Asthma: Ist Kortison zum Inhalieren in der Schwangerschaft sicher?
Da Asthma eine häufige Erkrankung ist, betrifft sie oft auch schwangere Frauen. Etwa 5 bis 8 Prozent der werdenden Mütter haben Asthma. Die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft können das Asthma bei manchen Frauen verschlechtern, vor allem in der späten Schwangerschaft.
Wenn eine Frau mit moderatem oder schwerem Asthma ihre Erkrankung nicht mit Medikamenten kontrolliert, die Asthmaanfällen vorbeugen können, hat sie ein erhöhtes Risiko für schwere Asthmaanfälle. Dies ist in der Schwangerschaft riskanter als normalerweise: zum Teil, weil die zusätzliche körperliche Belastung einer fortgeschrittenen Schwangerschaft es der Frau erschwert, mit einer körperlichen Krise wie einem stärkeren Asthmaanfall fertig zu werden. Dies kann der Frau und ihrem Kind auf verschiedene Weise schaden. So verringert ein Asthmaanfall unter anderem die Menge an Sauerstoff, die das Baby erreicht. Schlecht kontrolliertes Asthma erhöht das Risiko für das Baby, zu früh und zu unreif geboren zu werden (Frühgeburt), nicht gut zu wachsen und unabhängig vom Geburtszeitpunkt zu klein auf die Welt zu kommen. Es erhöht auch das Risiko für eine Präeklampsie, eine Erkrankung, die während der Schwangerschaft auftreten kann und vor allem zu starkem Bluthochdruck führt. Sie kann für Mutter und Kind gefährlich werden.
Mehr Informationen über Asthma in der Schwangerschaft und die Möglichkeiten, die beschriebenen Risiken zu verringern, erhalten Sie hier. Dazu gehört es, mit dem Rauchen aufzuhören und das Asthma gut unter Kontrolle zu halten. Wenn bestimmte Stoffe oder äußere Reize die Asthmaattacken auslösen, ist es wichtig, diese so weit wie möglich zu vermeiden. Über Asthma-Auslöser können Sie hier mehr lesen. Viele Frauen sind mit Arzneimitteln in der Schwangerschaft vorsichtig und könnten deshalb ihre Asthmamedikamente weniger einsetzen. Dies ist zwar verständlich, kann aber die Asthmakontrolle verschlechtern.
Über die allgemeine Anwendung von Asthmamedikamenten können Sie hier mehr lesen. Es gibt zwei Arten von Asthmamedikamenten: Zum einen die sogenannten Bedarfs- oder Notfallmedikamente ("Reliever"), die eingesetzt werden, um bei einem Asthmaanfall Erleichterung zu finden (das englische "to relieve" bedeutet "erleichtern"). Zum anderen die "Controller" (englisch "to control" bedeutet "kontrollieren"), die regelmäßig und dauerhaft eingenommen werden. Sie halten das Asthma unter Kontrolle und beugen Asthmaanfällen vor.
Normalerweise wenden schwangere Frauen mit Asthma weiterhin die Medikamente an, die ihnen auch vorher geholfen haben. Zur dauerhaften Asthmakontrolle in der Schwangerschaft ist Kortison zum Einatmen (inhalatives Kortikoid) am besten untersucht. Kortikoide können die asthmabedingten Entzündungsvorgänge in der Lunge lindern. Durch den Einsatz von Kortison als Spray lassen sich viele der unerwünschten Wirkungen von Kortison in Tablettenform vermeiden. Durch das Einatmen gelangt der Wirkstoff direkt in die Lungen und belastet nicht den gesamten Organismus, wie es beim Schlucken von Tabletten (orale Einnahme) der Fall ist.
