Beingeschwüre: Helfen Hauttransplantate bei schlecht heilenden venösen Beingeschwüren?
Bei etwa einem von 100 Menschen (1 %) entwickelt sich irgendwann im Leben ein Beingeschwür, vor allem im Alter. Die häufigste Form ist das venöse Beingeschwür. Dabei handelt es sich um eine wunde Stelle oder offene Wunde, die sich meist direkt über dem Fußknöchel befindet. Venöse Beingeschwüre können auftreten, wenn das Blut in den Beinvenen nicht mehr richtig zum Herzen zurückfließt und sich das Blut in den Beinen staut. Dies nennt man auch venöse oder chronische venöse Insuffizienz. Dabei fühlen sich die Waden möglicherweise gespannt an und die Knöchel können anschwellen.
Durch den Blutstau in den unteren Beinvenen drängt auch zuviel Blut in die kleinen Gefäße (Kapillaren), die das Gewebe ernähren. Der Druck, der dadurch entsteht, schädigt das Gewebe. Es entwickelt sich eine Wunde, die schließlich die Haut durchdringt: ein venöses Beingeschwür.
Venöse Beingeschwüre heilen oft nicht richtig. Ein Grund ist dasselbe Problem, das solche Wunden entstehen lässt: Die erste Reaktion des Körpers auf eine Verletzung besteht darin, die betroffene Region mit Blut zu durchströmen. Wenn die Blutzirkulation nicht mehr richtig funktioniert, ist auch die Wundheilung erschwert. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind gestört.
Es kann Monate, manchmal sogar Jahre dauern, bis ein venöses Beingeschwür heilt. Solche Geschwüre können sehr schmerzhaft sein und das Leben der Menschen stark belasten. Die grundlegende Behandlung eines Beingeschwürs ist, die Wunde zu verbinden, um den Austritt von Flüssigkeit zu vermindern und vor Verunreinigung zu schützen. Durch das Tragen von Kompressionssocken oder -strümpfen wird versucht, den Blutfluss durch Druck auf die Venen zu unterstützen. Andere Behandlungsmethoden für venöse Beingeschwüre sind zum Beispiel Venenoperationen. In unserem Merkblatt können Sie mehr über chronische, nicht heilende Wunden und ihre Behandlungsmöglichkeiten lesen.
Damit ein Geschwür zuheilen kann, muss der Körper neue Haut bilden. Eine der Behandlungsmöglichkeiten für solche Wunden sind Hauttransplantate. Solche Transplantate bestehen entweder aus Haut von einer anderen Körperstelle oder einem künstlich hergestellten Hautstück, das mit der gesunden Haut außerhalb der Wunde verbunden wird. Die Idee dabei ist: Anstatt zu warten, bis der Körper vielleicht selbst genug neue Haut gebildet hat, verwächst das Transplantat mit der körpereigenen Haut.
Die Haut, die für eine Transplantation verwendet wird, kann von einer anderen Körperstelle des Patienten oder einem Tier stammen. Sie kann auch auf Basis von menschlichen oder tierischen Zellen künstlich gezüchtet (kultiviert) werden. Ferner lässt sich Haut biotechnologisch nachbilden, indem Hautzellen mit anderen Materialien kombiniert werden. Wenn die Haut von der erkrankten Person selbst stammt oder aus seinen Zellen gezüchtet wurde, spricht man von einem "Autotransplantat". Wenn sie aus Zellen eines anderen Menschen hergestellt wurde, nennt man die Haut "Allotransplantat". Hautprodukte tierischen Ursprungs (meist von Schweinen) werden als "Xenotransplantat" bezeichnet.
Künstlich angefertigte Haut wird auch "biotechnologisch hergestellte Haut" oder "menschliches Hautäquivalent" genannt. Es gibt sie sowohl in ein- als auch zweilagiger Form. Meist handelt es sich um eine Mischung aus künstlichen Materialien und menschlichen oder tierischen Zellprodukten. Alle Transplantate, die Zellen eines Fremdspenders enthalten, bergen ein geringes Infektionsrisiko, falls der Spender eine HIV-, Hepatitis- oder andere Infektion hatte und dies vom Hersteller des Transplantats nicht entdeckt wurde. Dies kommt aber nur äußerst selten vor.
Wissenschaftler der Cochrane Collaboration suchten nach Studien, in denen geprüft wurde, ob Hauttransplantate die Heilungschancen bei venösen Beingeschwüren erhöhen. Sie wollten wissen, ob Hauttransplantate besser sind als die übliche Behandlung und wie unterschiedliche Transplantate im Vergleich abschneiden. Die Wissenschaftler fanden 15 Studien, an denen knapp 800 Menschen teilgenommen hatten. Die meisten Studien waren klein und testeten viele unterschiedliche Transplantate. Dies bedeutet, dass zu den einzelnen Transplantatformen nur wenige Daten zur Verfügung standen. Daher war es nicht möglich, klare Aussagen zur Wirkung der verschiedenen Produkte zu erhalten.
Fast die Hälfte der Teilnehmer verteilte sich auf zwei Studien, in denen jeweils eine Gruppe zweilagige Transplantate und Kompressionsverbände erhielt, während die andere Gruppe mit einfachen Wundauflagen und Kompressionsverbänden behandelt wurde. Das Ergebnis der beiden Studien: Bei 61 von 100 Teilnehmern, die eine Hauttransplantation erhielten, heilten die Wunden innerhalb von sechs Monaten komplett ab (61 %). Dies war nur bei 40 von 100 Menschen (40 %), die herkömmlich behandelt wurden, der Fall. Mit anderen Worten: Bei zusätzlich einem von fünf Menschen, die eine Hauttransplantation erhielten, heilte die Wunde schneller. Die Transplantate waren zweilagig und bestanden aus menschlichem Hautäquivalent. Alle Studienteilnehmer hatten schlecht heilende Beingeschwüre.
Da die vorhandenen Studien einige Einschränkungen aufwiesen, schlossen die Wissenschaftler, dass weitere Forschung erforderlich ist. Die analysierten Studien weisen jedoch darauf hin, dass Beingeschwüre durch zweilagige allogene Hauttransplantate etwas erfolgreicher heilen können. Es gibt noch zu wenig Forschungsergebnisse, um etwas über mögliche unerwünschte Wirkungen von Hauttransplantaten bei venösen Beingeschwüren aussagen zu können.
- Erstellt am: 20. Februar 2008 14:32
- Letzte Aktualisierung: 21. Februar 2008 08:21
- Historie: Liste anzeigen
- Quelle: Jones JE, Nelson EA. Skin grafting for venous leg ulcers. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 2. [Cochrane-Zusammenfassung]
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