Allergien: Was sind die Vor- und Nachteile verschiedener Antihistaminika?
Ein Allergen ist eine Substanz, auf die ein Mensch überempfindlich ("allergisch") reagiert, wie zum Beispiel Hausstaubmilben oder Pflanzenpollen. Der Organismus antwortet auf das Allergen mit einer Kette chemischer Reaktionen. Zuerst bildet er Antikörper gegen das Allergen und schickt diese mit dem Blutstrom durch den Körper. Daraufhin "antworten" bestimmte Arten von Zellen auf die Antikörper, indem sie chemische Stoffe freisetzen, darunter eine Substanz namens Histamin. Histamin löst allergische Reaktionen aus wie Niesen, tränende Augen und Hautausschläge.
Antihistaminika sind Wirkstoffe, die die Wirkung des Histamin unterdrücken. Die ersten zugelassenen Antihistaminika haben allerdings das Gehirn zu schnell erreicht und daher häufig zu teilweise ernsthaften Nebenwirkungen geführt. Sie waren eigentlich starke Beruhigungsmittel und machten deshalb sehr müde. Zudem schwächten sich ihre positiven Wirkungen so schnell ab, dass sie mehrmals am Tag eingenommen werden mussten.
Eine neuere Generation dieser Medikamente hatte weniger unerwünschte Wirkungen als die erste, und ihre positiven Effekte hielten länger an. Vier dieser Wirkstoffe sind inzwischen die am häufigsten verwendeten Medikamente gegen allergische Beschwerden: Cetirizin, Desloratadin, Fexofenadin und Loratadin.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des "Oregon Evidence-Based Practice Center" in den USA haben nach Studien gesucht, die diese vier Wirkstoffe miteinander verglichen. Sie wollten herausfinden, ob eines der Mittel gegen allergischen Schnupfen oder Nesselausschlag wirksamer ist als ein anderes. Ein allergischer Schnupfen kann sich zum einen als Heuschnupfen während der Frühjahrssaison zeigen (jahreszeitlich bedingte allergische Rhinitis). Die typischen Beschwerden wie Niesen, laufende Nase und tränende Augen können aber auch das ganze Jahr über auftreten (ganzjährige allergische Rhinitis). Nesselausschlag (auch Nesselfieber, Nesselsucht oder Urtikaria genannt) ist eine juckende Hautreaktion. Dabei bilden sich oft rötliche Quaddeln.
Die Forscher fanden 46 Studien mit erwachsenen Teilnehmern und 27 Studien mit Kindern, außerdem einige Studien, die die Ergebnisse nur über weniger als zwei Wochen untersucht hatten. Auch wenn die Zahl der Studien insgesamt den Anschein erweckt, als gäbe es genug Forschungsarbeiten zu diesem Thema, blieben viele wichtige Fragen unbeantwortet, da die Studien so viele Wirkstoffe und unterschiedliche Beschwerden untersucht hatten.
Die meisten Studien beschäftigten sich nur mit der jahreszeitlich bedingten allergischen Rhinitis. Es ist noch unklar, welche der untersuchten Wirkstoffe für jeden Typ allergischer Reaktionen am wirksamsten sein könnten und dabei die wenigsten Nebenwirkungen zeigen. Es gab Hinweise, dass Loratadin bei Menschen mit ganzjähriger allergischer Rhinitis etwas schneller wirkt als andere Medikamente. Loratadin könnte auch gegen Nesselausschlag besser wirken als Cetirizin. Cetirizin könnte zudem etwas schläfriger machen als einige der anderen Wirkstoffe, aber dies ist nicht ganz sicher.
Unerwünschte Wirkungen zeigten sich bei allen Medikamenten häufig: etwa 15 bis 25 % der erwachsenen Studienteilnehmer berichteten über Nebenwirkungen (fast zwei bis drei von zehn Menschen, die die Mittel eingesetzt hatten). Die Nebenwirkungen - Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Magenschmerzen oder Hautrötungen - waren jedoch im Allgemeinen nicht so störend, dass die Anwender sie deswegen abgesetzt hätten. Nur etwa 3 % der Teilnehmer beendeten die Einnahme der Mittel wegen ihrer Nebenwirkungen (das ist weniger als einer von 20 Teilnehmern).
Grundsätzliche Sicherheitsbedenken gegenüber Antihistaminika gibt es wegen möglicher unerwünschter Wirkungen auf das Herz (kardiologische Wirkungen). Solche Wirkungen traten in den Studien nicht auf, es ist jedoch noch mehr Forschung zur Sicherheit dieser Wirkstoffe nötig. Es gab einige andere Untersuchungen, die nahelegten, dass einige dieser Substanzen das Risiko von Herzrhythmusstörungen erhöhen könnten. Die Forscher kamen trotzdem zu dem Ergebnis, dass diese Medikamente allgemein recht gut verträglich sind und allergische Beschwerden lindern können.
Eine andere Behandlungsmöglichkeit für Menschen mit Allergien ist die spezifische Immuntherapie. Mehr darüber erfahren Sie hier.
- Erstellt am: 10. Juni 2008 11:57
- Letzte Aktualisierung: 11. Juni 2008 16:32
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Quelle:
Oregon Evidence-Based Practice Center (OHSU). Drug class review on newer antihistamines. Final report April 2006. [Volltext Teil 1] [Volltext Teil 2]
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