Die Forschung zur regelmäßigen Anwendung von inhalativen Kortikoiden in der Schwangerschaft
Wissenschaftlerinnen der Universität von Montreal in Kanada haben Studien analysiert, um den Stand des Wissens zur Sicherheit von inhalativen Kortikoiden in der Schwangerschaft zu überprüfen. Die Forschung zu den Auswirkungen von Medikamenten in der Schwangerschaft ist generell sehr kompliziert. Denn während einer Schwangerschaft geht im Körper viel vor, und dies macht es noch schwerer als üblich, Medikamentenwirkungen von den Wirkungen anderer körperlicher Vorgänge oder den Folgen von Asthma zu unterscheiden. Die Medikamentensicherheit während der Schwangerschaft wird vorwiegend bewertet durch
- regelmäßiges Überwachen von Registern, die Informationen zu Neugeborenen mit Behinderungen und Missbildungen erfassen,
- Berichte über unerwünschte Wirkungen, die schwangere Frauen während der Medikamenteneinnahme feststellen, und
- Studien, die vergleichen, wie es zum Beispiel Frauen mit Asthma mit und ohne Medikamentenanwendung geht.
Wenn unklar ist, welche Auswirkungen ein Medikament während einer Schwangerschaft hat, ist es wichtig, vergleichende Studien zwischen zwei Gruppen von Frauen mit Asthma durchzuführen: Eine Gruppe, die das Medikament anwendet, wird verglichen mit einer anderen, die das Medikament nicht anwendet. Ein Vergleich mit Frauen, die kein Asthma haben, hilft nicht so viel, da die Erkrankung selbst Schäden hervorrufen kann. Es ließe sich nicht unterscheiden, ob die Medikamente ein Gesundheitsproblem hervorgerufen haben oder das Asthma.
Die kanadischen Forscherinnen fanden 23 Studien, die die Wirkungen inhalativer Kortikoide auf die Schwangerschaft von Anwenderinnen untersucht hatten. Allerdings wurden nur in 9 dieser Studien Gruppen verglichen, in denen alle Frauen Asthma hatten. In allen anderen Studien hatten die Teilnehmerinnen der Vergleichsgruppen kein Asthma. Drei der 23 Studien waren randomisierte kontrollierte Studien mit knapp unter 480 Babys.
Inhalatives Budesonid kann Asthma kontrollieren und gilt als unbedenklich
Aus den Ergebnissen ihrer Analyse zogen die Forscherinnen den Schluss, dass Budesonid das zum Einsatz in der Schwangerschaft am besten untersuchte Kortikoid ist. Obwohl noch mehr Forschung in diesem Bereich nötig ist, zeigte sich, dass Budesonid
- die Zahl der Asthmaaanfälle während der Schwangerschaft verringern konnte und
- seltener dazu führte, dass Frauen nach einem Asthmaanfall erneut ein Krankenhaus aufsuchen mussten, wenn sie nach einem Klinikaufenthalt infolge eines Anfalls die inhalativen Kortikoide anwendeten.
Bei Frauen, die inhalative Kortikoide anwendeten, traten insgesamt weniger Probleme durch das Asthma auf und sie konnten verschiedene Belastungen für ihre Babys verringern. Aus den vorhandenen Daten lässt sich nicht sicher schließen, inwieweit sich die Zahl der Todesfälle verringert hatte. Die Zahl der Kinder, die mit Missbildungen zur Welt kamen, erhöhte sich durch die Medikamentenanwendung nicht. Aus diesem Grund wird inhalatives Budesonid zum Einsatz während der Schwangerschaft als sicher angesehen.
Die Asthmakontrolle löst nicht alle Gesundheitsprobleme, die die Krankheit während der Schwangerschaft verursacht. Es bleibt deshalb wichtig, Probleme wie Bluthochdruck bei schwangeren Frauen mit Asthma gut zu beobachten. Ärztinnen und Ärzte werden zudem versuchen, die niedrigste Medikamentendosis zu finden, mit der sich das Asthma kontrollieren lässt. Über Asthma im Allgemeinen finden Sie hier weitere Informationen; über Asthma in der Schwangerschaft hier.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Erstellt am: 02. Dezember 2008 10:31
- Letzte Aktualisierung: 03. Dezember 2008 12:20
- Historie: Liste anzeigen
- Quellen:
Breton MC, Martel MJ, Vilain A, Blais L. Inhaled corticosteroids during pregnancy: a review of methodologic issues. Respir Med 2008; 102: 862-875. [PubMed-Zusammenfassung]
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