ein Kind für einen begrenzten Zeitraum trocken ist - beispielsweise für eine auswärtige Übernachtung. Allerdings muss man eine gewisse Vorlaufzeit einplanen.
9.2. Trizyklische Antidepressiva
Die zweite Gruppe von Medikamenten gegen Bettnässen sind "trizyklische Antidepressiva", auch Trizyklika genannt. Ihr Haupteinsatzgebiet liegt eigentlich in der Behandlung von Depressionen. Warum sie auch bei Kindern ohne Depressionen gegen Bettnässen wirken, ist unbekannt.Möglicherweise verringern sie die Urinproduktion oder beeinflussen die Übermittlung von Nervensignalen an beteiligte Muskeln. Meist werden die Wirkstoffe Imipramin und Clomipramin zur Behandlung von Bettnässen eingesetzt. Die Erfolgsrate liegt ähnlich wie die des Desmopressins bei 20 %, also etwa 2 von 10 Kindern bleiben für mindestens 14 Nächte am Stück trocken [14]. Trizyclika sind aber keine Lösung auf Dauer, weil viele Kinder nach Absetzen der Medikamente nachts wieder ins Bett machen.
Von 10 Kindern, die mit trizyklischen Antidepressiva behandelt werden, werden 2 "trocken".
Grün: Kinder, die während der Behandlung mindestens 14 Nächte hintereinander trocken bleiben
Grau: Kinder, die trotz der Behandlung nicht 14 Nächte am Stück trocken bleiben
Die Medikamente müssen außerhalb der Reichweite der Kinder aufbewahrt werden, weil eine Überdosierung lebensgefährlich sein kann. Derzeit überprüfen Arzneimittelbehörden in den USA und Europa wegen Sicherheitsbedenken, welche Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen gegen welche Gesundheitsprobleme eingesetzt werden dürfen [15][16][17][18].
10. Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen
10.1. Verhaltensorientierte Methoden
Die Grundidee verhaltensorientierter Methoden ist es, dem Kind dabei zu helfen, die Kontrolle über seine Blase zu erlernen. Es gibt ein ganzes Spektrum von Varianten, zum Beispiel einfache Belohnungssysteme wie den "Sonne-Wolken-Kalender": Das Kind kann nach einer trockenen Nacht eine Sonne malen, nach einer nassen Nacht eine Wolke. Eine Möglichkeit ist es auch, das schlafende Kind aus dem Bett zu holen und zur Toilette zu bringen, oder es planmäßig aufzuwecken, damit es selbst zur Toilette gehen kann. Manche Eltern versuchen Bettnässen zu bekämpfen, indem sie ihr Kind abends nichts mehr trinken lassen.Die Wirksamkeit dieser Methoden ist nicht gut untersucht [19]. Und was bisher an Studien gibt, lässt eher daran zweifeln, dass sie eine nennenswerte Erfolgsrate haben.
Verhaltenstraining erfordert von Kind und Familie ein relativ hohes Maß an Mitarbeit und Motivation. Es ist deshalb die Frage, ob Aufwand und Aussicht auf Erfolg in vernünftiger Relation zueinander stehen. Ob eine gezielte Psychotherapie hilft, ist bislang unsicher [20].Katrin
„Ich habe versucht meinen Sohn zu wecken. Mein Sohn schläft sehr fest. Nachdem er schlafen gegangen war, wollte ich ihn eine Stunde später wecken. Aber es war schon zu spät. Dann habe ich versucht, dass er weniger trinkt. Nachmittags habe ich ihm kaum noch etwas zu trinken gegeben. ... Am Abend habe ich die Trinkmenge soweit reduziert, dass er dann fast nichts mehr getrunken hat. Ich habe gedacht, wenn er weniger Flüssigkeit aufnimmt, dann scheidet er auch weniger aus. Aber irgendwie hat er noch mehr Flüssigkeit ausgeschieden.“
10.2. Druck schadet eher
Wenn ein Verhaltenstraining eingesetzt wird, ist es wichtig, das Kind nicht mit Strafen unter Druck zu setzen. Einzelne Forscher haben sogar erprobt, wie sich Bestrafung auswirkt. Wenn man diese Studien zusammen betrachtet, dann zeigt sich, dass Drohungen die Erfolgsrate eindeutig vermindern [19]. Ebenso sinnlos ist es, ein Kind gezielt vor anderen bloßzustellen. Auch so lässt sich Bettnässen nicht in den Griff bekommen [14]. Auch ein generelles Verbot, abends zu trinken, kann das Problem eher verschlimmern. Wenn ein Kind regelmäßig geweckt wird, um zur Toilette zu gehen, nimmt man ihm eventuell die Möglichkeit, zu lernen, seine volle Blase zu spüren.Katrin
„Eltern sollten auf keinen Fall ihre Kinder bestrafen. In keiner Weise. Ich denke, dass es am besten ist, das Kind zu lieben und zu beschützen. Der Alltag fällt manchmal schwer. Es kostet Nerven. Man sollte trotzdem versuchen, noch mehr für das Kind da zu sein. Damit das Kind merkt, dass es trotzdem gemocht wird und etwas Besonderes ist. ... Ich bin der Meinung, dass Gewalt und Strafen nicht helfen.“
10.3. Weitere Methoden ohne nachgewiesenen Nutzen
In der Vergangenheit wurden auch Beruhigungsmittel wie beispielsweise der Wirkstoff Diazepam gegen Bettnässen empfohlen. Es gibt aber bislang keine zuverlässigen Belege dafür, dass sie einem Kind helfen [11]. Deshalb sind sie für diesen Zweck in Deutschland auch nicht zugelassen. Außerdem haben sie noch mehr Nebenwirkungen als Antidepressiva und können abhängig machen.
Offen ist bislang auch, ob unterschiedliche Formen der Psychotherapie, einschließlich kognitiver Verhaltenstherapie, einen Nutzen haben.Immer wieder werden auch verschiedene Techniken zur Verbesserung der Blasenkontrolle empfohlen, wie Haltetraining und Blasentraining.
Bei Haltetraining wird geübt, das Wasserlassen tagsüber hinauszuzögern. Dadurch soll einerseits die Blase vergrößert werden, andererseits soll dem Kind auch bewusst werden, wie sich eine volle Blase "anfühlt". Bei Blasentraining wird die Beckenbodenmuskulatur trainiert, indem der Urinstrahl während des Wasserlassens mehrmals kurz unterbrochen wird. Bislang ist aber unbekannt, ob diese Übungen tatsächlich gegen Bettnässen helfen [8].
Es gibt auch eine Reihe von Therapien der komplementären oder alternativen Medizin, die gegen Bettnässen eingesetzt werden, zum Beispiel Chiropraktik, Homöopathie, Hypnose und Akupunktur. Manche dieser Therapien wurden sogar in ersten Studien erprobt. Allerdings sind die Ergebnisse nicht eindeutig, sodass es bislang keine guten Argumente dafür gibt, dass bestimmte komplementäre Therapien gegen Bettnässen wirken [21].
Für einen Zusammenhang zwischen Allergien und Bettnässen gibt es keinen verlässlichen wissenschaftlichen Nachweis. Das spricht eher dagegen, dass die Vermeidung bestimmter Nahrungsmittel gegen Bettnässen hilft.
Glossar
Hypnose
Akupunktur
Antidepressiva
Beckenbodenmuskulatur
Blase
Blaseninfektion
Blasenkontrolle
Diabetes mellitus
Enuresis
Eukalyptusöl
Homöopathie
Infektion
Klingelhöschen
Klingelmatten
Malheur
Obstipation
Schlafapnoe
Vasopressin
Zuckerkrankheit
Quellennachweis
[1] Bosson S, Lyth N. Nocturnal enuresis. Clin Evid 2002; : 341-348.
[2] Robert Koch Institut (RKI). Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch Institut. 2004.
[3] Centre for Reviews and Dissemination (CRD). Treating nocturnal enuresis in children. Effective Health Care 2003; 8: 1-8.
[4] von Gontard A, Schaumburg H, Hollmann E, Eiberg H, Rittig S. The genetics of enuresis: a review. J Urol 2001; 166: 2438-2443.
[5] Super M, Postlethwaite RJ. Genes, familial enuresis, and clinical management. Lancet 1997; 159: 350-350.
[6] Evans JHC. Evidence based management of nocturnal enuresis. BMJ 2001; 323: 1167-1169.
[7] Sanders C. Choosing continence products for children. Nursing Standard 2002; 16: 39-43.
[8] Glazener CMA, Evans JHC, Peto RE. Complex behavioural and educational interventions for nocturnal enuresis in children. 2004.
( http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD004668/frame.html)
[9] American Academy of Pediatrics. Bed-Wetting. 0.
( http://www.aafp.org/afp/20030401/1509ph.html)
[10] Glazener CMA, Evans JHC, Peto RE. Alarm interventions for nocturnal enuresis in children. 2005.
( http://www.mrw.interscience.wiley.com/cochrane/clsysrev/articles/CD002911/frame.html)
[11] Glazener CMA, Evans JHC, Peto RE. Drugs for nocturnal enuresis in children (other than desmopressin and tricyclics). 2003.
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